Ausgabe vom 02.05.2008

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Israel warnt vor Leugnung des Holocaust

Israel warnt vor Leugnung des Holocaust

Tel Aviv (Agenturen/ND). Israel hat anlässlich des Holocaust-Tages vor einer Leugnung oder Verdrängung des Mordes an sechs Millionen Juden während der NS-Zeit gewarnt. Zum Gedenken an die Opfer heulten am Donnerstag im ganzen Land für zwei Minuten die Sirenen. Landesweit blieb um 10 Uhr (Ortszeit) der Verkehr stehen und Menschen verharrten auf Straßen oder am Arbeitsplatz in stiller Andacht. Während der zentralen Gedenkveranstaltung in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem warnte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert (Foto: AFP) davor, den Mord an sechs Millionen Juden zu vergessen oder zu leugnen. Israel sage allen Holocaust-Leugnern, dass ein solches Verbrechen nie wieder geschehen werde.

Unten links

So viel Gutes war lange nicht. Gute Arbeit, gute Löhne, gute Rente plakatierte die LINKE zum 1. Mai. Da war sie sich weitgehend einig mit dem DGB, der nur die gute Rente in seinem Aufruf vergaß, der guten Arbeit jedoch einen Ortshinweis beifügte: Sie »muss drin sein«. Es war ein guter Tag, prallvoll mit guten Ideen und guten Wünschen, die sich gute Menschen mit viel gutem Willen ausgedacht haben. ...

ndPlusInes Wallrodt

Mai-Fragen

SPD-Chef Beck und Parteivize Steinmeier sind »stolz« auf die weiter gesunkenen Arbeitslosenzahlen: Dank der sozialdemokratischen Reformen sei »die Wende zum Besseren« geschafft, schreiben sie in einem Zeitungsbeitrag. Nun halten sie sogar Vollbeschäftigung für möglich und vergessen auch die Gewerkschaften nicht, mit denen sie für Mindestlöhne und eine Regulierung von Leiharbeit kämpfen wollen &nda...

DGB: Arbeit darf nicht arm machen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat auf den Kundgebungen zum 1. Mai Niedriglöhnen den Kampf angesagt und mehr Anstrengungen für Vollbeschäftigung verlangt. Tausende Bürger protestierten gegen Aufmärsche der rechtsextremen NPD.

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Weltweit Proteste zum 1. Mai

Berlin (Agenturen/ND). Traditionell fanden am 1. Mai weltweit Demonstrationen der Arbeiterbewegungen statt. In Nepals Hauptstadt Kathmandu wurde der Sieg der Maoisten bei der Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung vom 10. April gefeiert. Auf den Philippinen trugen die Arbeiter mit Slogans beschriftete rote Regenschirme. Sie forderten vor allem höhere Löhne und eine staatliche Kontrolle der steige...

Parade der Prekären
Christoph Schulze

Parade der Prekären

Auf »Maydayparaden« wurde gestern in 20 Städten europa- und weltweit für soziale Rechte und gegen prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen demonstriert. Der größte Aufzug in Deutschland fand einige Stunden vor der revolutionären Demonstration in Berlin statt.

ndPlusMichael Sommer, Hamburg

Tausende gegen Neonazis

Wegen des großen Protests mussten Neonazis in Hamburg am 1. Mai auf eine alternative Route ausweichen. Es kam zum Teil zu heftigen Konfrontationen zwischen Linken, Rechten und der Polizei.

Hans-Gerd Öfinger

Schweres Heimspiel für Kurt Beck

Der DGB hat beim diesjährigen Tag der Arbeit Niedriglöhnen den Kampf angesagt. Auf der zentralen Maikundgebung in Mainz sprach sich neben DGB-Chef Sommer auch der SPD-Vorsitzende Beck für Mindestlöhne aus.

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Birgit Kaspar, Beirut

Die Parade der leeren Stühle

Es ist wie in Eugene Ionescos Farce »Die Stühle«: Auf der Bühne des absurden Polittheaters in Libanon drängen sich immer mehr leere Stühle. Fragt sich nur, wer am Ende, wenn die Bühne voll ist, ins Wasser springt.

