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Dreckbrühe

Es gibt Jobs, die möchte man nicht so gerne machen. Natürlich hängt die Berufswahl auch von persönlichen Neigungen ab, aber dass sich dieser Mann seine Tätigkeit freiwillig ausgesucht hat, darf getrost bezweifelt werden. Im Yamuna, der als Nebenfluss des Ganges durch Neu Delhi fließt, sucht er nach Verwertbarem, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Was dem Betrachter des Bildes Ekelpicke...

Eva Roth

Was Katholiken ärgert

Die Arbeitgeber der Caritas haben verhindert, dass es bald einen branchenweiten Tarifvertrag für Pflegekräfte gibt.

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Stephan Kaufmann

Kalter Krieg im Computer

Computerchips sind die Grundlagentechnologie der digitalen Welt. Wer die leistungsfähigsten hat, sticht die anderen aus, auf dem Markt wie im Krieg. Chips stehen daher im Zentrum der Konkurrenz zwischen den USA, China und der EU.

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Uwe Kalbe

Orakel im Superwahljahr

Die Verhältnisse für die Regierungsparteien in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind recht komfortabel, wie es scheint. Doch weil Landtagswahlen auch Auskunft über die Popularität der Bundesregierung geben, kann sich die SPD nicht so sicher sein.

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Hans-Gerd Öfinger

Nervosität bis zuletzt

In Rheinland-Pfalz schneiden sowohl SPD als auch CDU in den Umfragen schlechter ab als jemals zuvor. Dennoch liegen sie auf den vorderen Plätzen. Das Rennen macht wahrscheinlich die SPD mit Amtsinhaberin Malu Dreyer. Auch dank der Maskenaffäre der CDU.

Dirk Farke

»Autos müssen raus aus der Stadt«

Schafft die Linkspartei am Sonntag in Baden-Württemberg bei ihrem dritten Anlauf den Sprung in den Landtag? Eine Einschätzung von Luigi Pantisano aus der Landeshauptstadt Stuttgart.

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Nina Böckmann, Leipzig

Nur Bewährung für waffenhortenden KSK-Soldat

Zwei Kilo Sprengstoff, Tausend Schuss Munition und mehrere Granaten hortete ein Feldwebel der Kommando Spezialkräfte. Bei einer Durchsuchung wurden zudem Schriften mit rechtsnationaler Gesinnung gefunden. Ins Gefängnis muss er deshalb nicht.

Johanna Soll, Boulder, Colorado

Proteste zeigen Wirkung

Dieser Tage beginnt der Prozess gegen den weißen Polizisten, der George Floyd tötete, genau beobachtet von der Black-Lives-Matter-Bewegung. Die hat Millionen-Spenden angezogen und da wo sie aktiv ist, gibt es weniger Polizei-Tötungen.

Seite 7
Eva Roth

Verdi fordert mehr Hilfe für Erkrankte

Die Gewerkschaft Verdi hat den starken Anstieg bei Berufskrankheiten als besorgniserregend bezeichnet. Laut Unfallversicherung gab es 2020 mehr als doppelt so viele Fälle wie ein Jahr zuvor.

Thomas Ruttig

Eine Nacht mit Buddha

Vor 20 Jahren erließ Mullah Omar, der Anführer der Taliban in Afghanistan, ein sogenanntes Bilderstürmer-Urteil. Alle »Schreine der Ungläubigen« sollten zerstört werden. Das traf auch die zwei weltweit größten Buddha-Statuen im Bamian-Tal.

Seite 8
Stephan Fischer

Lauter Schwarze Nullen

Natürlich kann man sich in der Pandemie über Staatsversagen beklagen und das Behördenhandeln - oder Nichthandeln - monieren. Man sollte bloß darauf achten, wer das was ruft - im Zweifel haben jene diese Zustände erst herbeigeführt. Und es kommt teils noch verwerflicher.

Vanessa Fischer

Die übliche Strategie

Die homofeindliche Poltik der polnischen Regierung hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Polens Justizminister hat ein komplettes Adoptionsverbot für homosexuelle Paare gefordert. Umso wichtiger ist es jetzt, progressive Stimmen im Land zu unterstützen.

