Naturschutz in Berlin: Die Kreuzkröte soll bleiben

Bei einem umstrittenen Bauvorhaben am Pankower Tor vermeldet der Naturschutzbund (Nabu) einen ersten Erfolg

  • Lola Zeller
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist ein Etappensieg für den Naturschutz: Die Berliner Kreuzkrötenpopulation am Pankower Tor muss nicht nach Brandenburg umziehen, um das große Bauvorhaben des Möbelunternehmers Kurt Krieger mit 2000 Sozialwohnungen, Einkaufszentrum und Möbelhaus auf einer Brachfläche umzusetzen. »Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung«, sagt Rainer Altenkamp, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin, zu »nd«.

Lange stritten sich Nabu und Berliner Verwaltung um die Baupläne. Um die Umsiedlung der streng geschützten Kreuzkröten durchzusetzen, hatte die Senatsumweltverwaltung einen Bescheid zur Feststellung des »überwiegenden öffentlichen Interesses« für das Bauvorhaben erlassen. Der Nabu klagte dagegen. Schließlich hat das Unternehmen Kriegers ein Artenschutzkonzept aufgestellt, »nach dem ein neuer Lebensraum für die Kreuzkröte am Pankower Tor in unmittelbarer Nähe zum bisherigen Vorkommen entstehen soll«, wie der Nabu am Montag mitteilte. Aus diesem Grund hat die Umweltverwaltung, kurz vor dem ersten Gerichtstermin, ihren Bescheid zurückgenommen, wodurch auch der Grund für die Klage des Nabu weggefallen ist.

»Stand jetzt ist also alles wieder auf null. Das heißt zurzeit, die Kreuzkröte bleibt, wo sie ist. Es sei denn, es findet sich eine angemessene alternative Fläche«, sagt Altenkamp. Aktuell steht in Aussicht, eine direkt angrenzende Fläche im Osten des Areals für die Kreuzkrötenpopulation nutzen zu können. Doch das sei längst nicht in trockenen Tüchern, so der Berliner Nabu-Vorsitzende. Denn auf Teile dieser Fläche, die erst seit Juni zur Verfügung stehe, erhebe nun das Denkmalschutzamt Pankow Ansprüche. »Es ist noch gar nicht klar, wie viel von der Fläche überhaupt genutzt werden kann.«

Damit die Kreuzkröte umziehen kann, müsse die ihr zugewiesene Fläche einige Bedingungen erfüllen: Fünf bis zehn Hektar müsse sie mindestens groß sein, um die Population von etwa 800 erwachsenen Kröten zu beherbergen. Es brauche »Laichgewässer«, damit die Kröten dort für Nachwuchs sorgen können. Der Boden müsse entweder so beschaffen sein, dass die Kröten dort selbst Löcher für die Überwinterung graben können, oder es brauche Mauselöcher.

Außerdem müsste die aktuell auf der Fläche beheimatete Kleingartensiedlung umziehen, Teile der Fläche müssten entsiegelt werden, und es brauche ein krötenfreundliches Nutzungskonzept. »Eine Nutzung als Park zum Beispiel geht nicht«, sagt Altenkamp.

Bei so viel Klärungsbedarf könne auch noch nicht von einer Einigung die Rede sein, so der Nabu-Vorsitzende. Für ihn steht fest: »Wenn es mit dieser neuen Fläche nicht hinhaut, dann bleibt die Kreuzkröte, wo sie ist.«

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