Ausgabe vom 23.06.2009

Seite 1

Unten links

Leider hat Franz Müntefering wenig Zeit und wird die Casting-Show verpasst haben, in der der nächste Bundeskanzler bestimmt wurde. Das ist schade, denn sonst wäre er sicher angetan gewesen. Außer darüber vielleicht, dass der Trend beim Politiker offenbar wieder zum glatten Teint geht. Sieger und künftiger Kanzler wurde ein 18-jähriger Schüler, mit sagenhaften 72,6 Prozent zeigte er sogar Gerhard S...

Vom Job direkt auf Hartz IV

Erfurt (AFP/ND). Jeder fünfte Ostdeutsche, der in den ersten fünf Monaten dieses Jahres seinen Job verlor, ist nach einem Zeitungsbericht direkt aus dem ersten Arbeitsmarkt auf Hartz-IV-Leistungen zurückgefallen. Insgesamt hatten 86 900 Menschen trotz vorheriger Anstellung keinen Anspruch auf die Arbeitslosenversicherung, wie die »Thüringer Allgemeine« am Montag unter Berufung auf Analysen der Bun...

ndPlusIna Beyer

Die Krise des Billiglohnlands

In der Krise der Wirtschaft tritt die Krise des Ostens doppelt deutlich zu Tage. Wenn hier jeder Fünfte vom ersten Arbeitsmarkt direkt auf Hartz IV geht, ist das eine Folge fehlender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Dasselbe Problem haben die fast 40 Prozent auf dem geförderten Arbeitsmarkt, die nun wieder auf Hartz IV sind. Jetzt verschärfen sich noch die Folgen einer verfehlten Arbe...

SPD-Debatte um Rente mit 67

In der SPD gibt es neuen Widerstand gegen die Rente mit 67. Umgehend reagierten die Parteispitzen von SPD und CDU sowie die Bundesregierung – mit Ablehnung.

Seite 2
Rachegelüste sind nicht auf der Höhe der Zeit

Rachegelüste sind nicht auf der Höhe der Zeit

ND: Früher ließen Sie keine Gelegenheit aus, die juristische Aufarbeitung des Berliner Bankenskandals mit öffentlichen Aktionen zu begleiten. Gestern war vor Gericht von Ihnen nichts zu sehen. Grottian: Es ist inzwischen völlig uninteressant geworden, ob Klaus-Rüdiger Landowsky durch ein zweites Verfahren so belastet wird, dass er in den Knast kommt. Sie verspüren nicht mal ein bisschen Genugtuung...

»Judentum heißt plötzlich: Immer Recht haben«

»Judentum heißt plötzlich: Immer Recht haben«

Der 57-jährige Psychologe und Autor (»Israels Irrweg«) war bis 17. Juni Delegierter des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland. Mit Rolf Verleger sprach für ND Susann Witt-Stahl.

Antragsflut stoppt Prozess
ndPlusPeter Kirschey

Antragsflut stoppt Prozess

Zwölf Angeklagte zwischen 49 und 68 Jahren, 25 Verteidiger und vorerst 10 Verhandlungstage bis Ende Juli. Das sind die Koordinaten für den letzten Prozess im Berliner Bankenskandal, bei dem sich ein Dutzend ehemaliger Spitzenmanager und Aufsichtsratsmitglieder wegen Untreue in zwei besonders schweren Fällen verantworten muss. Unter den Beschuldigten auch der ehemalige Fraktionschef der Berliner CD...

Seite 3
ndPlusMarc Engelhardt, Goma

Ein Krieg ohne Fronten

Nördlich von Goma in der Provinz Nord-Kivu der DR Kongo tobt der Bürgerkrieg wieder heftiger. Die vor einem halben Jahr gestartete Militäroperation, die den Frieden bringen sollte, hat das Chaos in der Region allenfalls vergrößert. Hunderttausende sind auf der Flucht.

»Hier ändert sich nichts«
Karin Leukefeld, Beirut

»Hier ändert sich nichts«

»So haben wir uns das nicht vorgestellt, wie konnte das geschehen?« Der junge Mann mit der weißen Strähne in seinem schwarzen Haar spricht leise mit einem Gast, der in seinem Lokal zu Abend isst. Der Tisch ist gefüllt mit Meze, den traditionellen Vorspeisen aus Salaten, Pasten, gefüllten Weinblättern und der Sesampaste Humus, es duftet nach frisch gebackenem Brot, das schneller nachgereicht wird, ...