Peter Steiniger

Lügen, lügen, nochmals lügen

Brasiliens Präsident Bolsonaro fürchtet die Popularität des linken Politikers Lula. Nun ist auch Bolsonaro, der ein tödliches Chaos in der Gesundheitspolitik verantwortet, für Corona-Impfungen. Und war es angeblich schon immer.

Jindra Kolar

Eingelocht

Vladimír Pčolinský, Chef des slowakischen Geheimdienstes SIS, wurde am Donnerstag von einer Spezialeinheit der Kriminalpolizei NAKA verhaftet. Der Vorwurf: Bestechlichkeit und ungesetzliches Einstellen eines Ermittlungsverfahrens. Staatspräsidentin Zuzana Čaputová verfügte sogleich die vorläufige Suspendierung des SIS-Bosses. Erst im April 2020 war Pčolinský von der aus vier Partnern bestehen...

Andreas Koristka

Eine Frage der Ehre

Warum sollen nur Unionsabgeordnete eine Ehrenerklärung abgeben? Jetzt ist die ganze Bevölkerung gefragt, solidarisch zu sein - und zwar mit den Abgeordneten! Und endlich einen Schlussstrich ziehen.

Seite 9
Marlon Grohn

Die Tyrannei des Unernsten

Ironie ist die Fähigkeit, immer etwas zu sagen und es nie zu meinen. Doch wer nie ernsthaft spricht, wird auch nichts verändern. Das Ende der Ironie wäre also der Beginn der Emanzipation.

Seite 10
Jeja Klein

Frauenmarsch? Am Arsch!

Von wegen »multikulturell«: Der von Frauen organisierte Umzug durch Mitte war nicht das, was er vorgab, zu sein. Es ging nicht um Feminismus, sondern um reine Esoterik.

Günter Agde

Man will etwas herausfinden

Er sei einer der besten Drehbuchschreiber des deutschen Kinos, sagt man, und meint damit Witz, Humor, Weisheit und Lakonik seiner Dialoge. Dem Schriftsteller und Drehbuchschreiber Wolfgang Kohlhaase zum 90. Eine Montage von Texten zu seinen Filmen.

Seite 13
Der Narr der Kunst
Gunnar Decker

Der Narr der Kunst

Dringend gesucht: Hoffnungsfunken, die uralte Menschheitsträume in sich tragen. Vor 20 Jahren hatte »Leuchte, mein Stern, leuchte« einen gesamtdeutschen Filmstart.

Seite 14
Martin Ling

Selbst Kuba diskutiert über das »nd« und die Linkspartei

Die »nd«-Kolumne »Ein guter Tabubruch« schaffte es selbst in die kubanische Tageszeitung »Granma«. Die Zeitung hinterfragte die Solidarität der Linkspartei mit Kuba. Ein Streitgespräch über den Spielraum von Kritik auf der sozialistischen Karibikinsel.

Seite 16
Anne Klesse

Besonders ausgezeichnet

Hannah Kiesbye wurde mit Trisomie 21 geboren - doch die Genveränderung behindert die Schülerin nicht auf ihrem Lebensweg. Im Gegenteil: Sie erhielt den Bundesverdienstorden für eine Idee, die eine Diskussion um den Begriff der Behinderung ausgelöst hat.

Seite 17
Stephan Kaufmann

Jetzt neu: Das Börsen-Gen

Der Mensch ist für den Kapitalismus nicht gemacht. Er wird krank, altert und leidet an galoppierender Risikoscheu, was ihm die Aktienanlage verleidet. Die Neigung zur Aktienanlage, haben US-Wissenschaftler nun herausgefunden, ist genetisch bedingt.

Seite 18
Florian Weis

»Zu Hause ist es doch nicht so schön«

Eine neue Studie zeigt die Umbrüche in der Arbeitswelt. Die setzten schon vor Corona ein und haben sich nun beschleunigt und verschärft. Der Veränderungsdruck der Unternehmen wird auf die Beschäftigten verlagert.

