»Als nur noch harte Währung zählte, stand die Frage der Vereinigung«

Eine deutsche Biografie: Der Linkspartei-Politiker Hans Modrow über die Wendepunkte in seinem Leben

Hans Modrow, als am 1. September 1939, vor 80 Jahren, der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begann, waren Sie elf Jahre alt. Wie haben Sie davon erfahren?

Es war, jedenfalls im Rückblick, kein bewusstes Erleben. Wir waren überrascht von den Nachrichten, denn nach der Olympiade 1936 in Berlin glaubten wir nicht an einen baldigen Krieg. Im Gegenteil.

Hans Modrow

Junge Männer des Jahrgangs 1928 wurden nahezu unweigerlich in die letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs hineingezogen.

Hans Modrow, geboren in jenem Jahr in Jasenitz (heute Teil der Stadt Police im Nordwesten Polens am Stettiner Haff), lernte Maschinenschlosser, wurde Anfang 1945 zum Volkssturm eingezogen und verbrachte vier Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. 1949 kehrte er in den Osten Deutschlands zurück, wurde Funktionär der FDJ, dann der SED. Seit den 70ern SED-Chef des Bezirks Dresden, galt er manchen westlichen Medien als möglicher SED-Erneuerer. Im Wendeherbst 1989 wurde er Ministerpräsident der DDR - für ein wildes halbes Jahr. Nach der deutschen Vereinigung gehörte er dem Bundestag und dem Europaparlament an.

Er ist in der Linkspartei aktiv, unter anderem als Vorsitzender ihres Ältestenrates, und bis heute auch international ein geschätzter Gesprächspartner. Gerade kam er von einer Reise aus China zurück.

Anders war das 1941 beim Überfall auf die Sowjetunion. Es war ein Sonntag; ich war bei einem Sportwettkampf in Anklam, ein Dreikampf aus Weitsprung, Laufen und Werfen, also die Vorbereitung auf das Soldatsein. Ich war der Beste im Dorf und wurde zur Kreismeisterschaft geschickt. Dort erreichte uns die Meldung, dass der Krieg sich jetzt gegen die Sowjetunion wendet. Da spürten wir, jetzt beginnt etwas ganz anderes als bisher.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass der Krieg Sie ganz persönlich betrifft?

Das war zum Jahreswechsel 1942/43, als die Bombenangriffe unser Dorf erreichten. Wir hatten in der Nähe, bei Stettin, ein Hydrierwerk, in dem ich Maschinenschlosser lernte. Da wurde Benzin hergestellt, und das war ein Ziel für die Bomber. Die Männer im Ort waren alle im Krieg, also mussten die Jugendlichen in der Feuerwehr Dienst tun. Ich musste immer wieder zu Einsätzen mit raus. Die Mühle brannte ab, in Stettin haben wir das Theater gelöscht. In unserem Dorf sind fast 30 Menschen umgekommen durch Bomben.

Waren das sowjetische Bomber?

Nein, das waren Briten oder Amerikaner. Die Rote Armee marschierte mit ihren Truppen und Panzern, mit Bombenangriffen habe ich sie nicht erlebt. Das spielte eine Rolle für uns: Du wirst nicht angegriffen von den Bolschewiki, sondern von Amis und Briten. Das hat uns geprägt, obwohl es nicht zur Ideologie damals passte. Ich habe auf keinen Rotarmisten je einen Schuss abgegeben. Aber das war auch Glück beim Volkssturm.

Wann sind Sie zum Volkssturm gekommen?

Im Januar 1945. Die ganze Lehrwerkstatt musste einrücken, 200 Jungs. Vorher haben wir im Betrieb vorzeitig eine sogenannte Notprüfung gemacht, damit wir einen Abschluss hatten. Ich war dann Zugführer. In der Kompanie gab es nur zwei richtige Militärs, einen Hauptmann und einen Feldwebel.

Waren Sie kriegsbegeistert?