Seite 4

Kita-Notstand dank Erziehernot

Berlin (AFP/ND). Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen für Erzieherinnen und Erzieher ist es am Montag wieder bundesweit in zahlreichen städtischen Kitas zu Streiks gekommen. Insgesamt legten nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di rund 15 000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft hatte zu Streiks in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachs...

Bürger wollen nicht bewegt sein
Velten Schäfer, Schwerin

Bürger wollen nicht bewegt sein

Enttäuschung für Kohlekraftwerks- und Ferkelfabrik-Gegner: Ihre Kandidaten unterlagen am Sonntag bei Bürgermeister-Stichwahlen im Nordosten. Im Kreis Mecklenburg-Strelitz verfehlte die Linkspartei knapp ihren vierten Landratssessel.

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

»Sachsen-Sumpf« braucht mehr Aufklärung

Die Affäre um den »Sachsen-Sumpf« und Pannen beim Verfassungsschutz im Freistaat soll weiter aufgeklärt werden. Das fordern LINKE und Grüne am Ende eines Untersuchungsgremiums, zu dem es vier Fazits gibt.

Seite 5

Schäuble will Islam gleichstellen

Berlin (epd/ND). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will langfristig den Islam mit den Kirchen gleichstellen. »Mein Ziel ist eine gewisse Gleichstellung des Islam«, sagte der Minister der Berliner »tageszeitung« vom Montag. »Also eine ähnliche Form der Kooperation mit den Muslimen wie mit anderen Religionsgemeinschaften.« Gleichzeitig erklärte Schäuble, dass muslimische Vereine wie der Is...

Grüne genießen Regierungs-Planspiele

Berlin (dpa/AFP/ND). Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat seine Partei vor Gedankenspielen über eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Bundesebene gewarnt. Solche Spekulationen führten nur zu Irritationen beim Wähler. »Schwarz-Grün steht nicht zur Diskussion«, sagte er in der ARD Die FDP wird in dem Entwurf für das Regierungsprogramm, das am Sonntag von den Unionsspitzen abschließend beraten...

CSU lässt sich im Steuerstreit nicht beruhigen

München/Berlin (dpa/ND). Der unionsinterne Konflikt über den Fahrplan für Steuersenkungen droht wenige Tage vor der geplanten Verabschiedung des Wahlprogramms neu aufzubrechen. Die CSU pocht darauf, ein Datum für die geplanten Entlastungen in das gemeinsame Programm aufzunehmen. Die CSU-Position in dieser Frage sei in einer Präsidiumssitzung am Sonntagabend »eindeutig« gewesen, berichteten Sitzung...

ndPlusPeter Liebers

Pflichten, an denen kein Weg vorbei führt?

Die symbolische Übergabe eines Ortsschildes der kleinen thüringischen Gemeinde Trusetal durch Bürgermeister Karl Koch (LINKE) bei der Verabschiedung einer Kompanie des 391. Panzergrenadierbataillons zu ihrem Einsatz in Afghanistan sorgt in der Linkspartei für Aufregung.

ndPlusMarkus Bernhardt

Biederkeit und Stimmungsmache

»Pro NRW« gibt sich siegessicher. Die selbsternannte rechtsextreme »Bürgerbewegung« rechnet sich bei den nordrein-westfälischen Kommunalwahlen, die am 30. August stattfinden, gute Chancen aus, in mehrere Rathäuser und Bezirksvertretungen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes einzuziehen.

Seite 6
ndPlusHans-Dieter Schütt

Gleichnis New Orleans

Zocker aller Länder, vereinigt euch – das ist wahre Solidarität! In New Orleans sind jetzt die Pläne präzisiert und bestätigt worden, eine Casino-City zu errichten. Aus den Verwüstungen, die vor Jahren der Wirbelsturm »Katrina« anrichtete, wächst eine Innnenstadt der potenzierten Spiel- und Wettbetriebe. Gleißend wie Las Vegas. Und wenn irgendwann die nächste Flut kommt? Vielleicht schwimmen...

ndPlusGabriele Oertel

Alle sind (sich nicht) grün

Dass Grün in ist, konnte man nicht nur auf dem Parteitag der LINKEN beobachten. Die Union versieht gerade ihr Wahlprogramm mit einem grünen Anstrich. Bei den Sozialdemokraten wird an einem sozial-ökologischen New Deal gebastelt. Da können die Bündnisgrünen noch so laut »Haltet die Produktpiraten« schreien – das Alleinstellungsmerkmal ist hin, mit dem es im Zweifelsfall die Partei mit den Urh...

