Abschiebung eines Frankfurter Schülers vorerst gestoppt

Die geplante Deportation des 23-jährigen Tanh D. nach Vietnam konnte abgewendet werden – auch aufgrund des Verdi-Flughafenstreiks

  • Pauline Jäckels
  • Lesedauer: 3 Min.
Der frankfurter Schüler Thanh D. verbrachte einige Zeit in Abschiebehaft. Vorerst konnte der Hessische Flüchtlingsrat seine Deportation verhindern.
Der frankfurter Schüler Thanh D. verbrachte einige Zeit in Abschiebehaft. Vorerst konnte der Hessische Flüchtlingsrat seine Deportation verhindern.

Der 23-jährige Thanh D. wollte eigentlich im Sommer seine Ausbildung an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode abschließen. Nach mehr als sechs Jahren in Deutschland kam der Abschiebebescheid. Vergangenen Freitag hätte der Schüler nach einiger Zeit in Abschiebehaft nach Vietnam deportiert werden sollen. Laut eines »X«-Posts des Hessischen Flüchtlingsrats konnte seine Ausführung zumindest vorerst verhindert werden.

Thanh D. kam 2017 nach Deutschland. Der damals 17-Jährige wollte zu seiner Mutter, die einen deutschen Mann, seinen Stiefvater, geheiratet hatte. Dadurch habe sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, wie D. gegenüber t-online erklärte. Er selbst hatte diese Möglichkeit nicht und stellte einen Asylantrag. Weil Thanh D. aus Vietnam kommt, habe er nie das Recht auf Asyl bekommen, erklärt der Frankfurter Stadtschulsprecher Luka Ivanovic, der sich gemeinsam mit dem Stadtschüler*innenrat Frankfurt für den Verbleib von Thanh D. einsetzte.

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Weil Thanh D. kein Asyl gewährt wurde, erhielt er in Deutschland lediglich eine Duldung – für drei Monate. Zuvor bekam er laut eigenen Angaben während des laufenden Asylverfahrens eine Gestattung von sechs Monaten. Sein Antrag auf Verlängerung der Duldung wurde abgelehnt, dennoch reiste der heute 23-Jährige nach Ablauf nicht ab.

»Ich wollte im Sommer – nach meiner Ausbildung als Modedesigner – anfangen zu studieren. Hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde, meine Zukunft. In Vietnam stehe ich vor dem Nichts«, erzählte D. t-online. In den vergangenen sieben Jahren habe er sich seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland aufgebaut, Freundschaften geknüpft und eine schulische Laufbahn bestritten, wie es in dem Text heißt.

»Das ist dann wohl die im hessischen Koalitions-Vertrag angekündigte ›Abschiebeoffensive‹«, kommentierte der Hessische Flüchtlingsrat, der sich für den Schüler einsetzte, die behördliche Entscheidung am Mittwoch. »Sechseinhalb Jahre in Deutschland, Familie hier, macht Ausbildung, erfüllt die Voraussetzungen für diverse Bleiberechtsregelungen. Ist den Behörden aber egal, Hauptsache abschieben«, heißt es in dem »X«-Post weiter.

Am Freitag verkündete der Flüchtlingsrat dann, ebenfalls per »X«, er habe die Abschiebung »für den Moment« stoppen können und bedankte sich bei D.s Unterstützern. Freunde, Bekannte und auch der Stadtschüler*innenrat Frankfurt hatten gefordert, dass D. bleiben darf und riefen eine Petition ins Leben, die inzwischen knapp 15 000 Unterschriften erreichte.

Zudem bedankte sich der Hessische Flüchtlingsrat bei den Streikenden von verdi, die in der Woche zuvor den Flughafen Frankfurt lahmgelegt haben. Dort hätte Thanh D. ursprünglich abgeschoben werden sollen. »Nur durch die Verschiebung konnte es gelingen, die Abschiebung zu verhindern,« so die Organisation.

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