Verkehr in Berlin: Bezirk will Ostkreuz-Kiez beruhigen

Mehr Einbahnstraßen und mehr Platz für Fahrräder: Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellt sein Verkehrskonzept für den Ostkreuz-Kiez vor

Es gibt Hauptstraßen und es gibt Nebenstraßen. Letztere sollen Autofahrer*innen, rein rechtlich gesehen, vor allem zur Zielansteuerung dienen. So erklärt es Annika Gerold (Grüne), Bezirksstadträtin für Verkehr im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg am Donnerstag. Im Ostkreuz-Kiez werde dieser Grundsatz häufig missachtet: Hin zur Frankfurter Allee bahnen sich Fahrzeuge ihre Wege durch die Wohngebiete, nutzen Abkürzungen, um schneller voranzukommen.

Dem soll nun so schnell wie möglich ein Ende bereitet werden. In der Bibliothek »Pablo Neruda« präsentiert die Bezirksverwaltung das Konzept, mit dem sie den Verkehr im Ostkreuz-Kiez beruhigen möchte. »Wir schaffen nicht nur ruhigere und sicherere Straßen, sondern tragen auch maßgeblich zur Verbesserung der Luftqualität bei«, teilt Gerold mit. Das Beruhigungskonzept, das seit Sommer 2023 in Arbeit war, soll nicht zuletzt den vielen Initiativen für höhere Verkehrssicherheit im Kiez Rechnung tragen. Auch die Ergebnisse eines Beteiligungsverfahrens, sowohl online als auch mit Befragungen vor Ort, habe die Verwaltung berücksichtigt.

Gerade in den von der Frankfurter Allee abgehenden Nebenstraßen arbeitet das Bezirkskonzept mit gegenläufigen Einbahnstraßen. »Spürbare Effekte« verspricht sich Grünen-Bezirksstadträtin Gerold für den Radverkehr: Mit einer Fahrradstraße entlang der Modersohn- und der Gärtnerstraße plant der Bezirk eine neue Nord-Süd-Verbindung. Für sie werden Teile des Kopfsteinpflasters rund um den Boxhagener Platz verschwinden müssen.

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Kurzfristig möchte der Bezirk Zebrastreifen, durch Poller geschützte Schulzonen und für Fußgänger*innen verkürzte Querungsstellen im gesamten Kiez errichten. Mittelfristig sieht die Verwaltung Entsiegelungen und sogenannte Kiezblocks vor, also vereinzelte Absperrungen für den Autoverkehr. Gerold versichert: »Der ÖPNV soll in keiner Weise eingeschränkt werden.« Auch mit Polizei, Feuerwehr und der Berliner Stadtreinigung habe man eng zusammengearbeitet.

Bei seinen Planungen unterscheidet der Bezirk zwischen drei Bereichen: den Abschnitten A, B und C, geordnet von Nord nach Süd. Zuerst sollen die Arbeiten im Norden, also Abschnitt A, beginnen. Hier wurde laut Gerold die höchste Dichte an Durchgangsverkehr gemessen. Auf Senatsmittel ist der Bezirk im Bereich A nicht angewiesen – in den Bereichen B und C allerdings schon.

»Es dürfte allen bekannt sein, dass wir, was die Finanzierung von Verkehrsvorhaben seitens der Verkehrsverwaltung angeht, gerade keine guten Aussichten haben«, sagt Stadträtin Gerold. Vor sechs Monaten habe der Bezirk seine Finanzierungsanträge für die beiden Planungsbereiche gestellt. Weder eine Absage noch ihre Zustimmung habe der Senat bislang erteilt. »Das Problem ist, dass die Senatsverwaltung mitsprechen möchte, rechtlich aber überhaupt kein Mitspracherecht hat.«

Wenn alles glatt läuft, starten die Arbeiten für Abschnitt A laut Bezirksangaben noch 2024 und werden 2025 abgeschlossen. Wahrscheinlich scheint jedoch, dass sich der Projektbeginn durch den Wintereinbruch nach hinten verschiebt. Die Kosten schätzt das Bezirksamt vorläufig auf ungefähr 150 000 Euro.

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