Jagd nach dem Superschnäppchen
ndPlusPatrick Kunkel, Freiburg

Jagd nach dem Superschnäppchen

Keine Branche wirbt so aggressiv mit Rabatten wie die der Teppichhändler. Wer seriös kalkuliert, hat kaum eine Chance. Möglich werden Billigpreise bei Orientteppichen nur durch Lohndrückerei in den Herkunftsländern.

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ndPlusVelten Schäfer, Lubmin

Grüne Chance Lubmin

Im ostvorpommerschen Landratswahlkampf dreht sich viel um das geplante Steinkohlekraftwerk am Greifswalder Bodden. Dabei geraten die politischen Fronten durcheinander. Nun kandidiert die Bürgerinitiative selbst.

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ndPlusUlf Vogler

Jüngster Rathauschef geht weiter zur Uni

Als der Bürgermeister des bayerischen Bodenmais 1990 die frisch eingeschulten Erstklässler begrüßte, war darunter auch Michael Adam. Inzwischen ist aus dem Abc-Schützen ein 23-jähriger Sozialdemokrat geworden, der den seit damals regierenden Rathauschef Fritz Wühr von der CSU spektakulär vom Thron gestoßen hat. Am gestrigen 1. Mai übernahm er dessen Posten und ist damit Deutschlands wohl jüngster ...

Netzwerken gegen Diskriminierung

Netzwerken gegen Diskriminierung

Julia Ehrt (l.) ist im Vorstand des Berliner Vereins TransInterQueer, Carsten Balzer Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Transgendernetzwerks Berlin. Mit den Organisatoren der zweiten europäischen Transgender-Tagung sprach Ina Beyer.

ndPlusHendrik Lasch, Magdeburg

Tongruben ohne Beipackzettel

In der Affäre um illegale Müllentsorgung in Sachsen-Anhalt wird die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses immer wahrscheinlicher. Derweil herrscht um eine Tongrube im Jerichower Land Alarmstimmung.

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ndPlusSilvia Ottow

Zwei-Klassen-Politik

Tapfer ignoriert das Bundesgesundheitsministerium, was die Spatzen von den Dächern pfeifen: Menschen mit einer gesetzlichen Krankenversicherung bekommen eine schlechtere medizinische Versorgung als Privatversicherte. Immer mehr Geld müssen sie zusätzlich zu ihren Beiträgen aufwenden, um Krankheiten vorzubeugen oder zu kurieren. Vom medizinischen Fortschritt profitieren sie weniger, in Kliniken und...

ndPlusMartin Kröger

Sie wissen, was sie tun

Die Erkenntnis der Philosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bringt es auf den Punkt. »Die Verwüstung der Friedhöfe ist keine Ausschreitung des Antisemitismus, sie ist er selbst.« Wer nach der ersten Schändung des jüdischen Friedhofs in Weißensee am Dienstag noch Zweifel an der Gesinnung der Täter hegte, sollte nach dem erneuten Anschlag auf Europas größten jüdischen Friedhof belehrt sein. ...

Roland Etzel

Falken und Aasgeier

Der Tod hat wieder reiche Ernte gehalten in Irak. Von 46 US-Militärangehörigen und fast 1000 Irakern wird berichtet, die als »Kollateralschaden« des Monats April von Washingtons Idee der politischen Neuordnung des Zweistromlandes gelten dürfen. Die Zahlen steigen wieder. Das Gerede der US-Generäle von Fortschritt und Stabilisierung hat sich als wohlfeiles Geschwätz zu Diensten interessierter Präsi...

Ideenklau oder Kreativität
Harry Nick

Ideenklau oder Kreativität

Zu den chinesischen Erfindungen gehören u. a. Geldmünzen, Seidenherstellung, Porzellan, das Prinzip des Raketenantriebs. Produktpiraterie gehört nicht dazu. Berechtigte Klagen hierüber klingen hierzulande mitunter wie eine Schilderung von Nationaleigenschaften: Chinesischer Ideenklau und deutsche Kreativität; chinesischer Pfusch und deutsche Wertarbeit . . . .Gemach! Der erste große und systematis...