Nicht kriegsbegeistert, aber zum Krieg bereit. Uns wurde jedoch sehr schnell bewusst: Du sollst schießen, und das ist kein Spiel mehr. In einer unserer Baracken probierte einer mit der Panzerfaust herum, drückte aus Versehen ab, und die halbe Baracke ging zu Bruch. Da merkte man, die Sache ist gefährlich.

Wie gerieten Sie in Gefangenschaft, ohne geschossen zu haben?

Wir wurden auf die Insel Rügen geschickt, Verteidigungsanlagen bauen. Die Rote Armee kam da erst mal gar nicht hin, die rückte zielstrebig nach Westen vor, sozusagen an uns vorbei. Wir haben nur die Panzer gehört. Unser Hauptmann, vor dem ich bis heute Respekt habe, sagte eines Tages: »Das ist vorbei, Jungs, geht nach Hause.« Vorher sollten wir alle Waffen in den Gutsteich werfen, damit uns niemand damit erwischt.

So sind wir losgelaufen, nur mit Rucksack. Als wir einen Wald erreichten, fielen dort Schüsse. Einer sagte: »Jetzt schießen die uns tot.« Dann hörten wir Rufe: »Gitler kaputt!« Da war klar, der Krieg ist zu Ende. Das war mein persönlicher Tag der Befreiung, auch wenn ich das damals nicht so genannt habe. Irgendwann liefen wir Rotarmisten in die Arme. Die nahmen uns natürlich mit; wir trugen ja noch Uniformen, aber zum Glück keine Waffen.

Ich habe dann in Vorpommern bei der Ernte geholfen. Die Sowjetsoldaten merkten, dass ich Maschinen reparieren konnte, ich war ja Schlosser. Also reparierte ich den Dreschkasten, die Strohpresse. Ich war plötzlich ein Spezialist, der für ihre Versorgung wichtig war, und bekam sogar mal eine Scheibe Brot mehr.

Sie waren vier Jahre in Gefangenschaft.

Ja, an verschiedenen Orten in Polen und in der Sowjetunion. Ich bin bis kurz vor Moskau gekommen, da war ein Lager im Wald. Einen Winter habe ich direkt in Moskau gearbeitet, in einem großen Heizkraftwerk. Wir fingen an zu lesen, Anna Seghers, sowjetische Jugendbücher. Und dann kam die Frage, ob ich zur Antifa-Schule gehen würde. Da kannst du was lernen, hieß es.

Wer waren Ihre Lehrer?

Die Schule wurde von Professor Naumann geleitet, neben einem Oberst, der eigentlich vom KGB kam. Robert Naumann hatte als Ökonom in der Emigration in Moskau gearbeitet. Später war er Professor an der Humboldt-Universität und Mitglied des ZK der SED. Mein direkter Lehrer war Doktor Ring, ein Arzt. Der war in Rumänien zur Roten Armee übergelaufen.

Die beiden haben mir einen Grundsatz auf den Weg mitgegeben: Wenn du zurückkommst nach Deutschland, werden nur wenige da sein, die wie du den Marxismus studiert haben. Aber gehe nicht gleich in eine Funktion, sondern arbeite erst in deinem Beruf. Du musst das Leben kennenlernen.

Haben Sie den Rat befolgt?

Ja, habe ich, obwohl ich dafür stur sein musste. Ich sollte sofort Kreissekretär in der FDJ oder in der SED werden, aber ich dachte an Naumann und Ring und war nicht zu überzeugen. Ich ging in einen Betrieb. Für die Kollegen dort in der Schlosserei war ich »der Russe«, weil ich die Sowjetunion verteidigte und die Friedensgrenze an der Oder. Ab August 1949 war ich dann doch Funktionär, im Landesvorstand der FDJ in Brandenburg.

Sie waren vier Monate im Volkssturm und blieben dafür fast vier Jahre in Kriegsgefangenschaft. Haben Sie das als ungerecht empfunden?

Zunächst ja. Aber ich war in Gegenden, in denen der Krieg heftig getobt hatte. Und in den Lagern gab es Leute vom Antifa-Komitee, die uns gesagt haben: Schaut euch an, was hier alles kaputt ist, wie die Deutschen gewütet haben. So haben sie mir klargemacht, dass wir nun dafür arbeiten müssen. Wiedergutmachung war der erste Begriff, den ich aufgenommen habe. Daraus ist dann eine politische Haltung entstanden.