Seite 19
Johannes Simon

Radau im Überbau

Bei der renommierten »New York Times« musste ein Reporter gehen, nachdem ihm Rassismus vorgeworfen wurde. Der Fall ist aber einiges komplizierter. Und zeigt vor allem den aktuellen Kulturkampf in den Medienhäusern.

Seite 20
Schuld und Sprache
Karsten Krampitz

Schuld und Sprache

Lange schon dauert der Streit um die geschlechtergerechte Sprache. Wird er überhaupt ein Ende finden? Ein erster Schritt wäre jedenfalls eine neue Gelassenheit im Umgang mit dem Thema.

Seite 21
Wider Feigenblatt und Formalismus
Koschka Linkerhand

Wider Feigenblatt und Formalismus

Feministische Sprachkritik hat sich über die Jahre verändert. Die Frage, wie das Geschlechterverhältnis in der Sprache auftaucht, stellt sich jedes Mal neu. Die Antwort darf weder Symbolismus noch Formalismus verfallen.

Seite 22
Elke Bunge

Der Golfstrom schwächelt

Das Meeresströmungssystem des Golfstroms war in den letzten 1000 Jahren noch nie so schwach wie in den letzten Jahrzehnten. Das fanden Wissenschaftler unter Federführung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) heraus.

Seite 23
Martin Holtzhauer

Impfen? Impfen!

Um die Covid-19-Pandemie einzudämmen, wurden in Rekordtempo neuartige Impfstoffe einsatzreif entwickelt. Ein Biochemiker erläutert die einzelnen Methoden, mit denen gegen den Erreger immunisiert werden soll und welche Hürden auf dem Weg vom Labor zur Massenproduktion zu überwinden sind.

Seite 24
Christof Meueler

Kann man einem USB-Stick vertrauen?

Wenn es um dauerhaften Erhalt der Informationen geht ist gedrucktes Papier noch immer am besten. Doch wie lange halten Daten auf USB-Sticks? Und wie sieht es mit CD-Roms aus? Und dann gibt es ja noch die goldene Nasa-Schallplatte.

Mike Mlynar

Ramsey’s Welt

»Was wäre, wenn …?« kann spätestens seit den Gebrüdern Grimm als beantwortet gelten: »Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.« Ganz nüchtern gesehen ist das natürlich völlig irreal. Deshalb werden solche Fragekonstruktionen im normalen Leben häufig beargwöhnt. Noch häufiger allerdings werden sie benutzt, obwohl in diesem Leben bekanntlich kaum Platz für Märchen ist. Doch besagte ...

Seite 25
Claudia Krieg

Die Polizei blockiert Kontrollen

Die Berliner Polizei mauert bei der Herausgabe von Informationen und beim digitalen Fernunterricht werden Standards nicht eingehalten. Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk wird die Arbeit nicht einfach gemacht, berichtet sie im Interview.

Seite 26
Ulrike Wagener

Projekt funktionierende Stadt

Obdachlosigkeit soll 2030 in Berlin Geschichte sein und die Verkehrswende ohne Zwang durchgesetzt werden. Die Hauptstadt-Linke hat sich ambitionierte Ziele im Entwurf ihres Wahlprogramms gesetzt.

Seite 27
Tomas Morgenstern

Schuften für einen NS-Musterbetrieb

Als eine der wichtigsten deutschen Rüstungsfirmen beutete Henschel bis 1945 in Schönefeld in großem Maße Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus. Jetzt lässt die Flughafengesellschaft FBB die NS-Geschichte des Standortes aufarbeiten.

Seite 28
Leonie Ruhland

»Ich war eine Internet-Pionierin«

Im Ingenieurstudium von Jana Reich - noch in der DDR - waren hauptsächlich Frauen. Nach der Wende gab es in Hamburg zwar kaum weibliche Ingenieure, aber Frauencafés und -kneipen. Und dann das von Reich gegründete Online-Portal »Frauennews«.

Seite 30
Wolfgang Scherreiks

Immer die Rinne entlang

Wer auf den Spuren der Vorzeit von Schöneberg nach Grunewald spaziert, gelangt über trockengelegte Sümpfe, verschüttete Seen, wilde Stadtnatur und Autobahn bis zum Villenviertel. Der Nebenarm eines eiszeitlichen Grabens dient als loser Kompass.