Olaf Standke

Strategiewechsel

Es ist wohl die Zeit der Eingeständnisse in Sachen Afghanistan. Erst hat jetzt nach langem Zögern das US-amerikanische Militär eingeräumt, dass durch Fehler bei einem Luftangriff in Afghanistan »wahrscheinlich« 26 Zivilisten getötet wurden. Eine Untersuchung habe ergeben, dass bei dem Einsatz eines Kampfbombers Anfang Mai nicht alle Vorgaben befolgt wurden. Und der NATO-Oberkommandierende am Hindu...

Ralf Klingsieck

Autokarriere

Philippe Varin, der Anfang Juni das Steuer des nach VW zweitgrößten europäischen Autokonzerns PSA übernommen hat, will der Krise mit neuen und kühnen Schritten entgegentreten. Als er vor wenigen Tagen Woche seine Führungsmannschaft vorstellte, gab es erstmals in der PSA-Geschichte nur noch einen Mann für die zwei Marken Peugeot und Citroën – Jean-Marc Gales. Der 1962 geborene Luxemburger hat...

Heute beliebt. Und morgen?
Brigitte Zimmermann

Heute beliebt. Und morgen?

Mit der Beliebtheit von Politikern ist es so eine Sache. Bei der Tragweite der Entscheidungen, die ihnen obliegen oder obliegen müssten, dürfte der Wunsch nach Starruhm eigentlich kein Kriterium sein. Deshalb werden sie ja für mitunter sehr lange vier oder fünf Jahre gewählt, damit Raum bleibt, auch Unpopuläres durchzusetzen. So war es jedenfalls gedacht. Aber unterdessen wird jede Woche an einflu...

Seite 7
Seite 8

Kritik an Asylpolitik der EU

Brüssel (ND). Angesichts des Andrangs von Bootsflüchtlingen an den Mittelmeerküsten wollen die EU-Staaten mehr gegen die illegale Einwanderung tun. Die jüngsten Ereignisse in Zypern, Griechenland, Italien und Malta zeigten, dass größere Anstrengungen nötig seien, erklärte der Brüsseler EU-Gipfel am Freitag. Die Teilnehmer vereinbarten u.a., die EU-Grenzschutzagentur Frontex weiter zu stärken. Auße...

Großer Andrang am östlichsten Fenster der EU

Großer Andrang am östlichsten Fenster der EU

Zählt man die legalen und illegalen Einwanderer zusammen, stellen sie heute etwa 20 Prozent der Bevölkerung der Republik Zypern im Süden der Mittelmeerinsel – was die Regierung vor einige Probleme stelle, so Innenminster Neoklis Sylikiotis von der linken AKEL. Mit ihm sprach in Nikosia Christiane Sternberg.

Karin Leukefeld, Nikosia

Rastlos in der neuen Heimat Zypern

»Wenn ich hier am Meer stehe und auf die Wellen blicke denke ich, dass dieses Meer bis an den Strand von Gaza reicht«, sagt Lamia S. und ihre Augen strahlen durch ihre schlichte Brille. »Darum fühle ich mich auf Zypern wie zu Hause«, erzählt die Palästinenserin weiter. Die Menschen hätten sie freundlich aufgenommen, als sie 1991 nach der irakischen Invasion aus Kuwait fliehen mussten und mit anderen palästinensischen Familien auf der Mittelmeerinsel ankamen.

Seite 9
ndPlusHans-Dieter Schütt

Ein Anprall

Man könnte gefangen genommen werden von der Lust der Versteinerung. Als sei, Stein zu werden, ein großes gutes Versprechen auf Zukunft: Was bleibt, stiften die Sammler, Archäologen und Restauratoren. Ich sehe die Bilder des grandiosen Athener Akropolis-Museums von Bernard Tschumi nur als Datenübertragung, aber aus den Fotos (siehe Printausgabe/E-Paper) überträgt sich ein Zauber. Nachts werden Proj...