War es für Sie, als Sie 1949 zurückkehrten, eine ernsthafte Möglichkeit, nicht in den Osten des Landes zu gehen, sondern nach Westdeutschland? Ihr Bruder war ja später in Westdeutschland.

Meine Eltern und die beiden Schwestern auch. Aber ich wusste: Im Osten werden Leute mit meiner Ausbildung gebraucht. Ich hatte eine Tante in der Nähe von Königs Wusterhausen, dort war ich als Schuljunge oft in den Ferien. Das war meine Anschrift zur Entlassung aus der Gefangenschaft.

1952 sind Sie für ein Jahr nach Moskau gegangen, zum Studium an der Komsomol-Hochschule. Wie war das, nach den vier Jahren Kriegsgefangenschaft in dieses Land zurückzukehren?

Es war ein zwiespältiges Erleben, aber ich wurde als Freund aufgenommen. Ich wohnte mit einem sowjetischen Studenten in einem Zimmer. Sascha Wassiljew hat mich nie korrigiert, wenn ich im Russischen etwas falsch gemacht hatte. Der stellte lieber die Frage noch mal, bis ich es begriffen hatte. Und er war Langstreckenläufer. Er kam aus Sibirien; wie kalt es war, das war ihm egal. Wenn der Sportlehrer zum Frühsport rief, sagte er zu mir: »Dawai, Gans!« Und dann machten wir, zum Schluss als Einzige, eine Strecke von vier, fünf Kilometern, im Winter mit der »Prawda« vorm Bauch und auf dem Rücken unter der Trainingsjacke, gegen die beißende Kälte.

Wie haben Sie den 7. Oktober 1949 erlebt, die Gründung der DDR?

Dieser Tag war für mich gar nicht so wichtig; unser großer Tag war der 11. Oktober, für den wir eine Jugenddemonstration in Berlin Unter den Linden organisierten. Honecker sprach den Schwur der Jugend, ich trug die Fahne meines FDJ-Landesverbandes. Das war für uns junge Leute die Geburtsstunde der DDR.

Was war damals für Sie der Anspruch dieses neuen Staates?

Die Jugend hatte sich so kurz nach der Nazizeit noch nicht vollständig vom Faschismus gelöst. Das wollten wir aber erreichen, gerade wir jungen Politiker, damit etwas Neues beginnen konnte. Dazu musste ich mich in ganz neue Fragen einarbeiten: Berufsausbildung, Wirtschaft.

Sie waren während der gesamten Zeit der DDR Funktionär. Erst in der FDJ, dann in der SED. Was waren die wichtigsten Leistungen der DDR, was die gravierendsten Defizite?

Drei Dinge. Erstens: So wie die DDR sich gründete, als antifaschistisch-demokratische Ordnung, ist sie immer gewesen. Sie war im Grundansatz und im Leben ein antifaschistischer Staat. Dass der Antifaschismus später nicht mehr ausreichend vermittelt wurde und nicht mehr aus unmittelbarem Erleben wachsen konnte, ist eine andere Frage.

Zweitens: Wir mussten alles neu aufbauen, einige Grundlagen hat die sowjetische Militäradministration geschaffen und hinterlassen: die Bodenreform, die Enteignung der Konzerne.

Und drittens: Ulbricht hat in den 60ern darauf geachtet, dass in die Betriebe investiert wurde, damit wir den wissenschaftlich-technischen Fortschritt vorantreiben konnten. Dafür floss nicht so viel in den sozialen Bereich. Nach dem VIII. Parteitag 1971, als Honecker die Parteiführung übernahm, kam es zu Umschichtungen. Die Akkumulationsrate in den Betrieben ging zurück, die sozialen Leistungen wuchsen ständig. Ich war in dieser Frage Ulbrichts Meinung, hatte mich ja auch im Fernstudium und in einer Dissertation mit solchen Fragen beschäftigt.