Seite 31
Alexander Ludewig

Explosionsgefahr beim Deutschen Fußball-Bund

Bundestrainer Joachim Löw will es im Sommer noch mal knallen lassen. Bei der EM 2024 in Deutschland soll es noch lauter donnern. Die Antwort des DFB auf die große Krise des Fußballs und die eigene im Verband ist allein sportlicher Erfolg.

Oliver Kern

Aufstieg in die Millionärsklasse

Basketball-Bundesligist Alba Berlin darf per Wildcard zwei Jahre lang im höchsten Europacup starten. Der FC Bayern bekommt wohl sogar eine Zehn-Jahres-Lizenz. Die Bundesliga freut sich darüber, dabei besteht die große Gefahr einer Zweiklassen-Gesellschaft.

Seite 32
Alexander Ludewig

Wind im Gesicht, Fans im Rücken

Kevin Meinhardt ist das, was man einen Fußballverrückten nennt. Da ist er beim F.C. Hansa Rostock - zwischen Ostsee, Hamburg und Berlin eine Religion - genau richtig. Im Interview spricht er über Hansas Aufschwung und die Kraft von Traditionsvereinen in Coronazeiten

Seite 33
Christof Meueler

Es lebe das Buch - und seine Tüte!

Vorsicht: In dieser Tüte stecken Intrigen, Leidenschaften und Abenteuer!«, wirbt der Aufbau-Verlag. Das hofft man doch sehr. Denn in der Tüte ist ein Buch - und in einem Buch ist Freiheit. Oder Wahnsinn. Oder krauses Zeug. Es gibt die Buchtüten (Papier), die Buchtaschen (Plastik oder Papier) und die Buchbeutel (Jute). Mark Lehmstedt, der Chef des Leipziger Lehmstedt-Verlags, hat sie alle gesammelt...

Seite 34
Fokke Joel

Mama, wo bist du?

Meistens sind es die Männer, die Frau und Kinder verlassen. In Roberto Camurris Roman »Der Name seiner Mutter« ist es eine Frau. Ihren Namen erfährt man nicht. Auch ihr Sohn Pietro kennt ihn nicht. Er war noch ein Säugling, als sie verschwindet, und kann sich nicht an sie erinnern. Danach redet niemand mehr über sie, weder sein Vater Ettore noch seine Großeltern, die Eltern seiner Mutter. Erst am ...

Matthias Reichelt

Es lebe der Verdruss!

Peter Fabjan war der Halbbruder von Thomas Bernhard (1931- 1989). Lange Zeit war er auch sein Arzt und seine Vertrauensperson. Der Schriftsteller war schon in früher Jugend an Morbus Boeck erkrankt. Fabjan betreute ihn nicht nur medizinisch, als einfühlsamer Helfer begleitete er ihn auch auf seinen Reisen. • Buch im nd-Shop bestellen Peter Fabjan: Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard. ...

Seite 35
Werner Jung

Schmerz und Langeweile

Am besten bezeichnet man es wohl als Zeitroman, Tina Uebels neues Buch »Dann sind wir Helden«, das unter Anspielung auf eine Zeile aus David Bowies berühmten Song »Heroes« (deutsche Version) einen Querschnitt durch die Befindlichkeiten bundesdeutscher Wohlstandsbürger*innen samt pubertierendem Nachwuchs bietet. Eine Welt, messerscharf beleuchtet, zwischen Schmerz und Langeweile, worin Mitte des 19...

Nelli Tügel

Worte biegen, bis sie alles bedeuten

Die Geschichte ist schnell erzählt, und sie verspricht vieles zu behandeln, was die öffentliche Debatte intensiv bewegt: An der Uni Düsseldorf lehrt Saraswati, Koryphäe der Postcolonial Studies, umstrittene Star-Intellektuelle und Woman of Color. Ihre Schülerin Nivedita, aus deren Perspektive der Roman geschrieben ist, bewundert Saraswati nicht nur als Lehrerin, sondern liebt sie - beinahe wie ein...

