Ausgabe vom 06.09.2008

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Unten links

Die Harvard Medical School hat die Ergebnisse einer seltsamen Langzeitstudie veröffentlicht. Tests im Laufe von zehn Jahren ergaben: Fürbitten für Menschen, denen eine Bypass-Operation bevorstand, wirkten sich nicht automatisch positiv auf die Patienten aus. Sie sorgten sogar für mehr Komplikationen als bei denen, die ohne religiöse Anrufungen unters Messer schritten. Fragen über Fragen: Erhöht es...

Verbündete unterstützen Russland

Von mehreren einstigen Sowjetrepubliken erhielt Russland bei einem Treffen in Moskau Rückhalt für seine Kaukasus-Politik. In Lissabon warnte US-Außenministerin Rice Moskau vor einer Isolation, während die USA in Kiew der Ukraine die NATO-Mitgliedschaft zusicherten.

ndPlusNissrine Messaoudi

Kein Schutz vor Anschlägen auf AKW

Kurz vor dem siebten Jahrestag des Anschlags auf das World-Trade-Center in New York hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Freitag in Berlin vor den unverändert hohen Terrorrisiken bei deutschen Atomkraftwerken gewarnt und die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke gefordert.

Koch weg, Hessen vorn
Willi van Ooyen

Koch weg, Hessen vorn

»Hessen vorn« – so lautete einst ein sozialdemokratisches Motto. Nicht nur das. Hessen war in der Zeit des legendären Ministerpräsidenten Georg August Zinn wirklich vorn. Beispielhaft wurden hier soziale und demokratische Aufgaben gelöst und dabei wurde auch Einfluss auf bundesweite Entscheidungen genommen. Seit mit Schröders Agenda- und Kriegskurs sozialdemokratische Politik unter die Räder...

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»Ich bin keine Ikone«

Ende der 80er Jahre begann Marianne Buggenhagen mit dem Leistungssport. Da war sie Mitte 30, Krankenschwester und schon mehr als zehn Jahre auf den Rollstuhl angewiesen. Der Sport hat ihr geholfen – bei der Rehabilitation, als praktische Lebenshilfe, als Herausforderung. Was sie dort erreichte, ist mehr, als die Zahlen sagen, mehr als 8 Mal Paralympics-Gold, 16 Mal Welt-, 5 Mal Europameisterin, Sportlerin des Jahres 1994: Sie wurde Ausnahmeathletin und Ausnahmepersönlichkeit. In Peking tritt die Bernauerin, nun 55 Jahre alt, bei ihren fünften Paralympics mit Kugel, Diskus und Speer an.

Klaus Weise

Ganz normal anders

Dass es heute im Nationalstadion von Peking eine grandiose Eröffnungsfeier der XIII. Sommer-Paralympics zu erleben gibt, ist nicht schwer vorauszusagen, nach all dem Glanz zuvor bei den Spielen der »Fußgänger« (so nennen die behinderten Athleten die Sportler ohne Handicaps). Sir Philip Craven, einst Rollstuhlbasketballer und jetzt Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), sprich...

Anna Guhl, Peking

China lernt barrierefreies Denken

Gut zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Sommerspiele werden heute im Pekinger »Vogelnest« die Paralympischen Sommerspiele eröffnet. Gastgeber China geht in allen Sportarten mit 332 Athleten an den Start. Als China vor sieben den Zuschlag für Olympia erhielt, war damit auch die Ausrichtung der Paralympischen Spiele verbunden. Vielen Beobachtern vor Ort schien das als beinahe noch größere Herausforderung als die Vorbereitung von Olympia, weil sich bis dahin weder Peking noch die chinesische Gesellschaft behindertenfreundlich gezeigt hatten.

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Nur Wasser und Traubenzucker
Andreas Knobloch, Barcelona

Nur Wasser und Traubenzucker

Die Strafobergrenze von 20 Jahren hat er erreicht: Amadeu Casellas, Kataloniens am längsten einsitzender politischer Gefangener. Dennoch wird ihm der Übergang in den offenen Vollzug verweigert. Amadeu Casellas befindet sich deshalb seit mehr als zwei Monaten im Hungerstreik.

Der Schill-Virus tut noch sein Werk
ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

Der Schill-Virus tut noch sein Werk

Gewalttätige Übergriffe gegen friedliche Demonstranten, Einschränkung der Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit – das sind einige der Vorwürfe, mit denen sich die Polizeiführung und der schwarz-grüne Senat nach dem Klima- und Antirassismuscamp in der Hansestadt noch heute auseinanderzusetzen haben.

