Ausgabe vom 13.06.2008

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Unten links

Das alles würd' ich machen, wenn ich König von Deutschland wär ... Jeden Tag die Krone wechseln, Hanfparaden bei der Bundeswehr, Socken und Autos dürften nicht mehr stinken, singt Rio Reiser. Und schon am Morgen ein Glas Schampus. Ob Kohl, Schröder, Merkel – bei allen fing es mit solchen Fantasien an. Pfälzer Saumagen, Cohibas oder riesige Knöpfe auf engen Kostümjacken – was immer sie ...

Kurt Stenger

Standpunkt

Zerstrittene Eheleute neigen dazu, wichtige Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben, um das Klima nicht weiter zu verschlechtern. Auch die schwarz-rote Partnerschaft auf Zeit ist längst an diesem Punkt angekommen: Ob Kfz-Steuer, Kindergeld, Mindestlohn oder Beitrag zur Arbeitslosenversicherung – in allen Fragen hat sich der Koalitionsausschuss lediglich darauf geeinigt, dass man sich s...

ndPlusUwe Sattler

Geheimgespräche EU – Israel

In offenbar seit einem Jahr laufenden Verhandlungen zwischen Israel und der Europäischen Union fordert Tel Aviv gleiche Rechte wie ein EU-Mitgliedstaat. Das Europäische Parlament wurde über die Gespräche nicht informiert.

Seite 2
Silvia Ottow

Modernisieren oder abschaffen

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) blickt auf eine 125-jährige Geschichte zurück. Während sie in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung noch signifikante Verbesserungen erfuhr, hat sie in den letzten Jahren Federn lassen müssen.

Seite 3
Texte, die der CIA gefallen – und Minister Schäuble auch
René Heilig

Texte, die der CIA gefallen – und Minister Schäuble auch

»Wir müssen alles Nötige tun, um einen Erfolg Afghanistans zu garantieren«, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Eröffnung der sogenannten Geber-Konferenz in Paris. Fragt sich nur: Wer sucht welchen Erfolg in Afghanistan?

Stilles Wasser in Gottesgnaden
ndPlusHendrik Lasch, Calbe

Stilles Wasser in Gottesgnaden

Ein Kanal soll die Schiffbarkeit der Saale erhöhen. Doch die Elbe, auf der die Frachter weiterfahren müssten, bleibt ein Nadelöhr.

Seite 4
ndPlusSilvia Ottow

Uneins über Einheitstarif

Teile der privaten Krankenversicherer haben es mit ihrer Forderung nach einem Einheitstarif für alle Krankenkassen – privat und gesetzlich – in die Schlagzeilen geschafft. Was jahrelang von den konservativen Parteien und den von ihnen vertretenen Unternehmern bekämpft wurde, als drohe die komplette Auferstehung der DDR, wird plötzlich allen Ernstes erwogen. Allerdings nicht von allen P...

ndPlusMichaela von der Heydt

Verhöhnte Milchbauern

Aldi hat mal eben gezeigt, wer hier die Preise diktiert, und nicht nur seine Konkurrenten, sondern auch Tausende Milchviehhalter vorgeführt. Mit einer eigentlich bescheidenen Preiserhöhung wollte Lidl sein Spitzel-Image aufbessern und hatte so ein Ende des Lieferboykotts befördert. Andere Discounter zogen nach, Aldi nur zum Teil. Und wenige Tage später schmolzen allerorten die Milchpreise wieder a...

Olaf Standke

Browns Pyrrhussieg

Gordon Brown ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Obwohl 37 Labour-Parlamentarier jetzt im britischen Unterhaus mit der Opposition stimmten, konnte die Regierung ihre Verschärfung der Anti-Terrorgesetze hauchdünn durchbringen. Die knappe Mehrheit erkaufte man sich mit finanziellen Zugeständnissen bei den Abgeordneten der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP). Obwohl erst se...

