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Wo tut’s denn weh?

»Piks, piks, piks«: Die Sprache als weiteres Opfer der Pandemie

  • Erik Zielke
  • Lesedauer: 2 Min.
Pandemie und Sprachverfall: Wo tut’s denn weh?

Das war’s dann wohl mit der Impfpflicht. Karl Lauterbachs Herzensprojekt ist gescheitert, nicht zuletzt an – Karl Lauterbach. Nun muss nur noch die Pandemie verschwinden nebst all den sprachlichen Verirrungen, die damit einhergehen. Man wird es ja zumindest noch wünschen dürfen. Einige dümmliche Formulierungen, »Aha-Regel« beispielsweise, sind erfreulicherweise bereits nicht mehr Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Das Dauergerede von zu treffenden »Maßnahmen« reißt hingegen nicht ab: Der Transfer vom Corona-Stichwort zur Standardvokabel in der Russland-Politik erfolgte, wie man so hübsch sagt, bruchlos.

Die coronabedingten Sprachverirrungen speisen sich aus neologistischen Abwegen, deutschem Abkürzungseifer und der verbalen Lust am Technokratischen. Ein besonderer Fall aber ist der »Piks«. Wer früher »Piks« sagte, der fragte auch: »Wo tut’s denn weh?« und sprach von sich selbst in der dritten Person als »der Herr« oder »die Frau Doktor« und war also im Bereich der Kindermedizin tätig. Zweifelsohne ein respektables Beschäftigungsfeld. Aber ebenso, wie man mit seinem Arbeitskollegen anders sprechen sollte als mit einem Hund, mit dem Schwiegervater nicht wie mit dem Mitarbeiter eines Callcenters, mit der Steuerfachangestellten anders als mit der Geliebten, so wäre es nur richtig, gerade angesichts der folgenreichen Verbreitung einer Infektionskrankheit und der daraus resultierenden »Maßnahmen« (sic!), mit den erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern eines Landes nicht in Kindersprache zu kommunizieren.

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