Fußball-EM in Berlin: Polizei fährt auf

Tausende Beamte sollen vor Anschlägen und Ausschreitungen schützen

Das Tor vor dem Tor: Vor dem Brandenburger Tor wird ein riesiges Fußballtor errichtet.
Das Tor vor dem Tor: Vor dem Brandenburger Tor wird ein riesiges Fußballtor errichtet.

Dass die Fußball-Europameisterschaft der Männer näherrückt, ist inzwischen auch im Stadtbild erkennbar: Vor dem Brandenburger Tor wird seit Mittwoch ein riesiges Fußballtor aufgebaut. 64 mal 26 Meter wird das überdimensionale Sportgerät am Ende messen, davor sollen zudem 24 000 Quadratmeter Kunstrasen verlegt werden, um das Spielplatzgefühl abzurunden.

Ab dem 14. Juni soll der Ball dann auch in den Stadien rollen. Insgesamt sechs Spiele sollen im Berliner Olypmpiastadion ausgetragen werden, dazu kommen die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni und zahlreiche weitere Public-Viewing-Angebote. Mithin werden es wohl Millionen in- und ausländischer Gäste sein, die die Hauptstadt im EM-Kontext besuchen werden.

Für die Sicherheitsbehörden eine gewaltige Herausforderung. Allein für die Fanmeile wird bei Spielen der bundesdeutschen Auswahl mit mehr als 100 000 Besuchern gerechnet. »Wir werden eine sehr hohe Polizeidichte an den Hotspots an den Spieltagen sehen«, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. »Sicher werden es mehrere Tausend Kollegen um die entsprechenden Orte sein.«

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Neben Auseinandersetzungen verschiedener Fanlager ist vor allem die Bedrohung durch Terroranschläge ausschlaggebend für die hohe Polizeipräsenz. Die Terrorgruppe »Islamischer Staat Provinz Khorosan« (ISPK), die für den Anschlag auf die Crocus City Hall nahe Moskau im März mit mehr als 140 Todesopfern verantwortlich war, hat für die EM Anschläge angekündigt. Auf einem Propagandakanal der derzeit aktivsten islamistischen Terrorgruppe war ein Bild eines bewaffneten Kämpfers vor einem Fußballstadion mit der Unterschrift »Schieß du das letzte Tor« verbreitet worden.

Man gehe zwar von einer »abstrakt hohen Gefahr« von Terroranschlägen aus, sagte Slowik, aber »aktuell haben wir keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen«. Die ISPK-Ankündigung wertete sie als Einschüchterungsversuch. »Wir nehmen es sehr ernst und prüfen das genau.«

Laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sollen zusätzlich auch Einreiseverbote geprüft werden. Aussprechen müsste diese aber das Bundesinnenministerium. Neben terroristischen Gefährdern könnten auch gewaltbereite Fußballfans davon betroffen sein. »Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen«, kündigte Spranger für den Umgang mit den Hooligans an. Sogenannte Super-Recognizer sollen an den Eingängen zu den Stadien nach bekannten Fußball-Gewalttätern Ausschau halten.

Die Sicherheitsvorkehrungen zur EM stehen im Schatten von Kürzungsdiskussionen im Berliner Haushalt. Wie alle Ressorts muss auch die Innensenatsverwaltung zwei Prozent ihres Budgets einsparen. Am Dienstag hatte Spranger geplante Kürzungen vorgelegt. Demnach soll die Zahl der anzuschaffenden Bodycams und Einsatzwagen deutlich gesenkt werden. Die Gewerkschaft der Polizei sprach in einer Pressemitteilung von einem »Gnadenstoß für die innere Sicherheit unserer Hauptstadt«.

Auf die Vorkehrungen bei der EM solle das aber keine Auswirkungen haben. Die für die Absicherung der Spiele bereitgestellten 84 Millionen Euro seien von den Kürzungen unbetroffen, erklärte Spranger.

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