Wann begann nach Ihrem Eindruck in der DDR politisch und wirtschaftlich etwas schiefzulaufen, was letztlich nicht mehr zu reparieren war?

Mitte der 70er Jahre. Da merkte ich, dass die Balance nicht stimmte, dass die wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung gebremst war. Als ich nach Dresden ging, als 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, sagte mir ein Politbüromitglied: Sorge dafür, dass dieses Theater mit den Rechnern von Robotron aufhört. Wir brauchen vor allem Konsumgüter, damit die Leute zufrieden sind. Und ein anderer: Unsere Kraft reicht nicht aus für alles. Wir haben uns dann in Dresden darum gekümmert, dass das Robotron-Kombinat trotzdem bleibt.

War Ihnen damals schon bewusst, dass das ein Existenzproblem wird?

Nein, aber im Rückblick war das der Beginn der großen Probleme. Die Wirtschaft konnte die Sozialpolitik nicht dauerhaft tragen. Da entstanden Disproportionen. Aber darüber wurde nicht diskutiert, entsprechende Analysen landeten im Panzerschrank.

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre, in der Gorbatschow-Zeit, wurden Sie in westdeutschen Medien als SED-Hoffnungsträger beschrieben, der die DDR erneuern könnte.

Das brachte mir Misstrauen in der SED-Führung ein. Und die Lobeshymnen im Westen waren ja auch nicht von Dauer. Mitte der 80er begannen Kontakte zwischen Hamburg und Dresden. Klaus von Dohnanyi, der Hamburger Bürgermeister von der SPD, kam nach Dresden und begegnete mir sehr respektvoll und interessiert. Wir redeten auch viel über Wirtschaftsfragen. Als er in den 90ern für die Treuhand gearbeitet hat und die DDR-Kombinate privatisierte, kippte das. Die Stimmung war eine völlig andere. Solange du mit denen auf einer Ebene bist, sind sie alle lieb und nett. Wenn das aber vorbei ist, bist du der Schurke.

Im Herbst 1989 waren Sie einer der ersten SED-Politiker, die mit den Demonstranten auf der Straße diskutiert haben. Was verbinden Sie, auch unter dem Eindruck dieser Erlebnisse, mit dem Begriff »Friedliche Revolution«?

Ich sehe das nicht als friedliche Revolution. Es war nicht alles so, wie es heute gebacken werden soll. Es war eine Implosion, eine innere Aushöhlung der DDR, auch der Sowjetunion. Und wo keine Stabilität mehr ist, da beginnt der Zerfall. Ein widersprüchlicher Prozess.

Ihr Verhältnis zum sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow wird gelegentlich als uneindeutig beschrieben. Stimmt das?

Ja, das kann man so sagen. Als er mit seiner Perestroika-Politik anfing, mit seiner Umgestaltung, meinte auch ich, dass wir so eine Veränderung brauchen. Denn in der DDR sah ich, wir konnten nicht so weitermachen. Meine Haltung war nicht: Wir müssen die DDR abschaffen. Sondern: Es geht so nicht weiter wie bisher.

Uneindeutig - was heißt das?

Schon zwei Jahre später, 1987, konnte man erkennen, dass Gorbatschow mit seinen Experimenten auch viel kaputtmachte. Zum Beispiel mit der Wahl von Generaldirektoren in großen Betrieben. Das funktionierte nicht. Die Produktivität ging runter, die Versorgung der Bevölkerung wurde schlechter.

Von da an war bei mir eine Distanz da, die sich noch verstärkte durch den Umgang miteinander. Im Herbst sagte ein enger Gorbatschow-Vertrauter dem »Spiegel«, dass nach Gorbatschows Meinung ich der geeignete Honecker-Nachfolger sei. Darüber hatten sie mit mir nicht gesprochen. Viel später erfuhr ich aus den Akten des BND, der mich seit Jahrzehnten beobachtet hatte, dass schon 1988 Gorbatschow mit Wojciech Jaruzelski darüber gesprochen hatte, ob ich der Nachfolger sein sollte.

