Wütender Prof

Faisullah Dschalal greift Taliban in afghanischer Fernseh-Talkshow an

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Ruf des schimpfenden Professors eilt ihm voraus und mit diesem Image avancierte er am Samstag zum TV-Star: In einer Fernsehdebatte des populären afghanischen TV-Senders ToloNews kritisierte Universitätsprofessor Faisullah Dschalal scharf die Regierungsführung der islamistischen Taliban. »Die Menschen haben kein Brot zu essen. Wie die Sicherheit ist? Keiner kann irgendetwas sagen. Die Menschen haben Angst, frei zu sprechen«, sagte er sichtlich erregt und richtete sich anklagend an Mohammad Naim, Sprecher des Taliban-Büros in Katar, der per Video zugeschaltet war und schweigend der Anklage zuhörte. Naim deutete an, dass Dschalal beleidigend sei. Die Fernsehdebatte wurde online von vielen Usern geteilt.

Professor Dschalal wird in Afghanistan seit Jahren von den beliebtesten Fernsehsendern zu Debatten eingeladen. Für seine unverblümte Kritik an den Machthabern Afghanistans ist er berühmt, auch die Ex-Präsidenten Hamid Karsai und Aschraf Ghani bekamen seine Wut zu spüren. In sozialen Medien erhielt Dschalal viel Lob für seinen Mut: Er sei der erste, der sich traue, die Islamisten offen zu kritisieren und repräsentiere die Stimme der Menschen Afghanistans. Viele tauschten ihr Profilbild mit dem eines Fotos von Dschalal, andere drückten Sorgen um seine Sicherheit aus. Anhänger der Taliban zeigen sich dagegen erbost. Manche Taliban-Mitglieder schrieben auf Twitter, man respektiere die Redefreiheit, aber der Professor solle für die Beleidigung des Taliban-Sprechers Mohammad Naim bestraft werden.

Geboren 1963, lehrt Faisullah Dschalal Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Kabul und war auch im afghanischen Ministerium für Hochschulbildung tätig. Als Mitglied der Loya Jirga wirkte er an der Ausarbeitung der neuen Verfassung mit. Seine Ehefrau Massuda Dschalal war die erste und einzige Frau, die 2002 und 2004 für das Amt des afghanischen Präsidenten kandidierte.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal