Adbusting gegen Bundeswehr: Plakate gegen das Sterben

Marten Brehmer zur Verballhornung der Werbekampagne der deutschen Armee

Ausgetauschte Plakate am Potsdamer Platz
Ausgetauschte Plakate am Potsdamer Platz

Mit einer sogenannten Adbusting-Aktion haben Aktivisten gegen das Bundeswehr-Gelöbnis vor dem Abgeordnetenhaus protestiert. Sie tauschten rund um das Landesparlament mehrere Plakate in Werbevitrinen gegen bundeswehrkritische Motive aus. »Jeder Tote ist ein kleiner Schritt zum Weltfrieden«, heißt es auf einem der ausgetauschten Plakate, »Ausbeutung gewaltsam verteidigen« auf einem anderen. Beide hängen an Bushaltestellen am Potsdamer Platz. Insgesamt seien laut Angaben der »Antimiltaristischen Kommunikationsguerilla Geblöbnix 2.0.«, die sich zu der Aktion bekannte, an 30 Orten Plakate ausgetauscht worden. Die Gestaltung der Plakate erinnert an die aktuelle Werbekampagne der Bundeswehr mit Motiven in charakteristischem Flecktarn.

Am Mittwochabend sollten 29 Rekruten des Wachbataillons des Bundesverteidiungsministeriums vor dem Abgeordnetenhaus vereidigt werden. Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, hatte dazu eingeladen. Auch Vertreter von den Fraktionen der CDU, der SPD, der Grünen und der AfD hatten ihr Kommen angekündigt. Carsten Schatz, Vorsitzender der Linksfraktion, warnte dagegen vor einer »Remilitarisierung der Gesellschaft« und kündigte an, dass seine Fraktion der Veranstaltung fernbleiben wolle. Solid, die Jugendorganisation der Linkspartei, rief zu einem Gegenprotest auf.

»Gelöbnix 2.0« verweist in einer Pressemitteilung zu der Adbusting-Aktion darauf, dass das Wachbataillon, das etwa Staatsbesuche zeremoniell begleitet, im Jahr 2021 im Fokus eines Nazi-Skandals stand. Durch eine Recherche des »Spiegel« war bekannt geworden, dass sich in dem Bataillon eine rechtsextreme Zelle gebildet habe, die sich selbst »Wolfsrudel« nannte – schon der Name verweist auf eine Organisationseinheit der »Werwolf«-Gruppe, einer NS-Terrororganisation, die zum Kriegsende von der SS ausgebildet wurde, um Anschläge in von den Alliierten besetzten Teilen Deutschlands durchzuführen.

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Angehörige des »Wolfsrudels« sollen Soldaten mit Migrationshintergrund rassistisch beleidigt haben und sich für demütigende Aufnahmerituale verantwortlich gezeigt haben. Ihre Gesinnung zeigten sie scheinbar offen: So soll ein Soldat des Wachbataillons sich in der Kaserne mit einem T-Shirt gezeigt haben, auf dem ein abgewandeltes Hakenkreuz und die Aufschrift »Sonnenstudio 88« abgebildet war. Gegen mehrere Dutzend Mannschaftsdienstgrade und vereinzelt auch Offiziere wurden daraufhin Ermittlungen aufgenommen, die allerdings nach einem Jahr wieder eingestellt wurden.

Der Fall zeige, dass die Bundeswehr keine demokratische Armee sei, sagte ein Gelöbnix-Sprecher, der sich »Boris Pistolenschuss« nennt. »Statt diesen Laden weiter aufzurüsten, sollte der Wehretat lieber in den Schutz des Klimas investiert werden.«

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