Neue Munitionsfabrik in Unterlüß: Rheinmetall hält Hof

Politiker feiern ersten Spatenstich für Munitionsfabrik

  • Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 3 Min.
Kanzler und Verteidigungsminister am Montag in Unterlüß im Gespräch mit Rheinmetall-Chef Papperger
Kanzler und Verteidigungsminister am Montag in Unterlüß im Gespräch mit Rheinmetall-Chef Papperger

Die Rüstungsindustrie wird von Regierungen umworben und mit Milliardenaufträgen überschüttet. Das zeigte sich auch bei einer Zeremonie im niedersächsischen Unterlüß, wo der Rheinmetall-Konzern eine neue Produktionsstätte baut. Dessen Vorstandsvorsitzender Armin Papperger hat eine Verdopplung und gar Verdreifachung der Produktion von Artilleriemunition an verschiedenen Standorten des Unternehmens angekündigt, um den Wünschen der Politik nachkommen zu können.

Einer dieser Standorte ist der Hauptsitz des Unternehmens im niedersächsischen Unterlüß. Dort machten am Montag Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesvereidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) sowie Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen dem Unternehmen ihre Aufwartung. Anlass war der erste Spatenstich für eine neue Fabrik, in der eben jene Munition hergestellt werden soll. Die neue Produktionsstätte soll in nur zwölf Monaten hochgezogen werden. Bereits im kommenden Jahr solle die Produktion anlaufen, kündigte Papperger an.

2025 sollen zunächst 50 000 Artilleriegranaten das neue »Werk Niedersachsen« verlassen, im Jahr danach dann 100 000 und später 200 000 pro Jahr. Produziert werden vor allem 155-Millimeter-Artilleriegeschosse, daneben auch Sprengstoff und Komponenten für Raketenartillerie. 300 Millionen Euro will der Konzern in die neue Fabrik investieren. Unterlüß ist bereits der größte Produktionsstandort des Konzerns. Neben Munition werden hier auch Militärfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma hergestellt. Derzeit hat Rheinmetall an dem Standort 2500 Mitarbeiter, 500 weitere sollen im neuen Werk hinzukommen.

An Ort und Stelle machten indes auch Friedensaktivisten und Landwirte auf ihre Anliegen aufmerksam. Die Bauern waren mit 300 Traktoren gekommen und nutzten die Gelegenheit, um erneut gegen die Kürzungen beim Agrardiesel und gegen die Politik der Bundesregierung zu protestieren. Zehn Mitglieder der Friedensaktion Südheide hielten eine Mahnwache ab, die sich gegen »Rüstungs- und Kriegspolitik« richtete und an die Bundesregierung appellierte, in Konflikten wie dem Ukraine-Krieg deeskalierend zu wirken.

Die Ampel-Koalition hat sich indes längst für den gegenteiligen Weg entschieden. Das machten die Äußerungen des Kanzlers in Unterlüß einmal mehr deutlich. »Wir leben nicht in Friedenszeiten«, betonte Scholz. Russlands Angriffskrieg in der Ukraine und von Präsident Wladimir Putin offen formulierte »imperiale Ambitionen« seien »eine große Gefahr für die europäische Friedensordnung«. Wer Frieden wolle, müsse »mögliche Aggressoren erfolgreich abschrecken«.

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Scholz lobte, 200 000 Artilleriegeschosse pro Jahr in dem geplanten Werk seien beeindruckend. Allerdings würden in der Ukraine derzeit mehrere tausend davon täglich abgefeuert. Dort werde sich entscheiden, »ob unsere Friedensordnung, ob unsere regelbasierte Welt eine Zukunft hat«.

Ähnlich hatte sich am Montagmorgen auch der Grünen-Politiker Anton Hofreiter geäußert. Der Bundestagsabgeordnete forderte in der ARD eine Aufhebung der Schuldenbremse und ein »neues 100-Milliarden-Euro-Paket« für Rüstungszwecke. Denn die Bundeswehr habe derzeit »nur noch für mehrere Stunden, nicht Tage, Munition«.

Bereits am Freitag hatte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter die Bundesregierung erneut zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine aufgerufen und gefordert: »Der Krieg muss nach Russland getragen werden.« Deutschland müsse alles tun, »dass die Ukraine in die Lage versetzt wird, nicht nur Ölraffinerien in Russland zu zerstören, sondern Ministerien, Kommandoposten, Gefechtsstände«, sagte der Bundestagsabgeordnete der Deutschen Welle. mit Agenturen

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