Jochen Fischer

Rügen in Piratenhand

Da unkten am vergangenen Sonnabend die Wetterfrösche auf allen Sendern und Kanälen, dass es ab nachmittags regnen würde. Tatsächlich jedoch präsentierte sich Europas größte Freilichtbühne in Ralswiek auf Rügen, unmittelbar am Großen Jasmunder Bodden gelegen, unter strahlend blauen Himmel. Und die über 8 000 Premierengäste erlebten nun schon den 17. Jahrgang Theater aus einer Mischung aus Fiktion u...

Jeden trifft es irgendwann
Volkmar Draeger

Jeden trifft es irgendwann

Zur Eröffnung des Jubiläums boten die 30. Geraer Ballett-Tage keinen Geringeren als Igor Strawinsky auf. Choreografien zu zwei seiner Jahrhundert-Kompositionen bündelte der Auftaktabend dessen, was 1976 unter Ballettchefin Inge Berg-Peters in noch bescheidenem Umfang begann und sich innerhalb von – wer hätte das damals geglaubt? – drei Dezennien zum Internationalen Tanzfestival Thüring...

Seite 10

Schön spröde

Es ist still um sie geworden. Aber am Sonntag konnte man sie noch einmal sehen – an der Seite von Manfred Krug im DEFA-Film »Mir nach, Canaillen«. Monika Woytowicz (Foto: Archiv), 1944 in Barth geboren, genoss Popularität in der DDR. Sie bestach mit einem schnippischen, selbstbewussten Charme; dem anklingenden norddeutsch Spröden und Verhaltenen gewann sie stets eine kluge, aufstörende List ...

Rudolf Stumberger

Die neue Wahlverwandtschaft

Manchmal gibt es Texte, die ratlos machen können. Da liegt das Buch, es ist Samstag, die Uhr tickt, draußen regnet’s. Stille. Eine Möglichkeit weniger qualvoller Annäherung wäre – Satire: Es war eine schwere Kindheit, die Villenviertel-Jan durchleben musste. Keine Cola, kein Hamburger, keine Orangen. Aber dann geht einem auch schon die Puste aus, was konsequenterweise dem Niveau von Ja...

Seite 11

Karstadt: Konkurrent für Metro

Essen (dpa/ND). Der Shopping-Center-Betreiber Mfi ist an 20 Karstadt-Warenhäusern interessiert. »Wir halten 20 der 91 Warenhausstandorte für umbaufähig und werden deshalb für sie bieten«, sagte Vorstandschef Matthias Böning dem »Handelsblatt«. Sobald das Insolvenzverfahren über die Konzernmutter Arcandor eröffnet sei, werde man sich um eine Übernahme bemühen. Bislang hätten die Vermieter wegen der...

Greenpeace warnt vor Uralt-AKW

Nordenham (dpa/ND). Greenpeace-Aktivisten haben am frühen Montagmorgen eine Protestaktion vor dem Kernkraftwerk Unterweser begonnen. Wie Greenpeace-Sprecherin Karoline Krenzien sagte, waren am Vormittag noch 22 Aktivisten auf der Kuppel des Reaktors. Sie hätten ein Banner entrollt mit der Aufschrift »Atomkraft schadet Deutschland«, einen Totenkopf aufgemalt und eine Fahne gehisst. Wie lange der Pr...

ndPlusMartin Sommer, Saarbrücken

Risiko mit Nano-Produkten

Die Nanotechnologiebranche boomt, die Umsätze steigen. Wie aber wird sie sich weiter entwickeln? Und ist alles erlaubt, was Fortschritt verspricht? Eine internationale Tagung in Saarbrücken suchte nach Antworten.

Seite 12

EU will Regeln für »Klonfleisch«

Luxemburg (AFP/ND). Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat umstrittene EU-Pläne zur Zulassung von sogenanntem Klonfleisch verteidigt. »Der Vorschlag, den wir einbringen, ist eine Verschärfung geltenden Rechts«, sagte Aigner am Montag am Rande eines EU-Landwirtschaftsministertreffens in Luxemburg. Die EU-Staaten wollten am Montag erstmals Regeln für die Zulassung des Fleischs der Nac...

