Deutsches Heer von Drohnen gestört

Verteidigungspolitiker beschuldigen die Regierung in Moskau

  • Matthias Monroy
  • Lesedauer: 2 Min.

Über dem in Sachsen-Anhalt und Brandenburg gelegenen Truppenübungsplatz Klietz sichtet die Bundeswehr regelmäßig kleine Drohnen, ohne dass die Piloten dingfest gemacht werden konnten. Darüber berichtet die »Bild am Sonntag« (Bams) unter Berufung auf verschiedene Verteidigungspolitiker. Die Geräte hätten demnach nicht abgewehrt werden können und seien nach dem Überflug wieder verschwunden. Dem Bericht zufolge drangen Drohnen sogar teilweise gleichzeitig in den Luftraum verschiedener Liegenschaften ein.

Bereits 2022 waren über dem Truppenübungsplatz im bayerischen Wildflecken verdächtige Drohnenüberflüge gemeldet worden. Im Oktober 2022 warnte Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer vor »Aufklärungsflügen mit Drohnen vor Kasernen«.

Die Politiker bringen als Urheber der Überflüge die Regierung in Moskau ins Spiel. Als Indiz gilt ihnen die Ausbildung ukrainischer Soldaten an Leopard-1-Panzern durch das deutsche Heer in Klietz. So sagte der FDP-Verteidigungspolitiker Marcus Faber der Zeitung: »Das ist klar organisiert und weist stark auf Russland hin.«

Nach den neuerlichen Überflügen fordern Abgeordnete verschiedener Parteien vom Bundesverteidigungsministerium mehr Anstrengungen zur Drohnenabwehr. Die »BamS« zitiert dazu den SPD-Verteidigungsexperten Andreas Schwarz, der von einem »Zuständigkeits-Wirrwarr« spricht. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Sebastian Schäfer sagte der Zeitung: »Es gibt keine Drohnenstrategie. Wir brauchen sie dringend.«

Systeme zur Drohnenabwehr bestehen aus Anlagen zur Erkennung sowie zum Ausschalten der Geräte. Zur Erkennung verfügt die Bundeswehr über ein »leichtes Gefechtsfeldaufklärungsradar« vom französischen Rüstungskonzern Thales. Es dient der Aufklärung von bewegten Zielen am Boden und in geringen Höhen. Jedoch sind nicht alle Liegenschaften mit derartigen Systemen ausgestattet.

Um gefährliche Drohnen unschädlich zu machen nutzt die Bundeswehr wie auch Bundes- und Länderpolizeien eine »tragbare Störausstattung« von deutschen Herstellern. Hierzu gehört das Gerät »HP 47«, das wie ein Gewehr in Anschlag gebracht wird und die Elektronik kleiner Drohnen stört. Andere deutsche Firmen entwickeln auch Laserwaffen, die gegen größere Drohnen wirken können.

Im Zuge der Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg hat das Verteidigungsministerium zudem verschiedene Anlagen zur Drohnenabwehr geliefert. Dazu zählen mobile Sensoren sowie als »Störsender« und »Antidrohnenkanonen« bezeichnete Geräte.

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