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A100: Marode Brücke in Berlin, Versagen auf Bundesebene
Wie knapp ist man in Berlin an einer Vollkatastrophe vorbeigeschrammt?
Die Erzählung ist bekannt. Berlin ist ein Shithole. Probleme, die hier auftreten, sind hausgemacht. Wer mit dem Finger gen Hauptstadt zeigt, kann sich breiter Zustimmung recht sicher sein. Deckel drauf und gut ist.
So verwundert es nicht, dass man sich nur an der Spree über die folgenschwere Sperrung der über eine marode Brücke führenden Stadtautobahn A100 aufzuregen scheint. Die seit 2023 von der CDU geführte Verkehrsverwaltung hat bisher auch keinen guten Eindruck hinterlassen. Doch die übliche Schuldzuweisung stellt sich für einen der bundesweit meistbefahrenen Autobahnabschnitte als Fehlschluss heraus. Denn für Bundesstraßen ist qua Gesetz der Bund selbst verantwortlich.
Tatsächlich sind Zweifel angebracht, inwieweit die dem Verkehrsministerium unterstehende Autobahn GmbH ihrer Verantwortung gerecht wird. Im Minutentakt ändert sich die Lage: von der Teil- zur Vollsperrung, von einer Bauprognose von zwei Jahren zur Unmöglichkeit, solch eine Aussage zurzeit überhaupt treffen zu können.
Noch am Mittwoch hieß es, dass die unter der Brücke verkehrende Ringbahn uneingeschränkt weiterfahren könne. Am Donnerstag wurde der S-Bahn-Verkehr eingestellt, um die Brücke bis zum Abbruch mit Stützen zu sichern. Wie lange das dauert, sei laut Autobahn GmbH unbekannt.
Wie lange hätte die Brücke überhaupt noch gehalten – und wie viel Glück war bisher im Spiel? Man erinnert sich an die Dresdner Carolabrücke und den Einsturz einer Autobahnbrücke 2018 in Genua mit 43 Toten. Ein bundesweiter Aufschrei wäre angebracht.
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