Synodaler Weg: Blockade durch Bischöfe droht

Der katholische Reformprozess Synodaler Weg geht zu Ende

  • Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Synodale Weg sollte ein Aufbruchssignal in der katholischen Kirche sein. Der Reformprozess sollte deutlich zeigen, dass die Würdenträger verstanden haben. Verstanden, dass sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch keine tragischen Einzelfälle sind, sondern systemische Ursachen haben. Dass Priester zu Tätern werden konnten, weil die katholische Kirche männerbündisch, hierarchisch und von Klerikalismus geprägt ist. Daran wollte man etwas ändern, so zumindest der Plan der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Die Bischofskonferenz richtet den Reformprozess gemeinsam mit der Laienvertretung aus.

Jetzt, drei Jahre nach der ersten Synodalversammlung, geht der Synodale Weg mit seinem fünften Treffen in Frankfurt am Main zu Ende. Einem Ende, das wohl mit vielen Enttäuschungen verbunden sein wird. Schon bei der letzten Versammlung im September hatten die konservativen Bischöfe mit den Muskeln gespielt. Ein Text zur Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral fand nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. Reformorientierte Mitglieder des Synodalen Wegs waren daraufhin entsetzt. Der ganze Reformprozess stand kurzzeitig vor dem Abbruch. Nur mit großer Mühe konnten sich Bischöfe und Laien zusammenraufen.

Auch bei der am Donnerstagnachmittag begonnenen Versammlung stehen noch zahlreiche Aufreger auf der Tagesordnung. Die meisten Diskussionen gab es in den vergangenen Wochen über die Schaffung eines synodalen Rates beziehungsweise eines synodalen Ausschusses zur Vorbereitung des Rats. Den Rat soll es perspektisch in den Bistümern und bundesweit geben. Er soll von Geistlichen und Laien besetzt werden und Leitungsaufgaben übernehmen. Fünf konservative Bischöfe, unter ihnen der Passauer Stefan Oster, Rudolf Voderholzer aus Regensburg und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, hatten Anfang des Jahres beim Vatikan nachgefragt, ob sie sich an einem solchen Gremium überhaupt beteiligen dürfen. Die Antwort aus Rom fiel negativ aus. Eine Schwächung des Bischofsamtes sei durch so ein Gremium zu befürchten. Noch deutlicher wurde der Botschafter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic. Er erklärte, synodale Räte dürften nicht gegründet werden. Durch sie würde die Autorität von Pfarrern und Bischöfen beschnitten.

Georg Bätzing, derzeit Vorsitzender der Bischofskonferenz und durchaus reformfreudig, versucht die Bedenken des Vatikans beiseite zu wischen. Die synodalen Räte beträfen das Kirchenrecht gar nicht und beschnitten die Autorität der Bischöfe auch nicht. Das sei ein »Missverständnis«, so Bätzing. Es gehe um eine »Selbstbindung« von Bischöfen an die Entscheidung synodaler Räte. Kritiker*innen des hierarchischen Systems katholische Kirche sehen in der Debatte einen Beweis dafür, dass die Bischöfe nicht gewillt sind, wirklich Macht abzugeben.

Begeistert ist man über die Debatte um synodale Räte auch nicht beim Zentralkomitee deutscher Katholiken. Zum Auftakt der fünften Versammlung des Synodalen Wegs erklärte die ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, dass man sehen müsse, wie viele Kompromisse noch von der Versammlung »abgefordert« würden. Man werde Verantwortungen deutlich benennen, wenn Texte bei der Versammlung durchfallen. Falls der Synodale Weg ohne ein gemeinsames Nachfolgegremium ende, so Stetter-Karp, habe man »Zeit verschleudert«.

Auch bei anderen Themen sorgt der konservative Teil der Bischöfe für Ärger. Kurz vor Beginn der Versammlung sorgten sie für eine Diskussion über die Abstimmungsmodalitäten. Mancher Bischof würde gern anonym abstimmen. Die Mehrheit des Präsidiums der Versammlung hält eine namentliche Abstimmung aber für angemessen. Irme Stetter-Karp kritisierte das Ansinnen, anonym abzustimmen, deutlich. Bischöfe, die für sich selbst Führungsverantwortung reklamieren, sollten doch in der Lage sein, zu ihrem Abstimmungsverhalten zu stehen.

Seinen Unmut über Bischöfe, die aus der Anonymität agieren, äußerte auch Johannes Norpoth, der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Bischofskonferenz. Norpoth ist enttäuscht darüber, dass, nachdem vier Frauen aus dem reformfeindlichen Lager ihren Rückzug aus dem Synodalen Weg erklärt hatten, ihre Plätze nicht mit Betroffenenvertreter*innen nachbesetzt wurden. Norpoth und andere sitzen derzeit als Gäste ohne Stimmrecht beim Synodalen Weg. Ein Teil der Bischöfe verzichte »stumpf auf jede Form von Austausch und Diskurs; stattdessen demonstrieren sie die eigene Macht ohne Rücksicht auf Verluste«. Sie täten dies, »wenn sie aus dem Verborgenen handeln können« und nicht »die eigene Position rechtfertigen« müssten.

Inhaltlich verspricht die letzte Versammlung des Synodalen Wegs noch allerhand Auseinandersetzungen. So stehen auf der Tagesordnung Texte, die den Zölibat in Frage stellen, ein Text der Weiheämter für Frauen fordert und ein Text, der sich für Segnungsfeiern von homosexuellen und wiederverheirateten Paaren ausspricht. Heiße Eisen aus Sicht von konservativen Katholiken.

Wie es mit der katholischen Kirche weitergeht, entscheidet sich zu einem guten Teil an diesem Wochenende. Insgesamt haben die Reformkräfte eine Mehrheit beim Synodalen Weg. Für Veränderungen braucht es aber die Zustimmung der Bischöfe und deren Willen zur Umsetzung. Wie es darum steht, ist unklar.

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