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ndPlusJürgen Amendt

Bildungsunkundige

Hildegard von Bingen war eine gebildete Frau, vor allem in der Kräuterkunde konnte ihr kaum jemand etwas vormachen. Bei unserer Bundeskanzlerin verhält sich das ein wenig anders. Auch sie ist gebildet, doch mit dem Grünzeug kennt sie sich nicht so aus, hat sie doch bei ihrem gestrigen Besuch eines Bildungswerks in Berlin-Kreuzberg Rosmarin für Lavendel gehalten und musste gar die Peinlichkeit über...

ndPlusSteffen Schmidt

Innere Sicherheit

Die Bundesregierung wird nicht müde, sich für ihre Bemühungen um mehr Sicherheit vor Terroranschlägen zu preisen. Biometrische Ausweise, Datenbanken mit allen möglichen persönlichen Informationen, eine neue Personenkennzahl durch die Hintertür des Steuerrechts – all das soll angeblich nur zu unserem Besten, zum Schutze unseres Lebens sein. Doch die Tatkraft der Regierung wird merkwürdig gebr...

Peter Kirschey

Schurke bleibt Schurke

Der gemeine Schurke ist ein Gauner, Gangster, Verbrecher, Betrüger, ein wahrer Teufel, der nur Verderben bringt und die Welt ins Unglück stürzen will. Er vereint in sich alles Böse dieser Erde. Es gibt viele Synonyme für einen Schurken. Und Schurkenstaat bleibt Schurkenstaat, so einfach ist die US-amerikanische Logik. Obwohl die KDVR in den zurückliegenden Monaten viele Vorleistungen erbracht, für...

Kanzelredner
Klaus Joachim Herrmann

Kanzelredner

Die Vorstellung, Friedbert Pflüger würde jetzt nach Art der Erzengel die Berliner CDU mit dem Flammenschwert auf Kurs zwingen, wäre verfehlt. Der Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus ist der pastorale Typ. Ihm dürfte just in Berlin-Schöneberg der Auftritt in der Zwölf-Apostel-Kirche mehr gelegen haben als die Feldschlacht. Von der »Politikerkanzel« kündete der Christdemokrat mit dem neu erwach...

Wie schützt man Flüchtlinge?

Wie schützt man Flüchtlinge?

ND: Welches Motiv bewegt Sie zu Ihrem Menschenrechtsengagement in Griechenland? Tzeferakou: Wir, die Gruppe der Anwälte für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten und die Solidaritätsgruppen auf den ostägäischen Inseln sind der Meinung, dass Flüchtlinge in Griechenland, aber auch im restlichen Europa, eine besonders schutzbedürftige Gruppe darstellen. Sie sind Opfer schwerer Menschenrechtsverle...

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Caritas: Weniger Hartz IV geht an Realität vorbei

Berlin (epd/ND). An der Realität vorbei gehen nach Auffassung des Deutschen Caritasverbandes die Vorschläge von Wirtschaftswissenschaftlern, die Hartz-IV-Sätze abzusenken. »Wer solche Berechnungen anstellt, kennt den Alltag von Menschen nicht, die Hartz IV bekommen«, erklärte Caritaspräsident Peter Neher am Freitag in Berlin. Er reagierte damit auf Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz, die 1...

Hendrik Lasch, Dresden

Sammeln für die Rente mit 60

Mit einer Petition an den Bundestag will die LINKE die Rente mit 67 stoppen. Beim »Tag der Sachsen« beginnt die Unterschriftensammlung für die Kampagne, die künftig einen Renteneintritt mit 60 Jahren anstrebt.

Gabriele Oertel

Wahlkampf für Pendler

Zum Wahlkampfauftakt der CSU in Bayern hat CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel der kleinen Schwesterpartei viel Lobendes ins Stammbuch geschrieben. Nur den größten Wunsch für einen zünftigen Wahlkampf hat sie den Christsozialen am Donnerstagabend wieder nicht erfüllt.

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ndPlusUwe Kalbe

K-Frage: Die nach dem Kurs der SPD

Es ist lediglich ein informelles Gremium, das am Sonntag zur Klausur zusammentrifft, um die nächsten Schritte der SPD vor dem Superwahljahr 2009 zu erörtern. Die Exklusivität des Gremium sorgt jedoch dafür, dass man mit Vorentscheidungen rechnen kann.

