Wagemutig

Rose Kabuye / Die 47-Jährige ehemalige ruandische Guerillakämpferin sitzt in Auslieferungshaft

An Mut fehlt es Rose Kabuye nicht: Sie sei bereit, in Frankreich auszusagen. Seit Sonntag sitzt die rechte Hand von Ruandas starkem Mann, Paul Kagame, in Frankfurt am Main in Auslieferungshaft. Der Termin für die Überstellung hänge nun allein von den französischen Behörden ab, sagte Staatsanwältin Hildegard Becker-Tousaint.

Der Vorwurf des französischen Ermittlungsrichters Jean-Louis Bruguière hat es in sich: Verwicklung in den Abschuss der Maschine des damaligen ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana am 6. April 1994. Wer das Flugzeug vom Himmel geholt hat, ist umstritten. Sicher ist hingegen, dass dieser Vorfall unmittelbar das Signal zum Losschlagen der Hutu-Extremisten gab. In den folgenden 100 Tagen wurden rund 800 000 Tutsi und moderate Hutu ermordet. Ein Völkermord, der bis heute im Gebiet der Großen Seen seine Nachwehen zeigt und gerade die benachbarte Demokratische Republik Kongo wieder in Kriegswirren stürzt. Dort beruft sich der Tutsi-General Laurent Nkunda bei seinen Aktivitäten auf den Schutz vor nach dem ruandischen Bürgerkrieg in Kongo gestrandeten Hutu-Extremisten.

In besagtem Bürgerkrieg, der im Juli mit einem Sieg der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) endete, kämpfte Rose Kabuye als eine der wenigen Frauen mit dem Gewehr in der Hand. Ein Schrapnell in ihrem Fuß blieb ihr als manifeste Erinnerung.

Nach dem Bürgerkrieg war sie als Bürgermeisterin maßgeblich am Wiederaufbau der Hauptstadt Kigali beteiligt, integrierte Vertriebene und setzte sich für die Versöhnung von Tutsi und Hutu sowie für Frauenrechte ein. In Ruanda sitzen inzwischen mehr Frauen als Männer im Parlament.

Rein rechtlich geht bei ihrer Auslieferung alles mit rechten Dingen zu: Frankreich ermittelt, weil beim Abschuss französische Piloten ums Leben kamen, Deutschland muss bei einem europäischen Haftbefehl zwingend ausliefern. Ein bitterer Beigeschmack bleibt: Frankreichs mehr oder weniger offene Unterstützung der Hutu-Elite während des Bürgerkriegs gilt außerhalb von Frankreich als gesichert. Ein rechtstaatlicher Prozess, der Licht ins Dunkel des Absturzes bringt, wäre zu begrüßen. Kabuye scheint dem nicht entgegenzustehen.

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