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Xavier Naidoo nicht willkommen

Doch kein Konzert des Sängers

  • Jeja Klein
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Aufregung war groß, als am Mittwoch bekannt wurde, dass Xavier Naidoo in der Zitadelle Spandau und damit auf einer Konzertbühne in öffentlicher Hand auftreten sollte. Dem Soulsänger werden seit Jahren Rassismus und Antisemitismus, krude Verschwörungsideologien und sogar Homophobie vorgeworfen. Nachdem der Geschäftsführer des Konzertveranstalters Trinity Music, Thomas Spindler, zunächst ungehalten auf kritische Nachfragen zum angesetzten Konzerttermin reagierte, sah das Bild am Mittwochabend wieder anders aus. Plötzlich hieß es, dass sich Thomas Spindler und alle Mitarbeitenden von den »andauernden und erschreckenden Aussagen des Herrn Naidoo«, von »Antisemitismus, Rassismus und Faschismus« distanzierten. Als weltoffene, engagierte und liberale Veranstaltungsfirma aus Berlin teile man das Weltbild des Künstlers »auf keinen Fall«. »Wir werden Xavier Naidoo keine Bühne geben!«, kündigte Trinity Music schließlich an.

Man arbeite gegenwärtig daran, von unterschriebenen Verträgen zurückzutreten. Naidoos »Hin und Weg«-Tour, in deren Rahmen der Auftritt in Spandau stattfinden sollte, hatte bereits vor der Pandemie begonnen. In deren Verlauf hat sich der Sänger noch einmal deutlich radikalisiert.

Nach Bekanntwerden der Auftrittspläne hatte am selben Tag bereits Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, reagiert. »Berlin darf Judenfeinden keine Bühne bieten, erst recht nicht in städtischen Räumen. Das Konzert muss untersagt werden«, erklärte er wohl auch mit Blick auf die jüngsten antisemitischen Äußerungen des Sängers. So hatte dieser im Februar auf seinem Telegramkanal die Zusammenfassung der historischen antisemitischen Fake-News-Hetzschrift »Protokolle der Weisen von Zion« aus der Feder eines NSDAP-Politikers verbreitet. 2019 hatte Naidoo vor Gericht noch erstreiten können, dass man ihn nicht als einen Antisemiten bezeichnen dürfe, auch nicht »strukturell belegbar«. Vor dem Gericht hatte er beteuert, kein Antisemit zu sein. Dabei hatte der Sänger zuvor ein Video verbreitet, in dem es hieß, mit Zyklon B ließen sich gar keine Menschen vergasen. Der Holocaust sei stattdessen eine »gelungene historische Fiktion«.

2012 veröffentlichte Naidoo zusammen mit dem Rapper Kool Savas den Track »Wo sind sie jetzt?«, der beiden Proteste, Homophobievorwürfe und eine Anzeige einbrachte. Darin ging es um rituellen Kindesmissbrauch ominöser »Bruderschaften«, die mit schwulenfeindlichen Anspielungen versehen wurden. In den Jahren darauf folgten Reichsbürgerideologie und rassistische Botschaften, aufgrund derer er schließlich seinen Platz in der Jury bei »Deutschland sucht den Superstar« und bei der Band »Söhne Mannheims« verlor.

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