Velten Schäfer, Schwerin

Greifswalds Bürgermeister unter Druck

Schwere See für Greifswalds Bürgermeister Arthur König. Der potenzielle Käufer der kommunalen Wohnbaugesellschaft teilt die Zweifel der Opposition an der Rechtmäßigkeit der entscheidenden Bürgerschaftssitzung. Gleichzeitig wird in der eigenen Partei Kritik am Greifswalder Umgang mit der Schelsky-Affäre laut.

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Nordkorea weiter zum Dialog mit Seoul bereit

Pjöngjang (dpa/ND). Nordkorea hat seine prinzipielle Bereitschaft zum Dialog mit Südkorea bekräftigt, die Wiederaufnahme der auf Eis liegenden Versöhnungsgespräche jedoch vom Verhalten der Regierung in Seoul abhängig gemacht. Das protokollarische Staatsoberhaupt, Kim Yong Nam, beschuldigte am Freitag den südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak, über die Aussöhnungsbemühungen der vergangenen zehn...

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Julian Bartosz, Wroclaw

»Männergespräche« mit Lawrow in Polen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird in der kommenden Woche zu Gesprächen mit seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski und Premier Donald Tusk nach Warschau kommen. Falls Lawrow an einem Treffen mit Präsident Lech

ndPlusJan Keetman, Istanbul

Fußballdiplomatie in Jerewan

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül reist heute anlässlich des WM-Qualifikationsspiels der Türkei gegen Armenien erstmals nach Jerewan. Die türkische Opposition kritisiert die Reise ebenso wie einige Politiker aus Aserbaidshan, das mit Armenien wegen des Streits um die Enklave Berg-Karabach verfeindet ist.

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Feldbefreier verurteilt

Gießen (ND-Herrmann). Zwei Gentechnik-Gegner sind gestern in Gießen zu Freiheitsstrafen von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Laut Anklage hatten die Öko-Aktivisten am Pfingstfreitag 2006 ein Versuchsfeld der Uni Gießen mit transgener Gerste teilweise zerstört und dabei einen Schaden von rund 55 000€ Euro angerichtet. Das Urteil vor dem Gießener Amtsgericht wurde von Richter Dr...

Michael Scheuermann

Bienensterben noch nicht gebannt

Mehr als 700 Imker, die im Frühjahr 11 500 Bienenvölker mit geschätzten 330 Millionen Bienen durch Pestizideinsatz verloren haben, wurden jetzt entschädigt – doch in viel zu geringem Umfang, wie sie kritisieren. Und der nächste Gifteinsatz steht bevor.

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Turbulenter DEL-Start

Der Auftakt der 15. Saison in der Deutschen Eishockey-Liga vor 12 000 Zuschauern in der Köln-Arena war turbulent: ein knapper 2:1 (1:0, 0:0, 1:1)-Sieg des Meisters und Titelfavoriten Eisbären Berlin beim Vizemeister Kölner Haie, Toptorhüterleistungen und ein folgenschwerer Ausraster des Berliner Nationalspielers Sven Felski, der sich nach Kopfstoß gegen Bryan Adams (53.) eine Matchstrafe einhandel...

ndPlusAlexander Ludewig

WM-Qualifikation

An diesem Wochenende beginnt in Europa die Qualifikation zur FIFA-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Alle 53 UEFA-Landesverbände haben gemeldet und ermitteln bis Oktober 2009 in neun Gruppen 13 WM-Starter. Die verbleibenden 18 Plätze, Gastgeber Südafrika ist automatisch qualifiziert, verteilen sich auf die Kontinentalverbände von Afrika (CAF), Asien (AFC), Nord-, Mittelamerika und Karibik (CONCA...

»Bescheidenheit ist erlernbar«

Nur 160 Quadratkilometer misst das Fürstentum Liechtenstein, dessen Auswahl der erste Gegner der deutschen Fußballer in der Qualifikation für die WM 2010 ist – heute Abend um 20.45 Uhr im Rheinpark-Stadion von Vaduz. Der Bevölkerungszahl 35 364 entsprechend hat der liechtensteinische Fußballverband nur 1700 Mitglieder; seine sieben Vereine bestreiten keine eigene Meisterschaft, sondern spielen in der schweizerischen Liga mit, der FC Vaduz sogar in der höchsten Spielklasse. Der prominenteste Fußballer des Landes ist MARIO FRICK, der in der italienischen Serie A beim AC Siena spielt. Frick ist mit 13 Treffern aus 79 Spielen der Rekordtorschütze des Landes, das erst seit 1982 Länderspiele bestreitet. Vor dem Match gegen die DFB-Elf sprach ND-Mitarbeiter JIRKA GRAHL mit dem 33-jährigen Liechtensteiner Kapitän.