Seite 36
Irmtraud Gutschke

Als ob man sie mundtot machen, vernichten wollte

Wir Frauen sterben wie die Fliegen. Ihr Männer besauft euch und tötet uns. Ihr wollt vögeln und tötet uns. Ihr seid wütend und tötet uns …« Die Ich-Erzählerin ist Anwältin, würde indes kaum je einen Mann verteidigen. Weil Frauen die Opfer sind, die noch beschuldigt werden, ihre Mörder provoziert zu haben. »Wir waren doch gewarnt worden: Geh nicht aus dem Haus. Schon gar nicht am Abend. Betrink dic...

Isabella A. Caldart

Ein Mädchen wird Dichter

Sie war ihrer Zeit voraus: Jahrzehnte vor Rachel Cusk und Annie Ernaux (und vielen zeitgenössischen männlichen Autoren) schrieb die dänische Schriftstellerin und Lyrikerin Tove Ditlevsen (1917-1976) in autofiktionaler Weise über ihr Leben. »Kindheit« und »Jugend«, die ersten Teile ihrer »Kopenhagen-Trilogie«, erschienen 1967, »Abhängigkeit« folgte 1971; jetzt sind erstmals alle drei Bände, überset...

Seite 37
Ingo Petz

Die Magie der Emanzipation

Zu Beginn ist da die Erinnerung an einen Ritt auf einem Kamel, in den 1980ern irgendwo in Kirgisien. Die sechsjährige Volha sitzt auf diesem Tier, das so gar nichts mit ihrer belarussischen Heimat zu tun hat. Von ihrer Tante wird sie zu diesem typischen Touristenfoto gewissermaßen gezwungen. Dann gibt der Fotograf der kleinen Volha auch noch zu verstehen, »dass ich mit meinem Kugelbauch auf dem Fo...

Marit Hofmann

Hopp oder top

Wenn einer nach 20 Jahren Analyse noch ein Buch darüber schreiben muss, kann man sie als gescheitert ansehen. Wenn das Buch dann auch noch scheitert, noch peinlicher.« Ist Michael Hopps für alle Fälle Roman genanntes Buch über sein Leben, seine Süchte, seine Journalistenlaufbahn, seine Schulden, seine Affären und seine Jahre auf der Couch, in denen er das alles bei zwei Analytikerinnen aufzuarbeit...

Seite 38
Enno Stahl

Ohne Paukenschläge, aber auch ohne Schalldämpfer

Das große Thema von Juan Gabriel Vásquez ist die Erinnerung - in seinen Romanen geht es um die verschütteten bzw. bewusst verscharrten Spuren politischer Gewalt, die gerade die blutige Geschichte seines Heimatlandes Kolumbien nur zu üppig bereithält. Auch sein Erzählband »Lieder für die Feuersbrunst« widmet sich den verdrängten historischen Altlasten, wie sie durch Zufälle oder durch den zwingende...

Othmara Glas

Zum Heulen witzig

Im Russischen schnurren Katzen nicht. Sie singen. »Wem die Katzen schnurren, der ist ein besungener Mensch«, schreibt Dmitrij Kapitelman. Dabei beginnt sein neuer Roman ausgerechnet auf einer »von sibirischen Katzen vollgepissten Treppe«, auf der der Protagonist eine schicksalshafte Entscheidung trifft. • Buch im nd-Shop bestellen Dmitrij Kapitelman: »Eine Formalie in Kiew«. Hanser, 176 S.,...

Seite 39
Monika Melchert

Gibt es noch das Schwanenservice?

Filigranes, edles Porzellan, kunstvoll verziert und bemalt, ebenso wertvoll wie zerbrechlich, verbindet sich mit der berühmten sächsischen Manufaktur. Dazu das Symbol des Schwans, der Schönheit und Beständigkeit verheißt: Das »Brühlsche Schwanenservice«, Höhepunkt barocker Tafelkultur und ein Hauptwerk der Meißener Porzellankunst, steht im Mittelpunkt dieser historischen Recherche. • Buch im ...

Norma Schneider

»Nur die Pest!«

Ein Wissenschaftler arbeitet an einem Impfstoff. Die Krankheit, gegen die er helfen soll, ist tödlich und hochansteckend. Ihr Name weckt bedrohliche Assoziationen: die Pest. Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit im Labor - eine verrutschte Gesichtsmaske - und die Infektionskette ist in Gang gesetzt. Nur knapp entgeht die Millionenstadt Moskau 1939 einer Epidemie. Die Bevölkerung hat von der drohend...

Seite 40
Axel Klingenberg

Nicht dass wir uns falsch verstehen

Ich mag eigentlich keine Krimis. Das liegt schon daran, dass mir die meisten Todesopfer in derartigen Büchern gleichgültig sind. Womit auch die Aufklärung des Verbrechens ziemlich egal wird. Die Witwe eines reichen Reeders wird ermordet? Und nach 350 verschwendeten Seiten stellt sich heraus, dass der verschwiegene uneheliche Sohn der alten Dame der Mörder ist? Na und, was geht mich das an? • ...

Guido Speckmann

Im Startblock verkümmert

Es sind Berufe, die Protagonisten in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nur selten haben: Vertriebsangestellter, Industriekaufmann oder Produktmanagerin. Sie arbeiten in Firmen, die Dinge verkaufen, denen man meist nur Beachtung schenkt, wenn sie nicht funktionieren: Snackautomaten, Wasserkocher oder Stabmixer. Oder unter denen man sich gar nichts vorstellen kann, wie unter Industrieverpack...

Seite 41
Lars Fleischmann

Der Untergang eines hippen Kerlchens

Es dauert zehn Seiten, bis man eine Ahnung davon bekommt, wovon »Kurzes Buch über Tobias« des Schriftstellers Jakob Nolte handeln könnte: Frau Shah ist verschwunden, der Protagonist Tobias Becker hatte womöglich Anteil daran - oder auch nicht. Die Vernehmung bei der Polizei bringt keine neuen Erkenntnisse. Außer vielleicht, dass ebenjene Verschwundene bei ihrem letzten Treffen Tobias noch einen Ha...

Klaus Bellin

Erschreckende Prophetie

Seit 1906 machte er sich Notizen, hielt Phrasen und Worthülsen fest, sammelte martialische Zitate, Wirtshaussprüche und Meldungen über Streiks und Wahlkämpfe. »Der Roman des Deutschen müsste geschrieben werden«, meinte Heinrich Mann am Silvestertag 1907 im Brief an René Schickele. »Die Zeit ist überreif für ihn.« • Buch im nd-Shop bestellen Heinrich Mann: Der Untertan. Große Neuausgabe, hg....

Seite 42
Irmtraud Gutschke

Der Rabe im Kofferraum

In Klausenburg geht es wundersam zu. Wobei zunächst gesagt werden muss, dass diese Stadt, einst zu Österreich-Ungarn gehörig, nach dem Ersten Weltkrieg zu Rumänien kam und heute unter dem Namen Cluj-Napoca die zweitgrößte Stadt dort ist. • Buch im nd-Shop bestellen GézaSzőcs: Untergrundfürsten. Geschichten aus Siebenbürgen. A. d. Ungar. u. m. einem Nachwort v. Hans-Henning Paetzke. Illustr....

Florian Schmid

Ketamin und Thomas Hobbes

Die 1977 in Buenos Aires geborene Pola Oloixarac gehört zu den international erfolgreichsten literarischen Stimmen Argentiniens. Ihr bereits 2008 im Original erschienener Debütroman »Wilde Theorien« ist nun endlich auch auf Deutsch lieferbar. 2016 war hierzulande schon »Kryptozän«, ihr zweiter Roman, erschienen. »Wilde Theorien« ist ein nicht immer einfaches, aber sehr beachtliches und ziemlich ra...

Seite 43
Björn Hayer

Plastikblumen für die Ewigkeit

Kann man Ravioli aus der Dose so zubereiten, als wäre es eine höhere Kunst? Oder ist es möglich, mit Beethoven zu sprechen, obwohl er bekanntermaßen längst nicht mehr unter uns weilt? Ja, beides geht - und noch viel mehr, wenn Helmut Krausser, ein Multitalent in Sachen Sprache, Literatur und Musik, die dichterische Feder mit altbewährt leichter Hand schwingt. • Buch im nd-Shop bestellen Helm...

