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Fußball-EM 2028 und 2032: Doppelvergabe macht doppelt Spaß

Die Europameisterschaft 2028 wird Großbritannien und Irland ausrichten, 2032 sind die Türkei und Italien dran

  • Jirka Grahl
  • Lesedauer: 5 Min.

Die Zeit von Kampfabstimmungen um Sportgroßereignisse scheint endgültig vorbei zu sein. Nach dem Internationalen Olympischen Komitee und dem Weltfußballverband Fifa hat nun auch die Europäische Fußball-Union Uefa ihre nächsten beiden Großereignisse ohne Gegenkandidaten vergeben: 2028 werden Großbritannien und Irland das Turnier austragen, 2032 findet die EM in Italien und der Türkei statt. Das entschied das Exekutivkomitee an diesem Dienstag bei seiner Sitzung am Schweizer Uefa-Hauptsitz in Nyon.

Während einer nur 20-minütigen Zeremonie verkündete Aleksander Čeferin, Präsident der Europäischen Fußball-Union, die erwartbaren Entscheidungen. Mangels Gegenkandidaten wurde die gemeinsame Bewerbung der Verbände vom Vereinigten Königreich und Irland durchgewinkt, die ja fußballgeografisch sogar eine Kandidatur von fünf Nationen war: England, Schottland, Nordirland, Wales und Irland.

Anfangs hatte sich noch die Türkei für 2028 und 2032 als Einzelkandidat beworben, Italien um die Ausrichtung 2032. Doch im Juli einigten sich beide Länder auf eine gemeinsame Bewerbung für 2032. Zuvor hatte die Uefa signalisiert, dass sie nicht auf ihrer ursprünglichen Vorgabe bestehen würde, dass nur benachbarte Länder gemeinsam Endrunden ausrichten dürfen. Daraufhin nahm die Türkei die Bewerbung für 2028 zurück, der Weg für beide Turniere war geebnet.

In Großbritannien und Irland bemühte man sich am Dienstag, trotz der wenig überraschenden Kunde aus Nyon Freude zum Ausdruck zu bringen. Der britische Premierminister Rishi Sunak hatte am Dienstag eigens die Männerauswahl im nationalen Fußballzentrum des englischen Verbandes FA beim Training besucht. Vor Reportern sagte er: »Es ist fantastisch, hier zu sein, um die großartige Nachricht zu feiern.« Das Turnier werde »eine ganze Generation inspirieren«.

Zur Bekanntgabe der EM-Ausrichter hatte das britisch-irische Bewerberduo Gareth Bale nach Nyon geschickt, den einstigen walisischen Starstürmer, der mit seinem Team bei der EM 2016 sensationell bis ins Halbfinale vorgedrungen war. Bale sagte in Nyon pflichtschuldig, dass sich sein Heimatverband viel von dem Turnier verspreche. »Für Wales ist es wichtig, auf der Landkarte zu bleiben und weiter voranzuschreiten«, sagte er.

Es wird erwartet, dass das Eröffnungsspiel der Euro 2028 in der walisischen Hauptstadt Cardiff ausgetragen wird, im Principality Stadium mit 74 000 Plätzen. Das Finale könnte im Londoner Wembleystadion stattfinden. Das ist mit seinen 90 000 Sitzen und seiner langen Geschichte ein mythischer Finalort: Zuletzt krönten sich dort die englischen Frauen 2022 erstmals zu Europameisterinnen gegen Deutschland (2:1 n.V.), nachdem im Jahr zuvor ihre männlichen Kollegen das Endspiel der paneuropäischen EM im Elfmeterschießen gegen Italien auf dramatische Art mit 3:4 verloren hatten.

»Football is coming home«, frohlockten schon am Tag der Verkündung die britischen Medien und stellten Vermutungen an, welche Stadt denn welche Spiele bekommen würde. In England, das bereits 1996 das Turnier ausrichtete, werden neben Wembley auch die Heimstätten von Tottenham Hotspur (London), Manchester City, Newcastle United und Aston Villa (Birmingham) sowie im noch nicht fertiggestellten neuen Stadion des FC Everton in Liverpool um den Europameistertitel 2028 bespielt werden. Old Trafford in Manchester und Anfield Road in Liverpool sind nicht unter den EM-Stadien.

Irland wird mit dem Aviva-Stadion in Dublin an der EM beteiligt sein, Schottland mit dem Hampden Park Glasgow. In Nordirlands Hauptstadt Belfast soll bis zum Turnierbeginn der Casement Park wiedereröffnet werden, ein altes Gaelic-Football-Stadion, in dem ein Dreivierteljahrhundert vor allem die irische Spielart des Fußballs betrieben wurde. Der Casement Park wird mit 34 500 Zuschauern die kleinste Arena des Turniers sein.

Ein Fragezeichen steht noch hinter der Qualifikation. Die Uefa sichert nur zwei Gastgebernationen die Teilnahme an der Endrunde zu. Geplant ist laut einem Bericht der englischen Zeitung »The Times«, dass alle fünf an der Qualifikation teilnehmen. Wer es dort nicht schafft, soll dann auf einen der beiden garantierten Plätze zugreifen können.

Sicher dabei bei ihrem Heimturnier sind hingegen die Gastgeber der Titelkämpfe von 2032, die Türkei und Italien. In der Türkei herrschten am Dienstag Stolz und Genugtuung nach einem langen Leidensweg mit fünf gescheiterten Bewerbungen in Folge für die Turniere 2008, 2012, 2016, 2020 und 2024. »Dieser Tag, der 10. Oktober 2023, wird in die Geschichte eingehen«, so zitierte gestern die Istanbuler Zeitung »Hürriyet« den Präsidenten des türkischen Fußballverbandes, Mehmet Büyükekşi: »Fünf Mal waren wir Bewerber, jetzt haben wir es geschafft.«

Italien wird nach der alleinigen Ausrichtung der Endrunden 1968 und 1980 bereits zum dritten Mal als EM-Gastgeber in Erscheinung treten. Der italienische Sportminister Andrea Abodi sagte, er freue sich auf eine »faszinierende Veranstaltung«, die auch »einen Beitrag zur Verbesserung der politischen Beziehungen zugunsten des Friedens leisten« könne. In jeweils fünf Stadien der Türkei und Italiens soll gekickt werden, die genauen Spielorte stehen noch nicht fest.

Erstmals war mit Belgien und den Niederlanden im Jahr 2000 die EM-Endrunde von zwei Nationen ausgerichtet worden. Es folgten Österreich/Schweiz 2008, Polen/Ukraine 2012 und die paneuropäische EM 2020, die wegen der Corona-Pandemie erst 2021 ausgespielt wurde – in insgesamt elf Ländern von Portugal bis Russland. 2024 wird das neuerdings 51 Spiele umfassende EM-Turnier in Deutschland abgehalten.

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