Euro plus Keynesianismus
Rudolf Hickel

Euro plus Keynesianismus

»Von Keynes lernen hieße, die Fehler aus zehn Jahren Europäischer Zentralbank zu überwinden.«

Seite 5

Fingerabdrücke nur noch freiwillig

Berlin (dpa/ND). Die Bundesbürger müssen für den ab 2009 geplanten neuen Personalausweis keine Fingerabdrücke abgeben. Nur auf freiwilliger Basis können die elektronisch gescannten Abdrücke der beiden Zeigefinger in dem Ausweisdokument gespeichert werden. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte am Donnerstag in Berlin, dass sich die Große Koalition auf diesen Kompromiss geeinigt hat...

Keine Kontaktbörsen bei ARD und ZDF

Berlin (dpa/ND). ARD und ZDF müssen sich auf eine Einschränkung ihrer Aktivitäten im Internet einstellen. Nach dem Entwurf für einen neuen Rundfunkstaatsvertrag, dem die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag zustimmten, dürfen die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Zukunft nur »sendungsbezogene« Angebote ins Netz stellen und keine »elektronische Presse« veranstalten. Auch im Bereich der Un...

Fabian Lambeck

60 Jahre Soziale Marktwirtschaft

Mit einem Feier beging die politische Elite gestern den »60. Jahrestag der Sozialen Marktwirtschaft«. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die positive Rolle Ludwig Erhards, pflegte lieb gewonnene deutsche Nachkriegsmythen und erteilte nebenbei dem Mindestlohn eine Absage.

Fachkräfte dringend gesucht
ndPlusJürgen Amendt

Fachkräfte dringend gesucht

Bund und Länder haben gestern zum zweiten Mal einen gemeinsamen Bildungsbericht vorgelegt. Die von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) verfasste Untersuchung kritisiert u.a. die schlechten Bildungschancen für Hauptschüler.

Seite 6

Kuba kontra Einheitslohn

Havanna (dpa/ND). Kuba will in den kommenden Monaten den Einheitslohn abschaffen.Wie die KP-Zeitung »Granma« am Donnerstag berichtete, sollen die Gehälter der Staatsangestellten angehoben und vor allem nach Leistung gestaltet werden. Das geschehe im Rahmen der Reformen von Präsident Raul Castro zur Verbesserung der Wirtschaft des Inselstaates, berichtete das Blatt. Bei der Bezahlung sollten künfti...

Entschuldigung bei Ureinwohnern

Ottawa (dpa/ND). In einer als historisch bezeichneten Rede hat sich der kanadische Premier Stephen Harper bei den indianischen Ureinwohnern des Landes für jahrzehntelange Misshandlungen entschuldigt. Es sei falsch gewesen, die Kinder der Ureinwohner aus ihren Familien und Gemeinschaften zu reißen, um sie in speziellen Internaten ihrer Kultur, Sprache und Traditionen zu berauben, sagte Harper vor d...

ndPlusHilmar König, Delhi

»Unprovozierter und feiger« Überfall

Mit der Attacke von NATO-Truppen auf einen pakistanischen Grenzposten Mitte der Woche haben sich die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad sichtlich verschlechtert. Pakistan verurteilte den Angriff als »absolut unprovoziert und feige«, während ein Pentagonsprecher von einem »legitimen Akt der Selbstverteidigung« sprach.

Kein bloßes »Weiter so«

Trotz Kritik am bisherigen Wiederaufbau hat sich die internationale Staatengemeinschaft hinter die afghanische Regierung gestellt und dem Land eine verstärkte Hilfe zugesagt.

Seite 7
Frontex ohne Kontrolle
Peter Nowak, Warschau

Frontex ohne Kontrolle

Mitten im Zentrum der polnischen Hauptstadt Warschau versammelten sich dieser Tage über 100 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern. Sie trommelten, hielten Transparente hoch und skandierten Parolen. Immer wieder war »Shut down, Frontex« zu hören. Sie forderten die Schließung der europäischen Grenzagentur, die ihren Sitz in einem Büropalast in Warschau hat.

ndPlusHolger Elias, Brüssel

Europas Zwerg im Cyber-Universum

Die europäische »digitale Feuerwehr« kämpft mit gerade einmal 50 Mitarbeitern gegen die organisierte Internetkriminalität in der EU.

Kein Heil ohne Hahne
ndPlusIngolf Bossenz

Kein Heil ohne Hahne

Kirchen sind keine Lobby-Organisationen. Eine derart profane Zuordnung bleibt den Glaubenskonzernen erspart. In das vom Verfassungsausschuss des EU-Parlaments beschlossene Register für besonders aktive Lobbyisten werden sie nicht aufgenommen. Eine verständliche Entscheidung. Zwar würde die unverhohlene Einmischung der Kirchen auf allen Ebenen des politischen und gesellschaftlichen Lebens der Union...

Bernd Parusel, Stockholm

Ja zur 30-Stunden-Woche und ein klares Nein zur EU

Schwedens Linkspartei »Vänsterpartiet« hält an ihren Herzensfragen fest, kämpft aber mit miserablen Umfragewerten. Beim Kongress am vergangenen Wochenende wurde Lars Ohly als Parteichef bestätigt.

Seite 8
Reimar Paul, Göttingen

Mäuse mussten rauchen

Der Zigarettenkonzern Philip Morris betreibe illegale Tierversuche und die Göttinger Universitätsklinik sei an den gesetzwidrigen Experimenten beteiligt gewesen. Diese Vorwürfe erhebt der Deutsche Tierschutzbund. Bei der Entwicklung von Tabakprodukten seien Tierversuche nach dem Tierschutzgesetz verboten, sagt der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Dennoch sind ihm zufolge bei Versuche...

Klagen gegen IKB abgewiesen

Düsseldorf (dpa/ND) Die Kleinaktionäre der krisengeschüttelten Mittelstandsbank IKB drohen auf ihren Verlusten sitzenzubleiben. Das Düsseldorfer Landgericht lehnte am Donnerstag mehrere Schadenersatzklagen von Anlegern ab, die durch den dramatischen Kurseinbruch der IKB-Aktie vor zehn Monaten zum Teil mehr als 10 000 Euro verloren hatten.Die Aktie hatte in kurzer Zeit 85 Prozent ihres Wertes einge...

Ulrike Henning

Antidepressiva für alle

Mindestens jede fünfte Erwerbsperson bekam 2006 vom Arzt die Diagnose einer psychischen Störung gestellt. Diese und andere überraschende Zahlen stellte die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem Gesundheitsreport vor.

Seite 9
Grande Dame der Romanistik
ndPlusHans-Otto Dill

Grande Dame der Romanistik

Geboren am 13. Juni 1918 im Sudetenland; Promotion an der Prager Karls-Universität; Assistentin von Victor Klemperer an der Hallenser Universität in der Nachkriegszeit;nach Habilitation Anfang der 50er Jahre Direktorin des Romanischen Instituts der Humboldt-Universität zu Berlin.

ndPlusLilian-Astrid Geese

»So leben wir jetzt«

Das Titelbild erscheint provokativ. Baselitz in einer Reminiszenz an Mondrian. Eine Swastika mit farbigen Prothesen, verlaufend, vielleicht schwindend? Die Frage aufwerfend, ob die Vergangenheit in der Gegenwart noch präsent ist. »So leben wir jetzt« lautet die Überschrift, zu der Lettre International über einhundert Autoren, Künstler und Fotografen einlud, zum zwanzigsten Geburtstag der kosmopoli...

Hans-Dieter Schütt

Zwie-Lichtspieltheater

Im Kino erleben wir Weltschöpfer: Licht und Schatten. Zwei kämpfen um das Bild, das mit unseren Blicken entsteht. Wer von beiden ist Gott, wer Teufel? Wer gut, wer böse? Licht steigt auf, Schatten senken sich. Damit es auf der Leinwand hell werden kann, muss es im Raum dunkel sein. Im Zwielicht, obwohl es nicht nach ihm benannt ist, findet der Schatten seine Hoheitsrechte gesichert. Dominiert er n...

Seite 10

Bildungsnetze

Die deutschen Wege zum Lehrerberuf sind international einzigartig: Während andere Länder die Praxistauglichkeit ihrer Lehrer schon vor oder während des Studiums testen, haben die deutschen Bildungsbürokraten den Vorbereitungsdienst, das sogenannte Referendariat erfunden. Das Referendariat aber trennt erst nach dem Studium die Spreu vom Weizen. Hinzu kommt, dass die Bezahlung der angehenden Lehrer ...

Kampagne für mehr internationale Mobilität

Berlin (ND-Amendt). Unter dem Motto »Let's go!« haben die europäischen Dachverbände der Bildungsgewerkschaften gestern eine Kampagne zur Förderung der internationalen Mobilität von Studierenden und Hochschulmitarbeitern gestartet. »Studierende und Beschäftigte haben ein Recht auf Mobilität. Niemand darf dafür bestraft werden, im Ausland studieren, forschen oder lehren zu wollen«, erklärte Monique ...

Wiedergänger autoritärer Pädagogik
Jürgen Amendt

Wiedergänger autoritärer Pädagogik

Würde man die Lehrer meines neunjährigen Sohnes fragen, wie sie die Mitarbeit, die Anstrengungsbereitschaft, seinen Fleiß und seine Zuverlässigkeit einschätzen, man bekäme recht unterschiedliche Antworten. Seine Klassenlehrerin würde ihm wohl voraussichtlich eine hohe Anstrengungsbereitschaft attest ieren, wohingegen die Musiklehrerin ihn eher in die Schublade »Fauler Sack« stecken würde. Die Mein...

Klemens Himpele

Gut gemeint ist lange noch nicht gut gemacht

Vom 20.-22. Juni findet in Marburg der 2. Bundeskongress des linksparteinahen Hochschulgruppenverbandes »Die Linke.SDS« statt. Eine gute Gelegenheit, ein erstes Fazit über die Arbeit des vor einem Jahr gegründeten Verbandes zu ziehen.

ndPlusClaudia Wessling

Kein Mut für Pythagoras und Co.

»Wir haben das Jahr der Mathematik. Die Mädchen können solange was malen.« Die Karikatur im Berliner Stadtmagazin »Zitty« greift ein uraltes Klischee auf: Die Disziplin von Gauß und Hilbert ist Männersache. Auch wenn heute sicher niemand mehr die im Jahr 1900 geäußerte Ansicht des Leipziger Neurologen Paul Möbius teilten möchte, »dass ein mathematisches Weib wider die Natur sei« – ganz verschwunden ist das Vorurteil nicht.

Seite 11
ndPlusJörg Roesler

Abenteuer »Bärenmark«

»60 Jahre Soziale Marktwirtschaft« war der Festakt der Bundesregierung gestern in Berlin zur Einführung der D-Mark im Juni 1948 überschrieben. Mit dieser war damals ein Markstein auf dem Weg der Spaltung Deutschlands gesetzt worden, die Westmächte kündigten de facto der UdSSR die gemeinsame Verwaltung des besetzten Landes auf. Dies fehlte in der gestrigen Rede der Bundeskanzlerin, die dahingegen wiederholt den »Wirtschaftswunder«-Vater Ludwig Erhard pries. Zudem hat gestern die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft der »Spaltermark« einen Meilenstein aufgestellt – vor das Bundesministerium für Wirtschaft. Fern ideologischer Verklärung oder politischer Instrumentalisierung ruft unser Autor, Professor für Wirtschaftsgeschichte, die historischen Ereignisse in Berlin, einem besonders sensiblen Ort in der Zeit des beginnenden Kalten Krieges, in Erinnerung. Aus seiner Feder ist seit kurzem auf dem Buchmarkt: »Die Wiederaufbaulüge der Bundesrepublik. Oder: Wie sich die Neoliberalen ihre ›Argumente‹ produzieren« (Karl Dietz, 111 S., 9,90 EUR).

Seite 12

Rechtsfrage

BAG erschwert kurzfristigeTariffluchtDas Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt hat Arbeitgebern die kurzfristige Tarifflucht erschwert. Nach dem Urteil müssen die Arbeitgeber die Gewerkschaften über entsprechende Schritte ihrer Mitglieder informieren, wenn ein neuer Tarif bereits absehbar ist. Ein Wechsel in eine Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung oder auch ein sogenannter Blitzaustritt seien...

