Werbung

Potsdam jubelt unter Tränen

Im Kampf um die Volleyballmeisterschaft setzt sich am Ende doch Favorit Stuttgart durch

Konstantina Vlachaki (r.) blieb beim Matchball am Freitag an Stuttgarts Block hängen. Am Sonntag verloren ihre Potsdamerinnen sogar 0:3.
Konstantina Vlachaki (r.) blieb beim Matchball am Freitag an Stuttgarts Block hängen. Am Sonntag verloren ihre Potsdamerinnen sogar 0:3.

Die Trä­nen der Ent­täu­schung waren noch nicht getrock­net, da ver­sam­mel­ten sich die Vol­ley­bal­le­rin­nen des SC Pots­dam bereits wie­der auf dem Spiel­feld der Stutt­gar­ter Are­na, nah­men sich an den Armen und began­nen, im Kreis auf und ab zu sprin­gen, als hät­ten sie gewon­nen. Hat­ten sie nicht. Aber es dau­er­te eben auch nur ein paar Minu­ten, bis sie sich mit­ein­an­der ver­ge­wis­sern woll­ten, was für eine tol­le Sai­son sie doch gespielt hat­ten – auch wenn sie nicht so geen­det hat­te, wie sie es sich erträumt hatten.

Der Wunsch, die ers­te deut­sche Vol­ley­ball-Meis­ter­schaft für den SC Pots­dam zu holen, blieb auch am Sonn­tag­abend uner­füllt. Nach­dem die Bran­den­bur­ge­rin­nen bereits zwei Tage zuvor in Spiel vier vor eige­nem Publi­kum zwei Match­bäl­le unge­nutzt lie­ßen und noch 2:3 unter­la­gen, ver­lo­ren sie nun auch das ent­schei­den­de fünf­te Final­spiel beim Pokal­sie­ger MTV Stutt­gart mit 0:3. So sicher­te sich nach einem zwi­schen­zeit­li­chen 1:2‑Rückstand doch noch der gro­ße Favo­rit sei­nen zwei­ten Meis­ter­ti­tel nach dem von 2019.

Auch Pots­dams Kapi­tä­nin Lau­ra Emonts muss­te sich erst mal ein paar Trä­nen aus dem Gesicht wischen, bevor sie zum Inter­view vor die Fern­seh­ka­me­ras trat und ver­such­te, das gro­ße Gan­ze im Blick zu behal­ten: »Wir kön­nen stolz sein auf den zwei­ten Platz. Wir haben eine rich­ti­ge Rei­se hin­ter uns. Am Schluss waren wir eher ein Laza­rett. Daher bin ich so stolz auf die­ses Team«, sag­te Emonts.

Kurz dar­auf posier­te sie mit ihren Kol­le­gin­nen schon fürs Vize­meis­ter­fo­to, und mit Sil­ber­me­dail­len am Hals konn­ten alle schon wie­der lachen. Die­se Nie­der­la­ge war offen­bar schnel­ler abzu­ha­ken als die vom Frei­tag­abend, als ein Auf­schlag­feh­ler und eine ver­ge­be­ne Angriffs­chan­ce den Pots­da­mer Titel in einem dra­ma­ti­schen Fünf-Satz-Kri­mi ver­hin­dert hat­ten. »Natür­lich tat das sehr weh. Aber wir wuss­ten auch vor­her, dass wir eine sehr schwe­re Auf­ga­be vor uns hat­ten. Stutt­gart wür­de uns den Titel nicht so ein­fach schen­ken. Bei­de Teams woll­ten ihn so sehr, aber wir waren auch sehr müde«, gestand Kon­stan­ti­na Vlacha­ki gegen­über »nd«. Es war ihr ent­schei­den­der Angriffs­schlag gewe­sen, der in Spiel vier am Stutt­gar­ter Block hän­gen­ge­blie­ben war.

Die Grie­chin spielt erst seit letz­tem Som­mer für Pots­dam. »Als ich hier unter­schrie­ben habe, hat­te ich kei­ne Ahnung, dass das die bes­te Sai­son des Ver­eins wer­den wür­de. Aber schon damals sag­ten vie­le im Umfeld, dass Pots­dam die Gele­gen­heit zu etwas Gro­ßem haben wür­de«, erin­ner­te sich Vlacha­ki. »Ich bin echt froh, dass ich zuge­sagt habe, denn die Spie­le­rin­nen sind so gut, und der Team­geist ist außerordentlich.«

Jene gute Team­che­mie beschwor auch Toni Rie­ger: »Wir sind mit Ver­let­zun­gen in die Sai­son gestar­tet, hat­ten zwi­schen­durch eine lan­ge Nie­der­la­gen­se­rie, und uns fehl­te auch jetzt eine Außen­an­grei­fe­rin«, ließ der Sport­di­rek­tor die Spiel­zeit 2021/22 Revue pas­sie­ren. »Es spricht für die­ses Team, dass wir immer wie­der aus den Tiefs raus­ge­kom­men sind. Nur so ist ein sol­cher Erfolg über­haupt möglich.«