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ndPlusGregor Putensen

Seitenhiebe aus Brüssel

Schwedens Regierung nutzt EU-Regelungen, um Vormachtstellung der bürgerlichen Presse weiter auszubauen.

Anke Stefan, Athen

Im Namen des Volkes

In der Woche vor dem orthodoxen Osterfest startete Griechenlands Linksbündnis SYRIZA eine Initiative gegen den Lissabonner Vertrag. Neben der Forderung nach einer Volksabstimmung geht es um Aufklärung über die Konsequenzen des Abkommens.

Der große Bluff
Elke Schenk

Der große Bluff

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Reiseprospekt und dem Vertrag von Lissabon? Beim Reiseprospekt haben wir gelernt, die Werbebotschaften zu entschlüsseln und mit dem Kleingedruckten zu vergleichen. Beim neuen EU-Vertrag werden wir Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, den Werbeprospekt für bare Münze zu halten. Wer sich mit dem Kleingedruckten beschäftigt oder gar das Ziel der Reise ände...

»Die Linke in Europa muss ein klares Profil zeigen«

»Die Linke in Europa muss ein klares Profil zeigen«

Am kommenden Freitag, vier Jahre nach Gründung der Europäischen Partei der Linken (EL) in Rom, kommt deren Vorstand in Berlin zusammen. Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Vorbereitung der Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 und die Erarbeitung einer gemeinsamen Wahlplattform. Helmut Scholz vertritt DIE LINKE in der EL-Führung. Über Situation und Aufgaben der Europäischen Linken sprach mit ihm Uwe Sattler.

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Tibeter erschossen

Peking (AFP/ND). Die von China in Aussicht gestellte Einladung an den Dalai Lama zu Gesprächen über die Lage in Tibet lässt auf sich warten. »Bislang haben wir kein Einladungsschreiben von China erhalten», sagte der Vertreter des Dalai Lama in Frankreich, Jampal Chosang, am Dienstagabend der Nachrichtenagentur AFP. Zwar habe Peking am vergangenen Freitag Gespräche mit einem Vertreter des Dalai Lam...

In Simbabwe zeichnet sich Stichwahl ab

Harare (AFP/ND). Gut einen Monat nach der Präsidentschaftswahl in Simbabwe verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Stichwahl. Die Vertreter der Kandidaten wollten sich am Donnerstagnachmittag in Harare mit der Wahlkommission treffen, um ihre eigenen Auszählungen mit denen des Gremiums zu vergleichen. Sollten alle ihr Einverständnis geben, könnte danach das Ergebnis bekanntgegeben werde...

Jan Keetman, Istanbul

Türkische Polizei verhindert Maidemo

Durch einen Großeinsatz der Polizei wurde die von den drei türkischen Gewerkschaftsdachverbänden DISK, Türk Is und Kesk geplante Kundgebung zum 1. Mai in Istanbul gewaltsam verhindert.

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Kein Streik bei der Post

Köln/Bonn (AFP/ND). Der drohende Streik bei der Deutschen Post ist abgewendet. Der Konzern und die Gewerkschaft Verdi einigten sich am Mittwoch in Köln auf einen Tarifkompromiss, wonach die Bezüge der Angestellten in zwei Schritten bis Ende 2009 um sieben Prozent steigen sollen. In der heftig umstrittenen Frage der Arbeitszeit bleibt es bei der 38,5-Stunden-Woche. Die Mitarbeiter müssen allerdings...

SPD spricht von Vollbeschäftigung

Nürnberg (AFP/ND). Wie der Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Mittwoch bei der Vorlage der Arbeitslosenzahlen für April sagte, hatte man den nachlassenden Schwung beim Abbau der Arbeitslosigkeit erwartet. Die Experten blieben aber bei der Prognose von 3,4 Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt. Es gebe Hinweise, »dass es einen Tick besser wird« und der Jahresschnitt auf 3,2 Millionen sinken könne. Im Herbst könne die Zahl der Arbeitslosen unter die Drei-Millionen-Marke fallen.