Frank Schäfer

Aus den Händen und Armen gerissen

Es ist bezeichnend, dass sich die Malerin Emily Carr als Künstlerin erst durchsetzen kann, als sie Ende der 1920er Jahre ihre Sujets ändert und die Landschaften und Wälder ihrer kanadischen Heimat porträtiert. Davor hatte sie sich immerhin fast drei Jahrzehnte lang mit großem Eifer um das Erbe der First Nations bemüht. Um deren langsam aussterbende künstlerische Tradition zu bewahren, wollte sie d...

Seite 44
Harald Loch

Geschmäht, gehasst, bewundert und heiliggesprochen

Der Skandal machte Geschichte: eine Jungfrau in Männerkleidern! Doch ihre anfeuernden Appelle beflügelten Ritter und Bürger Frankreichs, den Kampf gegen die ihr Land besetzenden Engländer zu führen, der schließlich vom Triumph gekrönt wurde. Das alles ist 600 Jahre her. Was geht uns das an? • Buch im nd-Shop bestellen Gerd Krumeich: Jeanne d’Arc. Seherin, Kriegerin, Heilige. C. H. Beck, 399...

Gunnar Decker

Der Schuster als Künstler

Am 73. Tag der Oktoberrevolution, so heißt es, habe Lenin einen Freudentanz aufgeführt. Der Grund: Die Pariser Kommune - für Lenin ein Vorbild - hatte nur 72 Tage gedauert, vom 18. März 1871 bis zu ihrer blutigen Niederschlagung am 28. Mai. Inzwischen ist dieses Ur-Modell einer Räterepublik, die 1919 in München ihren Nachfolger fand, unverdient in Vergessenheit geraten. Vielleicht vermag das 150-j...

Seite 45
Karlen Vesper

»Ein sehr gescheites Frauenzimmer«

Ein starker Aufschlag. »Die politische Linke hat es selten verstanden, ihre abstrakten Ideen von Freiheit und Emanzipation sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft so darzulegen, dass sie für Außenstehende verständlich und vor allem attraktiv geworden wären. Häufig versuchte die Linke diesen Mangel auszugleichen, indem sie sich ihre eigenen Absichten von Freiheitskämpfern aus vorvergangenen ...

Seite 46
Harald Loch

Vermessung und Vermessenheit

Was hat der weiße Elefant mit der Nasa zu tun? Und was um Himmels willen mit dem hinreißenden Renaissancegebäude, dessen Abbild den Deckel eines neugierig machenden Buches ziert? Ursula Schulz-Dornburg hat das Foto beigesteuert und weitere künstlerisch wertvolle Lichtbilder aus dem Archivo General de Indias in Sevilla, das seit 1785 drei Jahrzehnte spanischer Kolonialgeschichte in Amerika aufbewah...

Michael Brie

Ein kritischer Imperativ

Er ist der wohl berühmteste intellektuelle Außenseiter der USA: Noam Chomsky. In den 80er Jahren war er - folgt man einem bekannten Index - die Person, die weltweit am meisten zitiert wurde. Seit seiner vehementen Auseinandersetzung mit dem Krieg der USA gegen Vietnam in den 60er Jahren ist er einer der einflussreichsten linken Kritiker des Kapitalismus und Imperialismus überhaupt. • Buch im ...

Seite 47
Ronald Friedmann

Zeit des Aufbruchs und der Enttäuschung

Vor gut 100 Jahren, im März 1919, war der Berliner Bezirk Lichtenberg, damals noch eine selbstständige Stadtgemeinde am Rande der deutschen Hauptstadt, Schauplatz eines blutigen Krieges gegen die örtliche Bevölkerung. Schwere Artillerie und sogar Bombenflugzeuge wurden eingesetzt, um einen spontanen Protest niederzuwerfen. • Buch im nd-Shop bestellen Axel Weipert/Stefan Bollinger /Dietmar La...

Johannes Tesfai

Revolutionäre Archäologie

Jahrestage haben immer etwas Statisches, geradezu Langweiliges. Sie leben von der großen Rückschau. Christopher Wimmer und Detlef Hartmann haben anlässlich des 150. Jubiläums der Pariser Kommune ein Buch geschrieben, das sich so gar nicht in die bedächtige Jahrestagskultur einordnen lässt. In »Die Kommunen vor der Kommune 1870/71« schauen sie nicht so sehr auf das historische Spektakel im Paris je...