Ina Beyer

Mehr Radwege statt Kontrollen

Im Straßenverkehr sind ja immer die anderen schuld. Als Radfahrer schimpft man auf die Autofahrer und andersherum und diese unentschiedenen, zudem oft unberechenbaren Fußgänger können auch schon ziemlich Nerven kosten. Oft genug knallt's aber leider wirklich und dabei hat es diese Woche auch Helmut Gloystein erwischt, der in Berlin stellvertretender Kreisvorsitzender der Deutschen Polizeigewerksch...

ndPlusBarbara Heinrich, Leinfelden-Echterdingen

Hofmanns Hoffnung

Die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg beriet gestern in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) über ihr weiteres Vorgehen im Konflikt um die Altersteilzeit. Verhandlungsführer Jörg Hofmann gab sich optimistisch, dass es bald zu einer Lösung kommt. Ab Montag sollen die bislang überwiegend auf den Südwesten begrenzten Warnstreiks bundesweit ausgedehnt und der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden.

Seite 13

Arbeit gegen Rechts in Sachsen

Das Kinder- und Jugendhaus »Oase 26« in Naunhof bei Leipzig macht Angebote von Basteln bis zum Punkkonzert. Der Leiter Torsten Wanke holte das Theaterstück »Der Kick« in die Provinz. Es rekonstruiert den Tod von Marinius Schöberl, der im Sommer 2002 im uckermärkischen Potzlow von drei jugendlichen Neonazis ermordet wurde. Ines Wallrodt sprach mit Wanke über seine Arbeit.

129a-Verfahren waren rechtswidrig

(ND). Das Landgericht Flensburg hat die 129a-Verfahren gegen elf Antifaschisten aus Bad Oldesloe für rechtswidrig erklärt. Dies teilten am Donnerstag die Rechtsanwälte der Betroffenen mit. Den Antifaschisten waren im Juni 2007 von der Bundesanwaltschaft drei Anschläge auf Fahrzeuge der Bundeswehr und deren Zuliefererunternehmen sowie die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen worden...

Christoph Villinger

Kampf um den Stadtteil

Die 68er mussten in den letzten Monaten viel gegen Angriffe von rechts verteidigt werden. Vielleicht auch deshalb blieb eine kritische Auseinandersetzung von links eher zögerlich. Die Kritik der neuen sozialen Bewegungen der 70er und 80er Jahre böte dafür eine Reihe von Anknüpfungspunkten.

Seite 14
ndPlusJirka Grahl

Grübelei am Telefon

Im türkischen Fernsehen lief nach der Auftaktniederlage ein kurzer Film, in dem die Mutter des Torhüters Volkan Demirel ihren Sohn kritisiert. Er habe nicht so gut gespielt, sagt dort die Spielermutter Leyla Demirel. Ob ihn das gewurmt hat? Ich könnt's mir vorstellen. Als ich vorgestern meine Oma in Potsdam anrief, um ihr aus Klagenfurt zum 82. Geburtstag zu gratulieren, sagte sie: »Na, schreibst ...

Morten Ritter und Heinz Büse

»Viertelfinale? – Wir wollen natürlich mehr«

Altstar Eusebio jubelte auf der Tribüne, Matchwinner Cristiano Ronaldo nahm mit nacktem Oberkörper ein Bad in der Menge und Erfolgscoach Luiz Felipe Scolari noch auf dem Platz erste Glückwünsche entgegen. Doch schon kurz nach dem Durchmarsch ins Viertelfinale überschattete das Ende der Scolari-Ära den portugiesischen Fußball-Zauber. Der kauzige Coach scheidet nach sechs Jahren als Chef aus und tri...

ndPlusJörg Soldwisch

Zwei Trainer suchen den Erfolg

Weltmeister Italien und »Vize« Frankreich stehen bereits mit dem Rücken zur Wand, die Niederländer dagegen sprechen bereits vom EM-Titel: Während die Elftal dank des 3:0-Traumstarts gegen die Squadra Azzurra mit demonstrativer Gelassenheit in die nächste Partie gegen Frankreich geht, wird bei der Equipe Tricolore nach dem Stotterstart schon alles in Frage gestellt. Auch Italiens heftig kritisierte...