Dieter Janke

Betteln für Kommunal-Kombi

Seit Jahresbeginn ist das Bundesprogramm für den »Kommunal-Kombi« in Kraft. Mit diesem Projekt sollen 100 000 Langzeitarbeitslose bis 2009 für drei Jahre in Beschäftigung gebracht werden. Trotz der mit dem Vorhaben verbundenen Hoffnung kommt die Umsetzung des Projektes nur schleppend in Gang.

Seite 10

Bildungsnetze

»Erziehung ist kein Kinderspiel, aber mit ein bisschen Humor, Gelassenheit und Klarheit lässt sich die ›Beziehungsarbeit‹ leichter meistern.« Das jedenfalls meint die Berlinerin Gerda Hoffmann. Auf ihrer Internetseite gibt die langjährige Leiterin einer Kindertagesstätte ihre Erfahrungen weiter. In ihren Kursen geht es um Benimmregeln ebenso wie um Hilfen bei Problemen in der Schule od...

Bildungssplitter

Forscherkritik an fehlender religiöser Bildung Tübingen (epd/ND). In vielen Kindertageseinrichtungen in Deutschland kommt die religiöse Bildung einer Studie zufolge zu kurz. In zahlreichen Einrichtungen hätten Kinder keine Möglichkeit, sich mit Religion auseinanderzusetzen, erklärten die Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger und Friedrich Schweitzer bei der Vorstellung der Untersuchung Anfa...

Lehmanns Erzählungen
ndPlusJürgen Amendt

Lehmanns Erzählungen

Allmählich legt sich wieder die Aufregung um die Grundschulstudie des Berliner Bildungsforschers Rainer Lehmann. Der Pädagogikprofessor hatte im Auftrag des Berliner Senats die Qualität der sechsjährigen Berliner Grundschule mit der grundständiger Gymnasien verglichen, auf die auch in Berlin Schülerinnen und Schüler bereits nach der vierten Klasse wechseln können. Schon bevor sein Zahlenwerk offiz...

Tipps für Maurersöhne und Schneidertöchter

Tipps für Maurersöhne und Schneidertöchter

Am 4. Mai 2008 geht die Internetseite www.arbeiterkind.de online. Ihr Ziel: Mehr Kinder aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Schichten an die Hochschulen zu holen. Für ND sprach Jens Wernicke mit der Konzeptverantwortlichen Katja Urbatsch über das Projekt.

Klemens Himpele

Grüner Dammbruch in Hamburg

Die Frage, ob es in Deutschland flächendeckend Studiengebühren geben wird, ist derzeit offen. Das scheint gegenüber den Jahren nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das im Januar 2005 ein bundesweites Studiengebührenverbot aus kompetenzrechtlichen Gründen gekippt hatte, ein Fortschritt zu sein. Und in der Tat könnte die Campusmaut in Hessen auch bald mit den Stimmen aus SPD, Grünen und Li...

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ndPlusKatrin Greiner

Berührend

Autor, Regisseur, Maler, Multitalent. Viele Facetten und überraschende Momente kennzeichnen den Weg des Ausnahmekünstlers aus Sangerhausen, der 2001 in Berlin starb und auch heute noch Literatur- und Kunstexperten in Kontroversen zu beschäftigen und zu polarisieren weiß. Dem Maler und Zeichner Schleef war zu Lebzeiten keine große Schaffensphasen und -bereiche übergreifende Ausstellung vergönnt. Da...

Götter auf dem Kiesberg
Roberto Becker

Götter auf dem Kiesberg

In Halle wird im Moment vor allem der Maler Einar Schleef gefeiert. Dass die Chefin des Thalia Theaters, Annegret Hahn, auf die Idee gekommen ist, sozusagen als Zugabe zur Ausstellung einen Orpheus von heute auf eine Unterweltexkursion zu schicken, wundert wohl niemanden. Nicht wie sonst »von«, sondern »nach« Jacques Offenbach versteht sich. Eine Fassung von Barbara Rucha (Musik) und Berit Schuck ...

