Werbung

Musik für alle

Plattenbau. Die CD der Woche: »The Berlin Concert« von John Williams mit den Berliner Philharmonikern

John Williams Superstar. Hier begrüßt er den Cellisten Yo-Yo Ma (l.) bei den New Yorker Philharmonikern.
John Williams Superstar. Hier begrüßt er den Cellisten Yo-Yo Ma (l.) bei den New Yorker Philharmonikern.

Man muss kein Kinofan sein, um mit dieser Musik davonzuschweben – darf es aber natürlich gern! John Williams ist ein Superstar der Filmmusik, die Liste seiner Soundtracks erscheint endlos. Williams arbeitete mit Regisseuren wie Steven Spielberg, George Lucas oder Alfred Hitchcock zusammen. Er komponierte die Musik für »Krieg der Sterne«, »Unheimliche Begegnung der dritten Art«, »E.T. – Der Außerirdische,« »Jurassic Park«, »Indiana Jones«, »Harry Potter«, um nur einige Filme zu nennen. Bei Williams trifft sich Trivial- mit Hochkultur. Er selbst meinte einmal, nicht zwischen »High« und »Low« unterscheiden zu wollen: »Musik ist für alle da.« Er vergleicht sie mit einem Fluss, von dem wir alle trinken könnten, um uns zu stärken.

Im vergangenen Oktober trat er in Berlin mit den Philharmonikern auf: »John Williams dirigiert John Williams«. Drei Konzerte in einem stolzen Alter von 89 Jahren, die allesamt ausverkauft waren, und das trotz steigender Coronazahlen. Mit den Filmen wird auch seine Musik populär, sodass auch das Publikum an diesen Konzertabenden in der Philharmonie ein anderes war als jenes, das da sonst hingeht. Es wirkte jünger, natürlich weiterhin elegant, aber die leichte Steifigkeit eines Abends mit einem klassischen Konzert mischte sich fast mit einer Atmosphäre wie bei einem Kinobesuch.

Und auf der Bühne? Es ist eine Musik, bei der die Bläser aufleben: Trompeten, Hörner, Posaunen, aber auch Fagott, Oboe, Klarinette, Flöte und nicht zuletzt die Piccoloflöte sind bei aller Opulenz der Filmmusik ein Genuss.Williams sagte, der Auftritt sei eine Ehre für ihn, denn er dirigiere das vielleicht beste Orchester der Welt. Und das in einem Saal mit herausragender Akustik. Die Architektur des Saales mit den in zwölf Metern Höhe oberhalb des Orchesters aufgehängten leicht gewölbten Reflektorsegeln sowie der dreiteilig konvex gewölbten Decke erinnert an die Kuppel eines Zirkuszeltes.

1963 wurden diese goldenen Hallen eröffnet. Herbert von Karajan sagte bei der Grundsteinlegung 1960 und damit noch vor dem Bau der Berliner Mauer: »Der Geist der Harmonie, dem dieser Bau geweiht ist, möge von hier ausstrahlen zu einem wahrhaft friedlichen Wiederaufbau von Berlin.« Der Geist der Harmonie für eine lange geteilte Stadt.

Williams spielte hier 19 Stücke, die auch ohne ihre filmischen Szenen erstrahlen. Man könnte sogar sagen, dass sie ihre eigentliche Kraft und Schönheit erst recht ohne die Bilder entwickeln. Oder wie es John Williams vor seinem »Scherzo for Motorcycle and Orchestra« aus »Indiana Jones« sagt: »Als ich mein Stück das erste Mal im Kino sah, hörte ich nur die Motorräder; mein Orchester war kaum zu hören, und ich war ziemlich enttäuscht. Umso mehr freue ich mich, dieses Stück heute Abend spielen zu können, ohne die Ablenkung durch den Film.« Nur Musik, keine Ablenkung. Bläser, Harfe, Streicher und Schlaginstrumente harmonieren in Perfektion. Aber wer Bilder braucht, kann sich das Konzert auch über die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker ansehen.

John Williams/Berliner Philharmoniker: »The Berlin Concert« (‎Deutsche Grammophon/Universal Music)

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal