RWE reißt ab

Verbindungsstraße am Tagebau verschwindet trotz Protesten

  • Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.
In der Vergangenheit gab es am Tagebau auch tierischen Protest.
In der Vergangenheit gab es am Tagebau auch tierischen Protest.

Es ist knapp acht Monate her, dass der Energiekonzern RWE die Reste des Dorfes Lützerath abgerissen hat. Seitdem ist es ruhiger geworden um die Auseinandersetzungen zwischen Dorfbewohner*innen und Klimaschützer*innen auf der einen sowie RWE auf der anderen Seite. Nur ein paar Hundert Meter von Lützerath entfernt regt sich an diesem Mittwoch jedoch wieder etwas Protest: Die L12 soll abgerissen werden, sie verbindet Holzweiler mit den geretteten Dörfern am Tagebaurand. Sonja Ritter lebt in Holzweiler und ist in der Initiative »Alle Dörfer bleiben« aktiv. »Als wäre es nicht genug, dass unsere Gesundheit vom Tagebau beeinträchtigt wird, wird jetzt vollkommen ohne Not diese Straße abgerissen, die wir benötigen, um zum Einkaufen und zum Bahnhof zu kommen und unsere Kinder zu ihren Freunden zu bringen«, zeigt sie sich empört.

Auch Dorothée Laumanns ärgert sich über den Abriss. Durch das kleine Dorf Berverath, in dem sie lebt, donnerten massenweise dreckige Lkw, weil der Bau einer Ersatzstraße für die L12 dem Zeitplan hinterherhinkt. Von der schwarz-grünen Landesregierung sei den Anwohner*innen etwas anderes versprochen worden, so könne es nicht weitergehen.

Sonja Ritter war wie etwa 20 bis 25 weitere Menschen am Mittwoch schon früh auf den Beinen. In den Tagen zuvor hatten sich die Gerüchte verdichtet, RWE würde mit dem Abriss der Straße beginnen. Seit 5.30 Uhr demonstrieren Ritter und Co. gegen den Abriss. Der Protest verlaufe entspannt, auch der Umgang mit der Polizei sei »relativ unkompliziert«, erzählt Sonja Ritter. Kritik äußert sie trotzdem. Die Polizei sei schon zwei Stunden vor dem ersten Baufahrzeug da gewesen, es werde wieder deutlich, dass sie »den Handlanger« für RWE spiele.

Neben der Straße sollen auch sieben Windräder verschwinden. Bei zweien laufen die Vorarbeiten für die Demontage. Das alles, damit der Braunkohletagebau Garzweiler sich weiter ausbreiten kann. Beim Umweltverband BUND hält man die Ausbreitung des Tagebaus über die L12 hinaus für nicht begründbar. Westlich der Straße liegen noch 15 bis 20 Millionen Tonnen Kohle. Die würden nur gebraucht, wenn »der Tagebau entgegen der von Schwarz-Grün formulierten Absicht bis zum Jahr 2033 weiterbetrieben würde«, heißt es in einer Mitteilung des Umweltverbands. Kritisiert wird dort auch, dass RWE die Kohle unter dem schon 2018 zerstörten Immerath bisher nicht abbaggert, weil es dort komplizierter ist als rund um Lützerath und die L12. Die Kohleförderung dort bringe einfach weniger Profit.

Es wäre geboten gewesen, »mindestens noch die Leitentscheidung der Landesregierung NRW abzuwarten«, kommentiert Sonja Ritter den Abriss. Die Leitentscheidung legt fest, in welchen Grenzen Kohle abgebaggert werden darf. Sie wird in den kommenden Wochen erwartet. NRW will 2030 aus der Kohle aussteigen.

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