Der Schalk und die Anmut
Hans-Dieter Schütt

Der Schalk und die Anmut

Blau ist die Nacht, die hier der schöne weite Rundhorizont ist. Operettenblau. War's so bei der »Schönen Helena«? Wunderbar romantisch eingehaucht jedenfalls die Bühne des Deutschen Theaters Berlin, wo am Sonntagvormittag der Schauspieler Fred Düren zum 23. Ehrenmitglied ernannt wurde. Ein Ritterschlag aus lauter Liebeserklärungen. Der Zuschauerraum gefüllt mit so vielen Leuten, denen eine wehmüti...

Seite 12
Hans Karl Rupp

Der Missbrauchte

Dieser Roman hat es in sich: Er skizziert einen Alltags-mikrokosmos im Übergang vom »alten« zum »neuen«, antifaschistischen Deutschland in einem kleinen Ort in Sachsen. Was wurde aus den Dorfbewohnern, dem Sägewerkbesitzer, dem katholischen Kaplan, den Heranwachsenden? Autobiografisches mischt sich mit Fiktivem. Dabei liegt die Brisanz vor allem in einer zweiten Dimension: Es geht um die Entstehun...

Peter Menke

Erbsenreisig für Erwin

Der Autor, einst Drucker, Gründer des Wieden Verlags, schloss diesem die Buchbinderei seiner Frau an und kämpft sich seitdem durch die literarische Landschaft. In diesem Band, seiner siebten Edition, erzählt er Geschichten aus Mecklenburg und Vorpommern, über sieben von der Zeit betroffene Menschen. Und über ein Schwalbenpärchen: Der Erzähler, der uns sonst mit harten Tatsachen hintersinnig konfro...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Wer den Schwarzen Peter hat

Ein Lebensbericht, als ob eine wirkliche Person dahinterstünde, als ob ein Mann namens Peter Schwarzer am Hoftor geklingelt und einen Packen Papier mit seinen Memoiren überreicht hätte. Oder als ob er, der vielleicht ganz anders heißt, mit dem Autor am Kamin gesessen und ihm sein Schicksal gebeichtet hätte. Aber ob Horst Matthies überhaupt Hoftor und Kamin sein eigen nennt? Nehmen wir also mal an,...

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Leseprobe

Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus berührt nicht nur Wissen um geschichtliche Zusammenhänge, sondern erfordert die Stabilität von Grundwerten. Die Fähigkeit, Antisemitismus als Unrecht werten zu können, setzt ein Empfinden für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Recht und Unrecht voraus. Dies sind Werte, die wesentlich über die Gesellschaft, über gelebte und erlebte gesellschaftliche Bez...

Heinz-Dieter Winter

Aus Sorge um Israel

Israel blickt in diesen Tagen auf sechzig Jahre seiner Existenz zurück. Doch die berechtigte Freude über einen Staat mit mo-dernster Industrie und Landwirtschaft, Bildungswesen auf hohem Niveau und mit einer der stärksten Armeen der Welt dürfen nicht die dunklen Kapitel seiner Geschichte überdecken. Dies meinen namhafte israelische Historiker und Politikwissenschafter und haben zum Jubiläum entspr...

Die Mauern von Jerusalem
ndPlusTheodor Bergmann

Die Mauern von Jerusalem

Der fast hundertjährige Nahostkonflikt, der Kampf zwischen Israelis, Palästinensern und den arabischen Nachbarn wird nur am Rande behandelt. Micha Brumlik will vielmehr eine Geschichte der modernen Zionismen bieten. Die Juden bilden keine homogene Einheit.; sie sind, wie andere Völker auch, in Klassen geteilt und Parteien gespalten – und zudem in der weiten Welt »verstreut«. Brumlik geht kau...

Seite 14

Streitfrage: Sind die Arzneimittel für Patienten zu teuer?