Christian Klemm

Den großen Knall mit vorbereitet

Das neue Wirtschaftsinfo »Bilanz der Großen Koalition 2005 bis 2009« des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) räumt mit der Vorstellung auf, dass die Krise nur auf Finanzmarktspekulationen zurückzuführen ist. Vielmehr trage die Bundesregierung eine Mitschuld an der derzeitigen Rezession in Deutschland.

ndPlusRalf Streck, Madrid

Notfalllösung oder Verhütung?

Mit zwei gesundheits- und familienpolitischen Vorhaben hat sich die sozialistische Regierung in Madrid den Ärger konservativer Kräfte zugezogen.

ndPlusJohn Dyer, Boston

Der amerikanische Albtraum

Mehr als 20 Prozent der amerikanischen Hausbesitzer haben Hypotheken, die höher sind als der Wert ihres Hauses. In den USA nennt man so etwas »Unterwasser«-Häuser. Mehr als 2,1 Millionen Amerikaner werden in diesem Jahr ihr Haus verlieren.

Seite 13

Nord-Süd - Tipps

HEUTE IN BERLIN – »20 Jahre entwicklungspolitische Arbeit in den Neuen Bundesländern – 15 Jahre Stiftung Nord-Süd-Brücken«, 23. Juni, ab 14 Uhr »Was bewegt und bewirkt entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Ostdeutschland?« und »Ist der Osten entwicklungspolitisch abgekoppelt?« Haus der Demokratie, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin.AFRIKA – »Krise der Politik – Politik ...

Harald Neuber

Diplomatie der Völker

Nach Kuba weckt auch Venezuela zunehmend das Interesse von Solidaritätsaktivisten aus Europa. Rund 120 Personen kamen von Freitag bis Samstag in den Räumen des Internationalen Forschungs- und Bildungsinstituts in Amsterdam zusammen, um die künftige Zusammenarbeit der Venezuela-Solidarität zu besprechen. Eingeladen zu dem Treffen hatte das Außenministerium in Caracas. Der Vizeaußenminister für Euro...

Von Netzen, Fäden und Leinen
ndPlusUwe Prüfer

Von Netzen, Fäden und Leinen

Sie haben inzwischen ihre feinen Netze gesponnen, die entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen in Ostdeutschland. Auch wenn diese Verbindungen in der Öffentlichkeit nicht so sichtbar sind. Dem Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure in der Entwicklungspolitik haftet nach dem Ende offizieller Solidarität hierzulande – individuell ist es damit sehr differenziert weitergegangen ...

ndPlusTobias Lambert

Ausgelagerte Repression

Der Autor und Kolumbien-Experte Raul Zelik mischt sich mit seinem neuen Buch »Die kolumbianischen Paramilitärs« in die Debatte um »Neue Kriege« und gescheiterte Staaten anhand des Beispiels Kolumbien ein.

»In Afrika hungert mehr als jeder Vierte«

»In Afrika hungert mehr als jeder Vierte«

Hüseyin Aydin ist seit 2005 für DIE LINKE Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages. Sein besonderes Augenmerk gilt dem afrikanischen Kontinent. Er hat auch die Konferenz »Krise der Politik – Politik der Krise in Afrika. Bedingungen und Perspektiven emanzipatorischer Politik in Afrika« mitorganisiert, die die Bundestagsfraktion DIE LINKE unter Mitwirkung der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 27. Juni in Berlin durchführt. Mit ihm sprach für ND Martin Ling.

Seite 14

Salz und Schwarzdorn für die Lunge

Das um 1901 errichtete Mittelhaus im Gradierwerk Bad Salzungen ist nicht nur ein architektonisches Kleinod unmittelbar an der Werra, sondern bietet eine Vielfalt von Inhalationsmöglichkeiten unter Verwendung der Bad Salzunger Sole. Der architektonisch einmalige Mittelbau zwischen den beiden je 80 Meter langen Gradierwerken, von denen das eine etwa 200, das andere rund 100 Jahre alt ist, wurde kurz...