Nur nicht in den Osten
Alexander Ludewig

Nur nicht in den Osten

Heute startet die Frauen-Bundesliga mit dem Eröffnungsspiel des Titelverteidigers 1. FFC Frankfurt in Bad Neuenahr. Am Sonntag ziehen die restlichen zehn Teams nach – darunter die Aufsteigerinnen vom FF USV Jena. Während neben Frankfurt auch die Spielerinnen vom FCR Duisburg, VfL Wolfsburg, FC Bayern und Turbine Potsdam um den Titel kämpfen wollen, hat DFB-Präsident Theo Zwanziger ehrgeizige...

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Ein frommer Wunsch
ndPlusThomas Wieczorek

Ein frommer Wunsch

Geht es nach der Deutschen Fußball-liga (DFL), dürften viele Schauspiellehrer bald arbeitslos werden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert will mit einem Ehrenkodex aller Klubs der Fallsucht und dem bühnenreifen Theater den Garaus machen. Schiedsrichterchef Volker Roth forderte bereits Rot für Schwalbenkönige. Fromme Wünsche für eine Branche, in der es um Milliarden geht und in der Elfmeterbetrug...

»Vom Vater die Liebe zum Schach«

»Vom Vater die Liebe zum Schach«

Elisabeth Pähtz (Foto: Kohlmeyer) ist die Nummer 1 des deutschen Frauenschachs. Die 23-jährige Berlinerin vom SC Kreuzberg gewann zweimal die Jugend-WM und spielte bei fünf Schacholympiaden. Zuletzt spielte sie bei der Frauen-WM in Naltschik, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus. Dort allerdings schied sie bereits nach zwei Runden aus.

Ein Buch zum Zugreifen
ndPlusJürgen Holz

Ein Buch zum Zugreifen

Seit gut einer Woche ist »Unser Olympiabuch Peking 2008« auf dem Markt – nur fünf Tage nach dem Ende der XXIX. Olympischen Sommerspiele. Wer von daher einen Schnellschuss vermutet, irrt gründlich. Wie in der Vergangenheit ist es in bewährter Weise im Verlag Das Neue Berlin erschienen, herausgegeben von der Reporterlegende Heinz Florian Oertel und der sechsfachen Schwimm-Olympiasiegerin und Z...

Christian Heinig

Sorgenfalten vor dem Ostderby

Eigentlich hätte Dago Leukefeld dieser Tage allen Grund zur Freude. Der Coach der Handballfrauen von Bundesligist Thüringer HC gilt als heißester Anwärter auf den Posten des polnischen Nationaltrainers. Die Entscheidung des Verbandes folgt am 12. September. Sollte der ehemalige Bundestrainer den Zuschlag erhalten, so hat er bereits angekündigt, werde er weiter das Zepter beim THC schwingen, den er...

Seite 12
Die Schöne Helena auf dem Heuboden
Heidi Diehl

Die Schöne Helena auf dem Heuboden

Die Schöne Helena wälzt sich lustvoll mit ihrem Liebhaber auf dem Heuboden, die Zuschauer biegen sich vor Lachen. Nein, nein – keine heimlichen Voyeure, die durch die Ritzen von morschen Balken schauen! Und der Heuboden ist auch nicht mehr das, was er mal war. Die Schöne Helena ist zu Gast auf einem alten Bauernhof im norwegischen Dörfchen Bygstad in der Region Fjordnorwegen, rund 70 Kilomet...

Seite 13
PLATTENBAU
Erik Brandt-Höge

PLATTENBAU

MIA. sind tanzbar. Das war schon vor sechs Jahren so, als ihr erstes Album »Hieb- und Stichfest« mit Neue Deutsche Welle-naher Diskomusik erschien. Und es änderte sich nicht mit den folgenden Platten »Stille Post« (2004) und »Zirkus« (2007). Als sich Sängerin Mieze mit ihren Jungs Andy (Gitarre), Ingo (Gitarre, Horn, Keyboard), Robert (Bass) und Gunnar (Schlagzeug) nun ans Aufnehmen von neuen Song...

ndPlusHermann Kant

Ein Glücksfall

So viel Vergnügen für so wenig Geld ist ebenso selten wie eine so kleine Geschichte über einen so großen Gegenstand. Wer jemanden kennt, der gern etwas über Monarchinnen oder über Köche liest, über Kammerzofen, verdämmerten Uradel und behämmerte Berater, über Intriganten und Bibliothekare, Staatspräsidenten und schwule Dichter, über Tradition, Revolution und Demenzverdacht, über die Häuslichkeit v...

