»Diese Idee ziehen wir durch«

Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt, doch in Berlin findet »Buch Plan B« statt - ein Gespräch mit Mario Pschera

Wie aus heiterem Himmel gibt es nun doch eine Buchmesse, nicht in Leipzig, aber in Berlin: »Buch Plan B«, organisiert vom »nd« am kommenden Freitag und Samstag. Ist das eine Schicksalsfügung?

Genau. Alte Männer um die 50 haben einen Slogan: Do it yourself. Das heißt, wenn Leipzig absagt, was ich ja verstehen kann, müssen wir einfach eine Alternativveranstaltung machen, um insbesondere kleineren Verlagen die Möglichkeit zu geben, trotzdem ihre Neuerscheinungen zu präsentieren.

Die großen Verlage stecken den Ausfall von Leipzig besser weg?

Die sogenannten Publikumsverlage werden sicher den Ausfall der Leipziger Buchmesse über eine hinreichende Medienpräsenz kompensieren können. Spannender ist das Programm der etwas kleineren Verlage, die aber nicht so leicht in die Medien kommen. Die Absage von Leipzig schlägt schon hart ins Kontor. Der Buchmarkt in Deutschland ist ziemlich konzentriert.

Dem Buchmarkt geht es doch sowieso schon nicht so gut?

Eigentlich könnte es dem Buchmarkt wunderbar gehen, würden nicht seit Jahren diese beängstigenden Konzentrationsprozesse stattfinden. Das fing an mit der aggressiven Expansionspolitik der Großhandelsketten wie Thalia, die große Flächen aufgekauft und kleinere Buchhandlungen vom Markt verdrängt haben. Als sie merkten, dass die großen Flächen unwirtschaftlich sind, haben sie selber wieder verkleinert. Aber dadurch kommt natürlich nicht die kleine Buchhandlung wieder, die mit wesentlich härteren Bandagen kämpfen muss, um sich am Markt zu halten. Das heißt, insgesamt wird die Fläche für die Präsentation von Büchern kleiner, und das bedeutet auch, dass viele Bücher in den Buchhandlungen nicht mehr stattfinden.

Und das »nd« ist jetzt die Rettung?

Das »nd« ist der Bewahrer des Schönen und Guten. Und es ist ja auch eine Kümmerzeitung. Man kann natürlich groß und lang überlegen: Ist es sinnoll, eine Alternativmesse zu machen und haben wir dafür die Kapazitäten? Man kann aber auch einfach sagen: Augen zu und durch, wir machen das, wir schaffen diese Präsentationsfläche.

Wie sind die Reaktionen der Verlage?

Erfreulich gut. Das fing an mit: »Das ist eine sehr windige Idee« und ging über: »Top, die Wette gilt!« bis zu: »Wer nicht mitmacht, ist selbst schuld«. Es kommen immer mehr E-Mails und Telefonanrufe von Verlagen, die sagen, dass sie auch mit dabei sein wollen. Und ich schätze, spätestens morgen früh werden wir dann ein Problem haben, dass wir an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen.

Und wie sieht dieser »Plan B« konkret aus?

»Buch Plan B« findet im FMP1 statt, dem großen Haus am Ostbahnhof, in dem sich auch Redaktion und Verlag des »nd« befinden, statt. Wir werden zwei Foyerflächen im Erdgeschoss und im 1. Stock bespielen und den Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung an beiden Tagen für ein Lesungsprogramm nutzen - das übrigens schon ausgebucht ist. Wir präsentieren sogar noch einen »Plan C« und bauen im Foyer eine Bühne mit Mikrofon für Stand-Up-Auftritte von kurzfristig interessierten Autoren auf.

Kommen nur kleine Verlage?

Es kommen sehr kleine, in der Tat, aber auch Verlage, die man als mittelständische Unternehmen bezeichnen würde. Es sind Verlage, die teilweise schon seit vielen Jahren am Markt sind und die sich auch einen bestimmten Ruf erarbeitet haben: Verbrecher-Verlag, Wagenbach, der Verlag für Berlin-Brandenburg etc. Aber eben auch kleinere Editionen, die es noch nicht so lange gibt und die weniger Veröffentlichungen haben. Und wenn wir das Gefühl haben, dass das etwas ist, was unsere Leser interessiert, was auch bei uns im Feuilleton stattfindet oder bei uns in den Buchempfehlungen, dann nehmen wir das natürlich auf. Es wird eine sehr bunte Mischung. Wir werden definitiv keine Boulevardliteratur hier haben, aber ein großes Kinderbuchsegment. Und eine sehr internationale Auswahl von Titeln aus kleineren Verlagen.

Wie ist euch der »Plan B« eingefallen - morgens beim Zähneputzen?

Die guten Ideen hat man, zumindest in der Literaturszene, immer bei der Zigarettenpause. Wir hatten am Dienstagmorgen vergangene Woche eben noch die letzten Details für den »nd«-Messeeinsatz besprochen und eine halbe Stunde später kam die definitive Absage der Leipziger Buchmesse. Und dann sind wir vom Verlag und Marketing eine Zigarette rauchen gegangen. Dabei haben wir uns schnell gesagt: »Mmh, schlechte Sache. Müssen wir das unbedingt hinnehmen? Oder machen wir lieber selber was?« Nochmal zehn Minuten später stand der Verlagsleiter Olaf Koppe dann mit derselben Idee vor der Tür. Da haben wir uns gesagt: Die Idee ist so bekloppt, dass wir sie unbedingt durchziehen müssen.

Und gesundheitlich bestehen keine Bedenken?

Man kann auf das Auftreten von Krankheitserregern auf zweierlei Art reagieren: Panik schieben und auf Vorrat Klopapier kaufen. Man kann aber natürlich auch elementare hygienische Standards einhalten, das »nd« lesen und etwas entspannter sein. Wenn wir uns auf dieses Panikspiel einlassen würden, dann dürfte kein Mensch mehr U-Bahn fahren. Von daher bauen wir auf die Zivilisiertheit unserer Besucher.

Freie Geister kommen praktisch zur freien Zeitung?

Genau.

Kommen auch wie in Leipzig Cosplayer in den Kostümen ihrer Manga-Helden?

Ich hoffe es. Gern als Oger mit Kräutermaske.

Buch Plan B. 13.-14. März, FMP1 (nd-Gebäude), Franz-Mehring-Platz 1, Berlin.

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