Es debattieren: Jörg Schaaber, Soziologe und Gesundheitswissenschaftler, arbeitet für die Pharma-Kampagne der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), die sich seit etwa 25 Jahren kritisch mit der Pharmaindustrie auseinandersetzt und Henning Fahrenkamp, Jahrgang 1951, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), dessen Hauptgeschäftsführer er seit 2002 ist....

Neue und innovative Arzneimittel haben auch ihren Preis
ndPlusHenning Fahrenkamp

Neue und innovative Arzneimittel haben auch ihren Preis

In Deutschland werden verschiedene Kategorien von Arzneimitteln unterschieden: verschreibungspflichtige, nichtverschreibungspflichtige, apothekenpflichtige und freiverkäufliche Medikamente der Selbstmedikation. Alle diese Arzneimittel haben unterschiedliche Preisniveaus oder sind auf vielfältige Weise von staatlichen und einzelvertraglichen Preisregulierungen betroffen. In Deutschland ist der Prei...

Die Profitgier der Industrie verursacht die hohen Kosten
Jörg Schaaber

Die Profitgier der Industrie verursacht die hohen Kosten

Die Preise für Arzneimittel seien im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben, so die Pharmaindustrie. Ist das wirklich eine gute Nachricht? Nein, denn im internationalen Vergleich sind in Deutschland die Preise für Medikamente hoch. Außerdem sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auch dieses Jahr wieder deutlich gestiegen. Schuld daran sind die höheren Ausgaben für neue Arzneimittel...

Seite 15

Ausgestreckte Hände

Friedlich wie lange nicht war die Walpurgisnacht, war gestern die gute Nachricht des Tages. Und für den ersten Maiabend rechnete man eher mit Alkoholopfern als mit Krawalltätern. Ach du lieber Vater, Himmelfahrt war ja auch zu feiern. Proklamiert die Berliner Polizei bereits seit Jahren die Deeskalationspolitik der »ausgestreckten Hand«, hieß es nun, sie sei am Vorabend des 1. Mai im Streik und eh...

Musik aus aller Welt und was vom Grill
ndPlusNissrine Messaoudi

Musik aus aller Welt und was vom Grill

Rauch vom Grillen füllte die Kreuzberger Luft. Menschen drängten sich wie auf einem Basar an den ungezählten Essständen vorbei. Kinder spielten auf der Wiese und tanzten zur lauten Weltmusik auf dem Mariannenplatz. Sogar ein Esel vom Kinderbauernhof am Mauerplatz gab sich die Ehre. Bei der ausgelassenen Rummelplatz Atmosphäre des gestrigen Myfestes hatten die Anti-Konflikt-Teams der Polizei nicht ...

Martin Kröger

Rote Karte für Wowereit und Sarrazin

Die Organisierung der Gewerkschaften in Berlin ist beeindruckend – jedenfalls finden dies die Genossen der spanischen Gewerkschaft »federación de servios y administraciones públicas«. »Punkt zehn Uhr zog die Demonstration los«, staunte Generalsekretär Miguel Vicente Seggara Ortiz von der spanischen Schwestergewerkschaft von ver.di gestern nicht schlecht. In Spanien würde dagegen niemand vor ...

Seite 16

Gestohlene Schau

Der Niederländer Karsten Kroon hat den deutschen Profis beim Radklassiker »Rund um den Henninger Turm« die Schau gestohlen und zum zweiten Mal in Frankfurt am Main triumphiert. Die Schinderei des Rennstalls Gerolsteiner wurde am Tag der Arbeit nicht belohnt: Der Italiener Davide Rebellin wurde Zweiter, der deutsche Meister Fabian Wegmann aus Freiburg landete hinter dem Kolumbianer Mauricio Ardila ...

Letzte Chance für Aue und Jena

Die Fußballer von Erzgebirge Aue und Carl Zeiss Jena sind fest gewillt, ihre noch verbliebene Minimalchance auf den Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga zu nutzen. »Wir werden beim FC St. Pauli drei Punkte holen«, erklärte Aues Trainer Heiko Weber mit Blick auf die heute anstehende Partie in Hamburg. Ebenso kämpferisch gibt man sich in Jena: »Die Mannschaft weiß, dass sie etwas gut zu machen hat....