Seite 15

»Hobby zum Beruf gemacht«

In Berlin treffen derzeit die weltbesten Beachvolleyballer aufeinander. Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres geht es um wertvolle Qualifikationspunkte für Olympia. Gute Aussichten einen der deutschen Startplätze für Peking zu ergattern, hat LAURA LUDWIG die mit Partnerin Sara Goller dem Beachvolleyballzirkus um die Welt folgt. Mit der 22-jährigen Leverkusenerin sprach NICO ROSSA.

Hans-Jürgen »Dixie« Dörner

Der Trainer als Vorbild

Eigentlich sehe ich Spiele mit schnellem Kombinationsfußball wie die Portugiesen oder Niederländer ihn zeigen lieber. Ich denke für die Zuschauer ist es attraktiver, wenn technisch gute Mannschaften den Ball laufen lassen. Doch in der Partie zwischen der Schweiz und der Türkei waren andere Qualitäten gefragt. Was für eine Wasserschlacht! So habe ich das als Aktiver nie erlebt. Bei diesen Bedingung...

»Die öffentlichen Dienste sind mehr wert«
Andreas Heinz

»Die öffentlichen Dienste sind mehr wert«

Lautstark machten die Demonstranten ihrem Ärger Luft. Rund 1500 streikende Erzieherinnen und Erzieher zogen gestern vom Rathaus Wedding vor die nur einige hundert Meter entfernt gelegene SPD-Zentrale in der Müllerstraße, um dort ihre auf Postkarten formulierte Forderung zu übergeben: »Gerechter Lohn statt Almosen«. Im ganztägigen Ausstand waren weiterhin auch Mitarbeiter von Bürger- und Ordnungsäm...

Nissrine Messaoudi

Engagement statt Ohnmacht

Politik empfinden viele Jugendliche als langweilig. Die meisten denken, sie können keinen Einfluss darauf nehmen, und fühlen sich ohnmächtig. Für mehr Engagement der Jugend wirbt das Festival für junge Politik »Berlin 08« von heute bis Sonntag. Im FEZ an der Wuhlheide werden sich Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet im Alter von 14 bis 24 Jahren mit politischen Themen auseinander setzen.Mehr a...

Andreas Schirmer

»Endstation Sehnsucht«

Nur fünf Tage währte der Traum der Schweizer Gastgeber, etwas ganz Großes zu vollbringen. »Es ist schmerzlich«, sagte Trainer Jakob Kuhn nach der Last-Minute-Niederlage gegen die Türkei (1:2) in der »Wasserschlacht« im Baseler St. Jakob-Park. »Abgesoffen«, titelte treffend die Schweizer Zeitung »Blick« am Donnerstag. »Es ist nur eine Leere da«, sagte Tranquillo Barnetta und rang nach Worten der Er...

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Lehrstück vom Opponieren und Regieren

Ihre Absage an das vom Energiekonzern Vattenfall in Lichtenberg geplante Steinkohlekraftwerk brachte gestern die rot-rote Koalition durch das Parlament. Allerdings erschien die Ablehnung der Opposition nicht eindeutig. SPD und LINKE wollten aber die Forderung »Kein Steinkohlekraftwerk« von Grünen, CDU und FDP nicht unterschreiben. Sie kritisierten Dimension und Brennstoff. Das Kraftwerk sei zu gro...

Seite 16

»Kellerkind« von Amstetten erwacht

Die im April lebensgefährlich erkrankte 19-jährige Tochter des Inzesttäters Josef Fritzl ist aus dem künstlichen Koma erwacht und lebt wieder bei ihrer Familie. Sie habe so große Fortschritte gemacht, dass sie am Sonntag von der Intensivstation zu ihrer im Landesklinikum Amstetten lebenden Mutter und ihren Geschwistern gebracht werden konnte, sagte jetzt der behandelnde Arzt Albert Reiter. Es sei ...

ndPlusWolfgang Weiß

Hauptmann sticht Fassbier an

Auf der Bühne am Köpenicker Luisenhain beginnt heute Abend das beliebteste Volksfest im Südosten Berlins. Am Zusammenfluss von Dahme und Spree gegenüber vom historischen Rathaus wird mit dem traditionellen Fassbieranstich durch den Hauptmann von Köpenick und Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) der 47. Köpenicker Sommer eröffnet. An drei Tagen und auf vier Bühnen erwartet die Besucher w...