Die Rezension - Schwerer Brocken
Silvia Ottow

Die Rezension - Schwerer Brocken

Nein, das ist kein Kochbuch. Culina Asia ist ein sorgfältig komponiertes Kompendium der thailändischen, indischen und chinesischen Küche, das sich nicht nur auf Rezepte beschränkt. Es betrachtet viel mehr die Essgewohnheiten der Menschen in den einzelnen Regionen der drei Länder, schildert darüber hinaus Lebensweisen, Naturschönheiten und die Verfahren zur Herstellung der Nahrungsmittel – be...

Martin Koch

Spiel mit der Angst

An Berichten über die sogenannte Schweinegrippe herrscht seit Wochen in Deutschland kein Mangel. Mal ist von einer »Todesseuche« die Rede, dann wieder heißt es, die Krankheit verlaufe milder als erwartet. Doch welche Gefahr birgt das H1N1-Virus wirklich? Ein Blick auf ein nicht nur medizinisches Phänomen.

Seite 15

»Meine Zeit ist gekommen«

Von Andreas Hardt (SID), LondonDer Druck wächst. Einen Tag vor dem ersten Auftritt von Andy Murray heute auf dem Centre Court in Wimbledon gegen den Amerikaner Robert Kendrick überschlugen sich die britischen Zeitungen geradezu. »Murray's Moment« erwartet »The Daily Telegraph«. »Meine Zeit ist gekommen«, behauptet der 22-Jährige in der »Times«, und im »Guardian« erklären fünf Altstars: »Murray hat...

ndPlusJürgen Holz

Die Wende kam am zweiten Tag

Bisweilen geschehen auch in der deutschen Leichtathletik noch Wunder. Denn wohl nur die kühnsten Optimisten hätten der DLV-Mannschaft bei der Premiere der Team-EM, die den bisherigen Europacup der Männer und Frauen ablöst, den Titel zugetraut. Aber am Ende gewann die deutschen Athleten in Leiria (Portugal) vor Russland und Großbritannien.Nach dem ersten Tag, als 21 der insgesamt 40 Entscheidungen ...

ndPlusRonny Blaschke, Pretoria

Signore Lippi und elf Mumien

Signore Lippi schleppte sich aufs Podium, sparsame Mimik, verächtlicher Blick, und musterte die Runde. Ein halbe Drehung, der Blick von links nach rechts wie ein Lehrer, der seine Klasse nach Unruhestiftern absucht. Die erste Frage verlief glatt, gefolgt von einer höflichen Antwort, die zweite genauso. Bei der dritten wurde es heikel. »Junge Spieler, junge Spieler, immer junge Spieler«, knurrte Li...

Seite 16
ND-Wanderer tourt durch die Schweiz

ND-Wanderer tourt durch die Schweiz

Er gewann das Rennen um den »ND-Wanderer 2009«, besser gesagt, den ND-Leserwettbewerb um die Teilnahme an der »Wanderrallye 2009«. Die führt Mario Schmidt, 37-jähriger Physiotherapeut aus Merseburg, nun zusammen mit mehreren Gleichgesinnten, die von anderen Medien ausgewählt wurden, zwei Wochen durch Alpenregionen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Italien. Was er dabei erlebt, wird er uns in den nächsten Tagen berichten. Wer seine Erlebnisse dann am besten in Worte und Fotos fasst, wird mit einem Reisescheck belohnt – in eine Wanderregion seiner Wahl.

Seite 17

Befangen

Es ist nicht überraschend, dass der letzte große Prozess zur Berliner Bankenaffäre mit dem Vorwurf der Befangenheit begann. Voreingenommen dürfen Richter nicht sein, der Betrachter ist es zumeist doch. Gerade in diesem Falle. Denn im Zeichen der längst von Berlin gegangenen Bankgesellschaft ist zu viel geschehen, als dass Gleichgültigkeit glaubhaft gemacht werden könnte. Vor dem Hintergrund verspr...