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Klingende Offenbarung
ndPlusArno Lücker

Klingende Offenbarung

Drei Geräusche geistern durch den Raum. Es tropft. Dann zischt es kurz. (Flöte, Oboe, Klarinette: Klappengeräusche, Wispern durch das Mundstück). Ganz leise. Gefühlte Minutendezennien im untersten Dynamikbereich. Dann ein Herzschlag. (Große Trommel, quasi doppelt gedämpft). Ein dumpfer Laut der Straße oder unterbewusstes Mäandern? Eine gehetzte, erst unverständliche Wortsalve – so kurz wie d...

Seite 15
Für und Wider das Qualmen in Gaststätten

Für und Wider das Qualmen in Gaststätten

(ND). Aus Anlass des Bund-Länder-Treffens der Gesundheitsminister in der Schleswig-Holsteinischen Landesvertretung trafen gestern Befürworter und Widersacher des Nichtraucherschutzes aufeinander. Während das Bündnis »Rauchfrei ohne Ausnahme« (r.) eine bundesweit einheitliche Gesetzgebung der Länder für eine rauchfreie Gastronomie ohne Ausnahmen forderte, demonstrierten in einiger Entfernung ebenso...

ndPlusJörg Meyer

Wer panscht am meisten?

Der Verein Deutsche Sprache ehrte den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) jüngst für die »beBerlin«-Kampagne mit dem Titel »Sprachpanscher des Jahres« – und stellte die Preisurkunde dem »Regierenden Oberbürgermeister« aus. Wowereit fühlt sich denn auch nicht so recht angesprochen. »Man muss solche Auszeichnungen sportlich nehmen«, sagte Senatssprecher Richard Meng. »Aber die Wächt...

ndPlusNicolas Šustr

Nach Orgelspiel und Gesang Pflüger live

Friedbert Pflüger, CDU-Spitzenkandidat bei der vergangenen Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und ebendort Fraktionsvorsitzender, ist pünktlich. Viertel vor sieben steht er mit Pressesprecher und Pfarrer vor der Zwölf-Apostel-Kirche in Schöneberg, nur wenige Schritte entfernt von der Potsdamer Straße.Keine glamouröse Gegend, dominiert von Möbelhäusern, Sex-Shops und Straßenstrich. Er ist hier, um ...

Bernd Kammer

Neuer Hallenwettkampf eröffnet

Am Dienstag wird die neue Superarena O2 World am Ostbahnhof eröffnet. In Deutschlands zweitgrößter Halle – nur die Kölnarena hat mehr Plätze – treten an den folgenden Tagen Stars wie Metallica, Herbert Grönemeyer, Coldplay auf, und am 21. September tragen die Basketballer von Alba hier ihr erstes Heimspiel aus. Die hatten bisher ihre Heimstatt in der Max-Schmeling-Halle, die wie das Ve...

Beim Malen sahen Feininger die Hühner zu
Steffi Schweizer

Beim Malen sahen Feininger die Hühner zu

Wenn der Pommer an der Usedomer Ostseeküste »Ein mächtiger Sir!« sagt, dann meint er das anerkennend und zugleich ein wenig ironisch. Vielleicht haben sie ja den Gentleman aus Berlin damals so genannt? Denn mit Anzug, Krawatte und Zigarre mag Lyonel Feininger unter den Fischern und Bauern wie ein Exot gewirkt haben. Doch immerhin baten sie den berühmten deutsch-amerikanischen Maler im aufkommenden...

Seite 16
ndPlusHeidi Diehl

Wandern mit Maasai durch Kenias Hochland

So schöne Bilder, so eine herzzerreißende Liebesgeschichte und so viele tränennasse Taschentücher – »Jenseits von Afrika« überbot in dieser Hinsicht vieles. Doch fern aller gezeigten rührseligen Klisches weckte der Film auch Sehnsucht, Kenia einmal mit eigenen Augen zu sehen, durch die Weite der Landschaft zu wandern, Menschen und Tierwelt kennenzulernen. Gelegenheit bietet jetzt der München...