Die ange­spro­che­nen Ver­let­zungs­sor­gen hat­ten die Pots­da­me­rin­nen bis ins Fina­le beglei­tet. Vlacha­ki war nicht nur müde in die letz­ten Par­tien gegan­gen, son­dern auch ange­schla­gen. Im zwei­ten Match war sie umge­knickt, kam erst mit­ten im vier­ten mit dick ban­da­gier­tem Fuß wie­der zum Ein­satz. Aber: »Wenn man in einem Fina­le spielt, spürt man kei­nen Schmerz. Du musst ein­fach ran und blen­dest das aus«, sag­te sie spä­ter. Nach den Spie­len kam zum see­li­schen Schmerz ob der ver­pass­ten Sie­ge aber auch immer wie­der der im Sprung­ge­lenk hin­zu. Zudem hat­te Libe­ra Alek­san­dra Jeg­dic mit Rücken­pro­ble­men zu kämp­fen. Bei Vale­ria Papa war die Schul­ter lädiert. Alle bis­sen auf die Zäh­ne, doch es reich­te nicht.

Dass es den­noch eine her­aus­ra­gen­de Spiel­zeit war, zeigt allein der Fakt, dass nur der SCP die Stutt­gar­te­rin­nen in die­ser Sai­son natio­nal hat­ten bezwin­gen kön­nen. Der MTV arbei­tet wohl mit dem höchs­ten Etat der gesam­ten Bun­des­li­ga. Star­an­grei­fe­rin Krys­tal Rivers ver­die­ne Ex-Bun­des­trai­ner Felix Koslow­ski zufol­ge sechs­stel­lig in einer Stutt­gar­ter Sai­son. Da kann der SC Pots­dam nicht mit­hal­ten. Hier tra­fen bild­lich gespro­chen David und Goli­ath auf­ein­an­der, oder – mit Blick auf die Spon­so­ren der Teams – die Mit­tel­bran­den­bur­gi­sche Spar­kas­se und der Dax-Rie­se Allianz.

Was das bedeu­tet, war auch Pots­dams 18-jäh­ri­ger Jung-Natio­nal­spie­le­rin Ana­sta­sia Ceku­la­ev klar: »Der Erfolg Stutt­garts war ja erwar­tet wor­den, und das hat­te sei­ne Grün­de«, so die Mit­tel­blo­cke­rin. »Natür­lich kämpft man trotz­dem, natür­lich träumt man vom Titel. Aber am Ende war schon das Errei­chen des Finals eine Beloh­nung für uns.«

Weil sich die Aus­gangs­la­ge auch nicht so schnell ändert, fiel es Pots­dams Kapi­tä­nin schwer, am Sonn­tag den neu­en Meis­te­rin­nen eine ech­te Kampf­an­sa­ge vor­zu­le­gen: »Natür­lich ist nächs­te Sai­son wie­der mit uns zu rech­nen, aber wir müs­sen uns kei­nen Druck machen. Unser Etat ist ein­fach nur so groß, dass wir Stutt­gart maxi­mal ein biss­chen ärgern kön­nen«, so Lau­ra Emonts.

Weil schon die vor­he­ri­ge Sai­son mit dem Errei­chen des Pokal­fi­nals als her­aus­ra­gend in Pots­dam galt und star­ke Spie­le­rin­nen das Inter­es­se der zah­lungs­kräf­ti­ge­ren Kon­kur­renz geweckt hat­ten, war das Manage­ment gezwun­gen, im Som­mer 2021 den Kader mehr als zur Hälf­te neu auf­zu­stel­len. Die­ses Schick­sal droht dem SCP im Grun­de nach jedem erfolg­rei­chen Jahr. »Ich hof­fe aber wirk­lich, dass die­ses Team so gut es geht zusam­men­bleibt«, zeig­te Kon­stan­ti­na Vlacha­ki zumin­dest gegen­über »nd« Inter­es­se an einem Ver­bleib in der Lan­des­haupt­stadt. »Es ist ein gut orga­ni­sier­ter Klub, und die Leu­te lie­ben den Sport hier. So könn­te sich das Team auch mit jedem Jahr wei­ter verbessern.«

Aus dem Manage­ment des Ver­eins war am Mon­tag zu hören, dass es zumin­dest im Bereich der Leis­tungs­trä­ge­rin­nen kaum Ver­än­de­run­gen geben wer­de. Ers­te kon­kre­te Per­so­nal­ent­schei­dun­gen sol­len an die­sem Diens­tag bei einer Sai­son­ab­schluss­fei­er ver­kün­det werden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung