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  • Fußball-WM in Katar

Eine Partie mit brisanter Vorgeschichte

Das entscheidende Gruppenspiel zwischen der Schweiz und Serbien ist politisch aufgeladen

  • Frank Hellmann, Doha
  • Lesedauer: 4 Min.
Xherdan Shaqiri jubelte bei der WM 2018 nach seinem Tor gegen Serbien mit dem kosovarischen Doppeladler.
Xherdan Shaqiri jubelte bei der WM 2018 nach seinem Tor gegen Serbien mit dem kosovarischen Doppeladler.

Murat Yakin hat am Donnerstag die in fünf Sprachen übersetzte Pressekonferenz im Qatar National Convention Center genutzt, um zu erklären, warum er gerne Trainer geworden ist. Der Schweizer Nationalcoach erzählte von seiner Vorliebe für alle Arten von Ball- und Brettspielen. »Dem Gegner drei, vier Schritte voraus zu sein – das ist es«, sagte der 48-Jährige. Nun gehöre vor dem entscheidenden Gruppenspiel der Schweiz gegen Serbien an diesem Freitag zur Strategie, störende Einflüsse, so gut es irgendwie gehe, von seiner Mannschaft fernzuhalten. »Die Spieler werden sich voller Respekt begegnen. Sie werden sich sportlich bekämpfen. Alles andere blenden wir aus.«

Was einfacher gesagt als getan ist: Die wegweisende Paarung – der Verlierer tritt die Heimreise an – hat eine skandalöse Vorgeschichte. Bei der WM 2018 formten die früheren Bundesligaspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri beim Jubel über den späten Schweizer Siegtreffer einen albanischen Doppeladler: ein Hinweis auf ihre familiären Wurzeln im Kosovo – aber auch eine Provokation in Richtung Serbien, das den Kosovo nicht anerkennt. Die Verwerfungen reichten bald weit über den Fußball hinaus. Es ging um Integration, um Werte – und führte sogar dazu, dass die Schweiz über die doppelte Staatsbürgerschaft diskutierte.

Als die Lose für diese WM-Endrunde gezogen wurden, wussten beide Verbände zunächst nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Die Fußballpräsidenten trafen sich dann zu einem Friedensgipfel und der für die Schweizer »Nati« zuständige Direktor Pierluigi Tami versicherte: »Es soll weder Worte noch Gesten noch allgemein ein Verhalten geben, das andere Sensibilitäten berührt.« Yakin führte jetzt noch an: »Wir freuen uns auf Fußball – und da geht es um Respekt.«

Auch Xhaka, dessen Vater einst von der jugoslawischen Polizei in Pristina wegen »Auflehnung gegen den Staat« ins Gefängnis geworfen worden war, gab nach dem 0:1 im Spiel gegen Brasilien zu Protokoll: »Wir sind professionell genug, dass wir uns auf Fußball konzentrieren.« Der 30-Jährige konnte es jedoch nicht lassen, über seine Social-Media-Kanäle am Montag Glückwunsche zum Nationalfeiertag in Albanien zu versenden. Derweil hat der Weltverband Fifa Ermittlungen gegen Serbiens Fußballverband eingeleitet, weil in der Kabine eine Fahne auftauchte, in der das Territorium des Kosovo vereinnahmt wurde.

Der serbische Nationaltrainer, der frühere Weltklassespieler Dragan Stojković, der mit seinem Team zuletzt beim 3:3 gegen Kamerun kein Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive hinbekam, musste bei seinem Medientermin keine politischen Fragen beantworten, da sein Pressesprecher dazwischen grätschte. Zu erwarten ist, dass Xhaka und Shaqiri von den serbischen Fans im Stadion 974 mit einem Pfeifkonzert belegt werden. Shaqiri machte zuletzt zwar eine Erkältung zu schaffen, aber der 31-Jährige will die aufgeladene Paarung nicht verpassen, die vor vier Jahren auch im deutschen Schiedsrichterwesen einigen Staub aufwirbelte.

Denn damals in Kaliningrad entstand auch noch eine deutsche Erzählebene: Unparteiischer war der Münchner Felix Brych, der sich den serbischen Volkszorn zuzog, weil er ein vermeintliches Foul von zwei Schweizern an Serbiens Mittelstürmer Aleksandar Mitrović beim Stande von 1:1 nicht ahndete. Danach pfiff der deutsche Referee in Russland kein einziges Spiel mehr. Den größeren Fauxpas leistete sich aber fraglos im Nachspiel noch der damalige serbische Nationaltrainer und frühere Bundesligaprofi Mladen Krstajić, der sich in Richtung Brych zur Aussage verstieg: »Ich würde ihn nach Den Haag schicken.« Zum Kriegsverbrechertribunal. Mit einer Geldstrafe kam Krstajić für diese unentschuldbare Aussage noch glimpflich davon.

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