ND-Tour auf der Spur des Trinkwassers
Andreas Fritsche

ND-Tour auf der Spur des Trinkwassers

Vom Zaun aus sieht man mehrere Gebäude und einen Garten, in dem es blüht. Das Wasserwerk Köpenick liegt südöstlich des Müggelturms mitten im Wald. Am 10. Januar 2000 schalteten die Berliner Wasserbetriebe (BWB) hier die letzten Pumpen ab. In der Schaltzentrale leuchten noch einige rote Lampen.»Da ist Saft drauf«, sagt BWB-Werksassistent Uwe Saß. Aber der Strom fließt heute lediglich für die Alarma...

Qual der Wahl wächst weiter, aber auch die Preise steigen
Heidi Diehl und Michael Müller

Qual der Wahl wächst weiter, aber auch die Preise steigen

Das Sommerreisegeschäft klingt aus, und die großen Veranstalter werben bereits massiv für die Wintersaison 2008/2009. Allgemeine Tendenz für die Kunden: Erstens sind die Angebote noch spezieller, damit aber leistungs- wie preismäßig auch noch schwieriger durchschaubar geworden. Zweitens wird Reisen generell erneut ein paar Prozente teurer. Doch der Kunde hat weiterhin die Chance, sein Glück innerhalb ausufernder Rabattverheißungen aller Art zu versuchen.

Seite 17
Konzertierte Kunst-Aktion
ndPlusVolkmar Draeger

Konzertierte Kunst-Aktion

Berlins zeitgenössische Kunst bündelt ihre Energien. Was seit 2003 jeweils im Mai als Gallery Weekend seinen Anfang nahm, das kulminiert nun erstmals in einer groß angelegten konzertierten Aktion von 44 Galerien. Ein Wochenende lang verlassen sie mit ihren Exponaten das angestammte Domizil und stellen an gemeinsamem Ort aus. »Abc art berlin contemporary« nennt sich diese in Eigeninitiative entstan...

ndPlusIrene Runge

Sommertage in Manhattan

Manhattan ist für jede Überraschung gut. Der Grenzbeamte in Uniform fragt lachend, ob in Berlin alles in Ordnung sei. Und wie geht es Frau Merkel? Die ist, antworte ich, mit einem Buch im Urlaub. Er knallt den Stempel in meinen Pass, ich bin eingereist, der Bus wartet. Obwohl ich 65 bin, gibt mir der Kassierer die teure Fahrkarte. Ich hätte nach der Seniorenkarte fragen müssen, denn es ist ungeset...

Seite 18
ndPlusBernd Baumann

Markenzeichen Weltoffenheit

Toleranz und Weltoffenheit gelten in Brandenburg als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das bekundeten gestern rund 130 Vertreter von Institutionen, Verbänden und Unternehmen aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Handlungskonzepts der Landesregierung »Tolerantes Brandenburg« in Potsdam.In einer gemeinsamen Erklärung werden die Brandenburger Unternehmen aufgerufen, Weltoffenheit zum Markenzeichen...

Wilfried Neiße

Im Knast weniger Hoffnung

Mit der vorzeitigen Entlassung von Strafgegangenen aus dem Gefängnis sind die Justizbehörden nicht mehr so schnell bei der Hand wie in früheren Jahren. Mehr als doppelt so viele Häftlinge wie im Jahr 2000 müssen ihre Strafe bis auf den letzten Tag absitzen. Die LINKE fordert mehr Mittel für die Resozialisierung.Wie Justizministerin Beate Blechinger (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage mitteilte...

Eine merkwürdige Reise nach Amerika

Eine merkwürdige Reise nach Amerika

Dort, wo die Mulde ihren Ursprung hat, klingt es noch ganz unverfälscht vogtländisch. In den Tälern um Klingenthal und Markneukirchen musiziert man auch im Dialekt. Freilich, das ändert sich. Bald schon wird die Sprache breiter; Goethe staunte gelegentlich, dass die Sachsen b, p und t, d lediglich für zwei verschiedene Buchstaben halten. Die Gespräche fließen gemächlich dahin, so »sin ähm mir Sach...

Seite 19
Klaus Blessing

Sozialraub ist verfassungswidrig

Eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) hat wieder einmal zum Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald geführt. Die Schere zwischen niedrigen und hohen Löhnen klafft in Deutschland immer weiter auseinander, tönte es sogar in der bürgerlichen Presse. Als ob es für diese Erkenntnis der Studie bedurft hätte. Inzwischen ist das Rauschen verhallt und es wurde bis zum nächsten scheinheiligen Aufschrei zur Tagesordnung übergegangen. Der folgende Beitrag wirft Grundfragen der Sozialstaatlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland auf und sei zur Lektüre auch jenen Politikern empfohlen, die am heutigen Sonnabend auf einer Festsitzung in Bonn die Arbeit des Parlamentarischen Rates vor 60 Jahren bejubeln.