Demontage oder Denkmalschutz
ndPlusCatrin Watermann

Demontage oder Denkmalschutz

»Wir waren überwältigt. Es gab ja sonst nur solche Klöpper wie in der Gropiusstadt. Aber das war wie ein Haus im Grünen und trotzdem zentral.« Claudia Kleine zog vor 25 Jahren mit Mann und Kind in die frisch gebauten Häuser am Lützowplatz 2-18 in Tiergarten. Sie wohnt bis heute dort und will dafür kämpfen, ihre großzügige Maiso-nettewohnung mit Terrasse zu behalten. Die zwölf verbliebenen von den ...

Baustelle zu besichtigen
Jörg Meyer

Baustelle zu besichtigen

Die Baustelle des Großen Tropenhauses im Botanischen Garten in Dahlem öffnet am Sonntag ihre Zäune für Besucher. Interessierte können sich von 10 bis 18 Uhr über den Fortschritt der Baumaßnahmen informieren und sich bei Baustellenführungen von Experten die technischen Neuerungen erklären lassen. Bis zur endgültigen Wiedereröffnung dauert es allerdings noch. Die Baumaßnahmen sollen im Dezember 2008...

Seite 17

»Galerie am falschen Platz«

(dpa). Mit den Worten »Die Alten Meister gehören an die Museumsinsel« hat sich der Direktor der Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum, Bernd W. Lindemann, für einen Umzug seines Museums ausgesprochen. »Die Galerie ist herrlich und wunderbar, sie steht nur inhaltlich am falschen Platz, es ist nach der Wiedervereinigung die für die Alten Meister falsche Stelle im Gefüge der Stadt«, sagte Lindemann ...

Orphtheater vor dem Aus

(ND). Das Orphtheater erhält nach eigenen Angaben von 2009 an keine Basisförderung mehr. Das habe die Senatskanzlei gestern mitgeteilt. »Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen«, sagte dazu Matthias Horn, künstlerischer Leiter des Orphtheaters.Die von der Senatskanzlei eingesetzte Jury zur Verteilung von Fördergeldern an freie Theater habe ihre negative Entscheidung unter anderem damit ...

Tom Mustroph

Sozialarbeit durch Bewegung

Es gibt sie, die Erfolgsgeschichten in Berlin. Das TanzZeit-Projekt ist unbedingt eines davon. Die von der gebürtigen Italienerin und ehemaligen Folkwang-Tänzerin Livia Patrizi begründete Initiative hat nach drei Jahren Laufzeit den zeitgenössischen Tanz als Unterrichtsfach an Berliner Schulen etabliert.An insgesamt 257 Schulklassen in 71 Schulen haben 65 sonst meist als freie Choreografen arbeite...

Seite 18
Darf ein Abgeordneter ins Gefängnis?
Andreas Fritsche

Darf ein Abgeordneter ins Gefängnis?

Darf das Potsdamer Justizministerium Vermerke über einen Landtagsabgeordneten fertigen? Darf es ihm verwehren, Häftlinge in Justizvollzugsanstalten zu besuchen? Um diese Fragen zu klären, zog der Abgeordnete Stefan Sarrach vor das Landesverfassungsgericht. Gestern kam es zur mündlichen Verhandlung, die mehr als vier Stunden dauerte. Die Entscheidung werde aber erst am 28. Juli verkündet, erklärte ...

ndPlusBernd Baumann

Datenschützerin für Telekom nicht zuständig

Seit vielen Jahren wird in Brandenburg über die Kompetenzen beim Datenschutz gestritten. Die Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge ist nur für die Verwaltung und die öffentlich-rechtlichen Unternehmen zuständig. Die Aufsicht über den privaten Bereich liegt beim Innenministerium.Hartge fordert seit langem eine Zusammenlegung. Unterstützung erhält sie dabei vor allem durch die Linkspartei. Angesichts...