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Bildungsnotstand angeprangert

Ein Bündnis appelliert an die Politik, Schulen und Kitas besser zu unterstützen

Mehr Geld für die Schulen und Kindergärten ist eine zentrale Forderung des Bündnisses »Bildungswende jetzt!«.
Mehr Geld für die Schulen und Kindergärten ist eine zentrale Forderung des Bündnisses »Bildungswende jetzt!«.

»Es gibt im Augenblick leider keinen Grund für Optimismus in der deutschen Bildungslandschaft, aber Pessimismus können wir uns nicht leisten«, sagte der Soziologe Aladin El-Mafaalani. Das hätte auch das Motto des Aktionstags des Bündnisses »Bildungswende jetzt!« am Sonnabend sein können. In mehreren Städten, darunter Berlin, Hamburg, Mainz, Braunschweig, Rostock und Hildesheim, fanden Demonstrationen statt, die auf den akuten Notstand im Bildungssystem aufmerksam machten und mehr Zuwendungen für die Kitas und Schulen forderten.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter sprach im Deutschlandfunk von »riesigen Herausforderungen« in dem Bereich. Bildung müsse auf Landes- wie auf Bundesebene an vorderster Stelle stehen, sagte der Linke-Politiker am Freitag. Es sei fatal, wenn sich Sparmaßnahmen auf die Schule und den Kindergarten auswirkten. Holter forderte mehr Engagement des Bundes in der Bildung, auch in finanzieller Hinsicht.

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Wie unterfinanziert die deutschen Schulen sind, hatte im Dezember eine Studie des Kinderhilfswerks Unicef ans Licht gebracht. Demnach wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren im Verhältnis zur Wirtschaftskraft so wenig in Grundschulen investiert wie in praktisch keinem anderen Land in Europa. »Doch gerade in den ersten Jahren der Bildungslaufbahn entscheidet sich, ob Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, ihrer Sprache oder ihrer Herkunft ihre Talente und Potenziale entfalten können«, erklärte Sebastian Sedlmayr von Unicef Deutschland bei der Vorstellung der Studie.

Der bundesweit ausgerichtete Protest fordert Antworten auf die akute Bildungskrise und verweist darauf, dass 50 000 Jugendliche ohne Abschluss die Schule verlassen haben, perspektivisch 160 000 Lehrkräfte fehlen und es ein Defizit an Kitaplätzen und Betreuungspersonal gibt. Rund 200 Verbände und Vereine sowie Gewerkschaften tragen die Forderung der Initiative mit.

Die größte Demonstration fand am Samstag in Berlin statt. Dort kamen nach Angaben der Veranstaltenden 3000 Personen zusammen. »Wir brauchen ein Sondervermögen Bildung, eine Ausbildungsoffensive und einen Bildungsgipfel mit dem Bundeskanzler Olaf Scholz und Betroffenen«, teilten die Organisatoren mit.

Die Proteste anlässlich des Tages des Kindes sind Teil einer Kampagne, die vor einer Woche mit einer Kundgebung in Bremen begann und noch bis zum 20. Juni andauert. »Dann treffen sich die Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler zu einer Konferenz«, erklärt Philipp Dehne, Sprecher der Initiative, gegenüber dem »nd«. An diesem Tag wird die Initiative die Ergebnisse einer Online-Petition zum akuten Personalmangel in Schulen und Kitas der Bundesregierung übergeben. Bislang haben die Forderung nach einer Ausbildungsoffensive in Schulen und Kitas 87 400 Menschen unterzeichnet. »Das ist eine bundesweite Krise«, erklärte Dehne. »Deshalb muss die Bildung auch zur Chefsache werden.«

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