Seite 20

WochenChronik

9. September 1948: Proklamation der Demokratischen Volksrepublik Korea; am 15. August hatte Seoul die südkoreanische Republik ausgerufen. 12. September 1683: In der Schlacht am Kahlenberg fügen die Truppen Kaiser Leopolds I. und seiner Verbündeten unter dem Polenkönig Johann III. Sobieski den türkischen Belagerern von Wien eine entscheidende Niederlage zu. 12. September 1943: Waffen-SS befreit den...

ndPlusDaniela Fuchs

Umsiedlung

In Polen wird man aufmerksam registriert haben, dass in Deutschland jetzt eine Bundesstiftung »Flucht, Vertreibung, Versöhnung« (ND v. 4.9.) ins Leben gerufen wurde. Die Ambitionen zur Errichtung eines Zentrum gegen Vertreibung, die zeitweise sehr bizarre Formen angenommen haben, führten jüngst mehrfach zu Verstimmungen in den deutsch-polnischen Beziehungen. Polnische Historiker aus Wroclaw haben ...

Helga Schwarz

Maria Arnold

»Besser aufrecht sterben, als gebeugt leben«, schrieb Maria Arnold unter der Überschrift »La Passionaria« in Heft 2/1938 der in Moskau erscheinenden Zeitschrift »Das Wort«. In den Kreisen antifaschistischer Emigranten von Moskau, Prag bis Paris – aber auch in der »Reichsschrifttumskammer« und Gestapo – rätselte man, wer diese Frau sei, die sich nicht nur für die spanischen Freiheitskäm...

Die Blutschuld einer hörigen Justiz
ndPlusHans Coppi

Die Blutschuld einer hörigen Justiz

In der Nacht zum 4. September 1943 trafen erstmals Bomben den großen Zellentrakt im Gefängnis Plötzensee. Angst und Schrecken herrschte unter den Häftlingen in den zugesperrten Zellen. Es kam zu Bränden; durch die Detonationen sprangen einzelne Zellentüren auf. Im allgemeinen Durcheinander konnten fünf zum Tode verurteilte französische Gefangene fliehen. Über 300 vom Volksgerichtshof und von Sonde...

»Sollen wie Tiere behandelt werden…«
Hans Canjé

»Sollen wie Tiere behandelt werden…«

Das sind die wenigen erhalten gebliebenen Daten aus dem Leben des Alexander Filpowitsch Smirnow: Geboren am 16. August 1912 in Kubyschew an der Wolga; am 18. Juli 1942 als einfacher Soldat bei der Artillerie der Roten Armee bei Krasnowk in die Hände der faschistischen Okkupanten gefallen; nach Zwangsarbeit für die Wehrmacht Anfang September 1943 zur Zwangsarbeit im Ruhrkohlenbergbau in das Kriegsg...

Seite 21

Zu viele Krebsgene

Washington (dpa/ND). US-Wissenschaftler haben umfangreiche Genkarten von zwei der tödlichsten Krebsarten erstellt. Demnach spielen bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und bei einem häufigen und besonders aggressiven Hirntumor, dem Glioblastom, Hunderte von Veränderungen an den Erbanlagen eine Rolle. Die Arbeit könne dabei helfen, eines Tages die Diagnose und die Therapie dieser schweren Erkrankunge...

ndPlusMartin Koch

Streit ums Unendliche

Lange hielten Mathematiker sie für eine Art logische Krankheit, die man deshalb aus der Wissenschaft zu verbannen suchte: die Unendlichkeit. Selbst der überaus kreative Carl Friedrich Gauß blieb in dieser Frage unerbittlich: »Ich protestiere zuvörderst gegen den Gebrauch einer unendlichen Größe als einer Vollendeten, welcher in der Mathematik niemals erlaubt ist.« Allein die sogenannte potenzielle...

Hans Frey

Die Urknall-Maschine

Am kommenden Mittwoch werden einige Milliarden Protonen im Large Hadron Collider (LHC) des Europäischen Kernforschungszentrums (CERN) ihre 27 Kilometer langen Einführungsrunden drehen, eingeschossen vom benachbarten, kleineren Super Proton Synchrotron (SPS). Zum ersten Mal werden sie den gesamten Ringtunnel des LHC in zwei Vakuumröhren durchlaufen, im Uhrzeigersinn und entgegengesetzt. Noch werden...

