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»nd« bleibt anders!

Hallo Genossenschaft

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 3 Min.
nd.Genossenschaft: »nd« bleibt anders!

Ein bisschen ist es wie der Auszug aus dem Elternhaus. Der Abschied von der Linken als Gesellschafterin. Der Neuanfang als Genossenschaft, die ab dem 1. Januar 2022 das »nd« als unabhängige linke Tageszeitung herausgibt, die der Belegschaft und den Leserinnen und Lesern gehört.

Abgenabelt hat man sich natürlich schon länger. Nun geht es mit der Zimmerpflanze im Arm hinaus in den neuen Lebensabschnitt. Es kribbelt im Bauch, das Herz klopft heftig und flau ist einem auch. Denn so aufregend dieser Schritt in die Unabhängigkeit ist - auf eigenen Beinen zu stehen bedeutet eben auch, dass keiner da ist, der einen auffängt. Wobei: Für die Anfangszeit geben die Eltern noch etwas mit, wenn es doch mal zu knapp wird auf dem Konto.

Wer das Elternhaus verlässt, lässt sein bisheriges Leben hinter sich und nimmt doch vieles mit. All die Erlebnisse und Erfahrungen, die einen zu dem haben werden lassen, der man jetzt ist. Das »nd« gibt es seit über 75 Jahren. Die sind nicht vergessen. Die wechselvolle Geschichte dieser Zeitung ist Teil ihrer Identität. Und wird es bleiben, auch jetzt, wenn die redaktionelle Unabhängigkeit, die das »nd« seit 1990 prägt, auch in der Eigentümerstruktur vollständig vollzogen wird. Mit der Genossenschaft bekommt das »nd« eine Unternehmensform, die zu seinem inhaltlichen Anspruch passt. Die bisherigen Gesellschafter - Die Linke und die Communio eG - übergeben den Betrieb.

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Die Zeitung vollzieht damit die bedeutendste Veränderung, seit das »nd« nicht mehr Zentralorgan ist. Die Genossenschaft wird die ökonomische Grundlage sein, die diese linkspluralistische Stimme in der bundesdeutschen Medienlandschaft ermöglicht. Genossenschaften als nicht renditegetriebene Unternehmungen erleben seit einigen Jahren eine Renaissance. Sie sind nicht per se progressiv links. Aber in dieser Form sind alle Möglichkeiten angelegt. Es liegt an uns, diese Saiten zu bespielen. In der Zeitungslandschaft gibt es nicht viele Vorbilder - aber es gibt welche: Die kommunistische Tageszeitung »Il Manifesto« in Italien ist seit Jahrzehnten genossenschaftlich organisiert.

Zweck der nd.Genossenschaft ist das Erscheinen des »nd« als journalistisches Produkt, gedruckt und digital. Mit dem Anspruch, den Mächtigen auf die Finger zu schauen, neue Perspektiven zu eröffnen (und in unseren Publikationen über das zu streiten, worüber sich zu streiten lohnt). In der nd.Genossenschaft verbinden sich verschiedene linke Erfahrungen, Sozialisierungen und Ansichten. Das wird zuweilen zu Auseinandersetzungen führen - und zu einer spannenden linkspluralistischen Zeitung.

Im »nd« kommen die zu Wort, die viel zu selten gehört werden. Die darum kämpfen, diese kapitalistische Welt gerechter und lebenswerter zu machen. Wir analysieren gesellschaftliche Entwicklungen, hinterfragen angebliche Sachzwänge und erklären den Kapitalismus. Und wir interessieren uns für Ostdeutschland nicht nur am 3. Oktober. Wir schreiben nicht über den Osten, wir sind selbst Teil davon.

Der Neuanfang erinnert an den Abschied von den Eltern - und auch wieder nicht. Denn mit der Genossenschaft bekommt das »nd« ja gerade eine Struktur, die uns nicht gänzlich allein lässt, sondern die uns auffängt. Durch das Netz von Leserinnen und Lesern, Unterstützerinnen und Unterstützern, die uns mit ihren Abonnements und solidarischen Einlagen in der Genossenschaft Sicherheit geben. Und natürlich würde kein normaler Mensch in der Silvesternacht umziehen.

Ines Wallrodt gehört dem Vorstand der nd-Genossenschaft an.

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