Geld für Bibliothek und Kunsthalle

Geld für Bibliothek und Kunsthalle

(ND). In den kommenden zwei Jahren muss Berlin insgesamt rund 5,5 Milliarden Euro neue Schulden machen. Die Netto-Kreditaufnahme wird 2010 bei 2,75 Milliarden Euro liegen, im Jahr darauf bei 2,78 Milliarden. Das teilte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gestern nach der Senatsklausur zum Doppelhaushalt der beiden Jahre mit. Der Etat wird insgesamt jeweils rund 22 Milliarden Euro bet...

ndPlusJörg Meyer

Von Kräftemessen und Straftatverhinderung

Die Sitzung des Innenausschusses am Montag stand ganz im Zeichen der Gewalt. Der erste Tagesordnungspunkt drehte sich um die von der autonomen Szene veranstalteten »Action Weeks« gegen Gentrifizierung und Stadtumstrukturierung und besonders deren Abschluss, die versuchte Besetzung des Tempelhofer Flugfeldes.Innensenator Ehrhart Körting (SPD) nannte den Polizeieinsatz am Samstag erfolgreich und »gu...

Seite 18

Lexikon zum Jubiläum

(ND). Zum 800. Geburtstag erhält der Bezirk sein eigenes Lexikon. Nach »Mitte« (2001), »Friedrichshain-Kreuzberg« (2003) und »Charlottenburg-Wilmersdorf« im Jahr 2005 erscheint mit »Treptow-Köpenick« der vierte Band einer Reihe von Lexika für die neuen Großbezirke, die von einem Team von Berlin-Historikern erstellt werden. Mit Erläuterungen zu mehr als 3500 Stichwörtern wird ein umfassender Überbl...

Sonderbare Vergabe am Oberbaum
Jana Findeisen

Sonderbare Vergabe am Oberbaum

Ralph Borchert steht vor seinem neuen Grundstück an der Oberbaum-Brücke und sieht zu, wie zwei seiner Mitstreiter das riesige Plakat abmontieren. »Berliner, in welcher Stadt wollt ihr leben?« stand da in großen Lettern. Gemeint war der Verkauf des Grundstücks und das geplante Hotel. Jetzt hat der Wind das Plakat gelöst, wie auf Zuruf. Überraschend hat Ralph Borchert das Tauziehen um das »Oberbaum-...

Seite 19
Die Firma bestimmt das Bewusstsein
Robert Meyer

Die Firma bestimmt das Bewusstsein

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Diese alte Volksweisheit kann mitunter zum Prinzip herhalten, um Mitarbeiter einer Firma in einer harten Konkurrenzsituation zu halten. Mit »Unter der Gürtellinie« zeigt das Theater unterm Dach ein Stück nach der Vorlage des US-Autors Richard Dresser, dessen drei Protagonisten versuchen, sich in einer Firma zu behaupten. Die Inszenierung von Ingrun A...

Der Charakter kommt durch
ndPlusLucía Tirado

Der Charakter kommt durch

Es gibt Theater, die haben viele Väter. Andere haben Mütter. Das Hexenkessel-Hoftheater hat dazu einen Schwager. Michael Schwager, seit 2002 Schauspieler im Ensemble, 1,91 Meter hoch. Wer sagt, in Berlin laufe man mit hängenden Schultern herum, dem ist dieser Schwager noch nicht begegnet. Mit »Der Widerspenstigen Zähmung« stieg er ein in die Arbeit des vor allem auf Shakespeares Werke ausgerichtet...

Seite 20
Wilfried Neiße

»Mehr Frust als Aufklärung«

Das neue Verbraucherinformationsgesetz hat den Praxistest in Brandenburg offenbar nicht bestanden. Diese Möglichkeit wird kaum genutzt, muss die Landesregierung zugeben. Für die Linkspartei ist das alles kein Wunder. Mit dem Verbraucherinformationsgesetz, das seit über einem Jahr auch in Brandenburg gilt, soll der Informationsfluss über Lebensmittel verbessert werden. Wie Umweltminister Dietmar Wo...

ndPlusAndreas Fritsche

Alles, was Recht ist, gegen das Bombodrom

Die Uhrzeit des Pressetermins und der Redaktionsschluss des ND brachten es mit sich: Ich musste meinen Sohn mittags aus dem Kindergarten abholen und mitnehmen in die Rechtsanwaltskanzlei Geulen & Klinger. Die Kanzlei vertritt seit 1994 Gegner des geplanten Luft-Boden-Schießplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide. Benedikt Schirge von der Bürgerinitiative Freie Heide lud ein in die Büros der Anwäl...