Da stecken zwei Fragen drin: Welche Kontakte hat der BND dorthin und hängt das mit dem KGB zusammen? Und warum reden überhaupt Moskau und Warschau über mich? Als ich nach langem Rechtsstreit endlich die Akten lesen durfte, bekam ich eine Ahnung davon, wie verflochten die Geheimdienste über Grenzen hinweg waren.

Sie wurden Ministerpräsident zu einer Zeit, als kaum noch etwas zu retten war von der DDR. Ab wann wussten Sie, dass die deutsche Einheit kommen wird?

In meiner Regierungserklärung am 17. November 1989 ging ich davon aus, dass eine Vereinigung Deutschlands nicht auf der Tagesordnung steht. Ich schlug eine Vertragsgemeinschaft beider Staaten vor, das übernahm auch Helmut Kohl. Im Dezember traf ich in Potsdam den US-Botschafter. Der sprach ebenfalls nicht von Vereinigung, sondern wir redeten über Handelsbeziehungen und diplomatische Annäherung.

Im Januar 1990 erklärte der sowjetische Regierungschef Ryschkow, der RGW, das Wirtschaftsbündnis der sozialistischen Länder, müsse reformiert werden. Da war mir klar, diese Reform verträgt die DDR nicht. Wir konnten nicht mehr unsere Dampfer gegen sowjetisches Erdöl tauschen, unsere Eisenbahnen nicht mehr gegen sowjetisches Gas. Es gab alles nur noch gegen harte Währung, und dafür war unsere Wirtschaft nicht ausgestattet. Ab da stand für mich die Frage der Vereinigung.

Wie war Ihr Verhältnis zum Bundeskanzler Helmut Kohl?

Es war gegenseitige Achtung, bis zum Schluss, aber mehr nicht. Und ansonsten ein staatsmännisch diplomatischer Umgang. Aber ich spürte, dass er eher bereit war, sich mit Gorbatschow und dann mit dem russischen Präsidenten Jelzin zu arrangieren. Wir konnten immerhin erreichen, dass die Entscheidungen der sowjetischen Militäradministration von 1945 bis 1949 gültig blieben, vor allem die Bodenreform. Und wir erließen ein Gesetz, wonach DDR-Bürger, die ein Haus besaßen, preisgünstig das Grundstück dazuerwerben konnten. Dafür bedanken sich noch heute Leute, weil sie sonst nie ihre Häuser behalten hätten.

Der 8. Mai des nächsten Jahres ist der 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Was wäre Ihrer Meinung nach eine würdige, anständige Form für die Deutschen und Deutschland, diesen Tag zu begehen?

Erstens wäre es angesagt, diesen Tag zum Feiertag zu erklären. Zweitens sollten die Denkmale für die Sowjetsoldaten, die Symbole des Sieges über den Faschismus erhalten bleiben. Sie dürfen nicht beseitigt werden, wie es jetzt auch das Europaparlament befürwortet, weil sie angeblich Symbole des Totalitarismus sind. Und drittens könnten alle vier Siegermächte am 8. Mai in Berlin-Karlshorst, wo Deutschland 1945 die Kapitulation unterschrieb, erklären, dass es in Europa nie wieder Faschismus und Krieg geben darf.

Das ist doch eine dringend nötige Ansage. Eine Ansage, die bis nach Ungarn klingen würde, bis nach Österreich, wo Rechte in der Regierung sind oder waren, auch nach Deutschland. Denn ansonsten, das ist meine Befürchtung, gehen alle Balancen verloren. Was lernen denn dann die Kinder in der Schule über diese Zeit vor 75 Jahren? Bei mir sind es dann schon die Urenkel. Welches geschichtliche Bild und welches Erbe wird ihnen denn dann weitergegeben?

Wäre der 75. Jahrestag der Befreiung nicht eine Gelegenheit für die deutsche Politik, über ihr Verhältnis zu Russland nachzudenken?

Das ist für mich der Kernanspruch: Es muss Schluss sein damit, dass NATO-Truppen an der russischen Grenze stehen und dort Manöver abhalten. Es muss Schluss damit sein, dass wir das Feindbild des Kalten Krieges wieder aufnehmen für einen heißen Krieg.

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