Seite 22
Die Putschisten
ndPlusJürgen Elsässer

Die Putschisten

Das Zusammenspiel zwischen Terroranschlägen und Terrorplanungen, an denen V-Leute der Sicherheitsapparate beteiligt waren, und einer Terrorhysterie, die dieselben Sicherheitsapparate mit Hilfe der Medien orchestrierten, ermöglichte in vielen westlichen Ländern seit dem 11. September 2001 radikale Einschränkungen bürgerlicher Freiheitsrechte. In Deutschland wurden seit der Kampagne um die sogenannt...

Seite 23
Die Bombe hing im Olivenbaum
Karin Leukefeld

Die Bombe hing im Olivenbaum

Südlich von Nabatiya windet sich die Straße durch das Kernland der libanesischen Schiiten. Dörfer schmiegen sich an grüne Hänge, umgeben von Obstplantagen, Tabakfeldern und Olivenhainen. Wenig deutet darauf hin, dass Israels Luftwaffe hier während des Krieges 2006 tödliche Fracht abwarf. Bombenkrater in der Straße wurden mit Asphaltflicken geschlossen, Trüm-mer entlang des Weges geräumt, die Khard...

Boxen für ein besseres Leben
ndPlusSabine Bomeier

Boxen für ein besseres Leben

Mit vor Anstrengung hochroten Köpfen springt ein Gruppe Jugendlicher schwitzend immer wieder durch das Seil. Trainer Timmy Lange fordert alles, herrscht sie immer wieder an, noch mehr aus sich rauszuholen. Zimperlich ist er dabei nicht. Die Gruppe aus Deutschen und Türken, darunter auch drei Mädchen, hält aus und gehorcht. Selbst die gezielten Schläge auf den Bauch mit angespannten Bauchmuskeln st...

Seite 24

Testspiel

Wer schrieb es? Es gibt Tage, wo das Leben übertrieben flau ist. Zu Bett gehen; weiter hilft nichts mehr. Wo war es? Wo spielte der unvergessene Gitarrist Jimi Hendrix das letztes Konzert seines kurzen Lebens? Welches Bauwerk? Welches bis dahin einzigartige Bauwerk wurde am 7. September 1911 in Hamburg eröffnet? Wie viele Zigaretten? Opa Fritz ist immer sehr sparsam. Er pflegt aus den Stummeln von...

Inder dominieren
Carlos García Hernández, Schachlehrer

Inder dominieren

Indien schickt sich an, die Schachgeschichte umzuschreiben: Angeführt wird die internationale Elite von Weltmeister Viswanathan Anand (39); nun wurde auch die Junioren-WM von zwei Indern gewonnen: Abhijeet Gupta (19) bei den jungen Männern und Harika Dronavalli (17) bei den Frauen. Beim Männerturnier wird der Erfolg noch durch den zweiten Platz des Inders Parimarjan Negi (15) ergänzt. Auf dem drit...

Wespenspinnenpracht
ndPlusBrigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin

Wespenspinnenpracht

Die ersten Nüsse fallen – Spätsommermonat; zur Blütenfülle gesellen sich langsam bunte Blätter. Dagegen sehen Pelargonien aus, als wollten sie nicht aufhören, ihre Blütenbälle zu entfalten. Wer im nächsten Jahr eine Neuauflage seiner Lieblingspelargonien plant und wenig Platz zur Überwinterung hat, kann jetzt Stecklinge schneiden. Von kräftigen Trieben werden zehn Zentimeter lange Stücke ges...

Ornamentalische Vielfalt

Ornamentalische Vielfalt

Etwas Neues finden, obwohl man eigentlich nach etwas ganz Anderem sucht, das ist ein Fall von »Serendipity«. Besagtes Prinzip ist erstmals definiert und formuliert worden vom englischen Autor Horace Walpole (1717-1797), nach Lektüre des persischen Märchens »Die drei Prinzen von Serendip«: über die unverhofften Entdeckungen eines adligen Trios aus Sri Lanka, so die heute übliche geografische Bezeichnung für »Serendip«, den altpersischen Namen der Insel. Den drei Prinzen nacheifern können jetzt Spieler beim »Serendipity«, das der Schweizer MATTHIAS ETTER (54) entwickelt hat. Mit dem Multitalent aus dem Berner Oberland sprach ND-Autor ART KOHR.