Chelsea und Manchester fahren nach Moskau

Es war ein Champions-League-Abend voller Dramatik und emotionaler Höhepunkte – 3:2 gewann der FC Chelsea nach Verlängerung das Halbfinal-Rückspiel im heimischen Stadion gegen den FC Liverpool und zog erstmals in der Vereinsgeschichte ins Endspiel der Königklasse ein. Dort treffen die »Blues« im ersten rein englischen Finale am 21. Mai im Moskauer Luschniki-Stadion auf den Ligakonkurrenten Ma...

ndPlusKlaus Teßmann

Zwei Jubiläen zum Biesdorfer Blütenfest

Die Biesdorfer haben an diesem Wochenende beim Blütenfest allen Grund zum Feiern: Anfang Mai stehen gleich zwei Jubiläen ins Haus: Das Schloss wird 140 Jahre alt, und der Schlosspark ist seit 80 Jahren als Volkspark für alle geöffnet.Die Tradition des Biesdorfer Blütenfestes reicht bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts zurück. Damals wurde Biesdorf als Werder des Ostens bezeichnet, weil in ...

Seite 17
Walter Kaufmann

Annamateur

Auf in die Bar jeder Vernunft, die gottlob nicht vernünftiger geworden, sondern so verrückt wie immer geblieben ist. Auch mit »Annamateur & Außenseiter« – mit einem Weibsbild, das Musik im Blut und Witz im Kopf hat. Anna Maria Scholz, Dresdnerin des Jahrgangs 77, die rund und füllig und dabei überaus beweglich ist, wird mir die Vokabel Weibsbild nicht verübeln – sie trifft. Die vie...

Angelika Kettelhack

Die Lerche

War es nun die Nachtigall oder die Lerche, die mit ihrem Gesang das Liebesgurren von Romeo und Julia, dem berühmtesten Liebespaares der Weltgeschichte, begleitete? Leider weiß es Shakespeare, der im Jüdischen Theater »Bimah« als lebende Figur neben der Bühne (Hebräisch »Bimah«) aus dem Bilderrahmen lugt und ständig Ansprüche an seinem Stück anmeldet, auch nicht mehr. Romeo und Julia sind in die Ja...

ndPlusVolkmar Draeger

Der Zeitpunkt war gerade ungünstig

Angefangen hat alles mit Frau Schlüter. Im langen roten Glitzerkleid, ihrer finalen Rüstung, erwartet sie den Fruchtsaftlieferanten Miroslav. Er soll ihr letzter Besucher sein, denn sie hat bereits das Todesbrötchen gegessen. Mit wirrem Blick kokettiert sie, legt sich grelles Rouge wie Leben auf. Die Welt scheint dennoch in Ordnung. Die Welt ist ein Mietshaus. Da kann schon mal einer durchdrehen.S...

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Sybille Gurack

Grenzüberschreitend simulierte Katastrophen

Ein grenzüberschreitender Katastrophenschutz wird an diesem Wochenende in Kostrzyn nad Odra (Küstrin an der Oder) und in Frankfurt sowie dem auf der anderen Seite der Oder befindlichen polnischen Slubice trainiert. Insgesamt kommen 300 Kräfte zum Einsatz. Vom Frankfurter Deutschen Roten Kreuz zum Beispiel die Rettungshundestaffel, die Wasserwacht sowie die Freiwilligen Feuerwehren der Städte Slubi...

ndPlusAndreas Heinz

»Die Gästeführer werden irregeführt«

Das Kursangebot der Potsdamer Volkshochschule (VHS) verhieß eine abwechslungsreiche Beschäftigung: Ausbildung zum Gästeführer. »Das ist eine Freizeitbeschäftigung, die mich reizen könnte«, dachte sich Vorruheständler Michael Manns. kurz entschlossen meldete er sich zu einem Kurs an, den die Schule zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) anbietet. Nach ein paar Wochen Training fühlt er ...