Seite 48
Harald Loch

Die neuen Unübersichtlichkeiten

Am Mittelmeer standen die Wiegen von Kulturen und Religionen. Sein östlicher Teil ist das Scharnier zwischen drei Kontinenten: Europa, Asien und Afrika. Der in Istanbul ansässige Nahost-Experte Thomas Seibert beobachtet von seinem Logenplatz aus den aktuellen Machtkampf, in den nicht nur die Anrainer, sondern auch Großmächte verwickelt sind. Was in den Küstenländern passiert, findet im Meer seine ...

Reiner Oschmann

Zuerst die Farce, dann die Tragödie?

Die hier angezeigten drei Sachbücher entstanden während Trumps Präsidentschaft. Aber sie verlieren mit seinem Abgang nicht an Wert. Dieses Kompliment verdient sich in erster Linie »Amerika im kalten Bürgerkrieg« von Torben Lütjen, der den Großteil von Trumps Amtszeit vor Ort an einer Universität und im Alltag in Tennessee miterlebte. Sein Blick auf die Ursachen für die Krise der wunden Weltmacht g...

Seite 49
Irmtraud Gutschke

Nachricht vom politischen Parkett

Der Titel klingt wie aus der Werbung: Kaufen Sie, sonst ist es zu spät. Und jetzt soll es gleich eine »neue Weltordnung« sein? Die lässt sich aber nicht herbeizitieren, wie die Autoren wohl wissen. Neulich las ich irgendwo im Internet, Gerhard Schröder könne doch eine neue Partei gründen. Mit seinem Aufruf zur Auflösung der Nato, seiner konsequent pragmatischen, partnerschaftlichen Haltung zu Russ...

Wolfram Adolphi

Mahnende Worte

Hans Modrow, der 93-jährige deutsche Staatsmann, hat ein Buch über China vorgelegt. »Brückenbauer« heißt es, und wer Interesse an der Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen hat, darf es nicht links liegen lassen. Es ist laut Untertitel eine »persönliche Rückschau« - die Rückschau eines Mannes, der »im Gründungsjahr der DDR und der Volksrepublik China 1949« aus sowjetischer Kriegsgefangen...

Seite 50
Ralf Höller

«Uns hat die Macht noch nicht korrumpiert»

Man hat versucht, aus den Frauen eine Kaste zu machen. Die Auslese fand unter den zermalmenden Kräften im Lauf der Geschichte statt. Man hat uns nicht gefragt, wie wir das finden, und wir brauchen niemanden zu fragen.« Schon gar nicht die Männer, fand Louise Michel. Ihnen wollte die in die Hauptstadt gezogene Lehrerin aus Vroncourt im Departement Haute-Marne und militante Streiterin für die Parise...

Shaya Zarrin

Eine rote Feministin

Wie weiter mit Clara Zetkin? In der DDR wurde sie als Kommunistin und Frauenrechtlerin der ersten Generation verehrt, in der BRD ignoriert. Wie kann ihr modernes Vermächtnis aussehen? Gibt es etwas, das Feminist*innen heute von Clara Zetkin lernen können? • Buch im nd-Shop bestellen Lou Zucker: Geschichte im Brennpunkt. Clara Zetkin: Eine rote Feministin. Das Neue Berlin, 152 S., br., 18 €....

Seite 51
Eckart Roloff

Besessen von einer Furcht

Es liest sich vernünftig. Und so zeitgemäß: »Hygiene ist das Modewort. Es geht um Mundhygiene, um persönliche Hygiene, Hygiene im Haushalt oder um soziale Hygiene. (…) In der gesamten Gesellschaft sind großangelegte Aufklärungs- und Reinigungsarbeiten im Gange. (…) Die Ärzte sind die treibende Kraft.« Dem aber folgt: »Die Reinheitslehre kann sich auf alles beziehen.« Gemeint sind die Gemeinde, die...

Sabine Kebir

Die Dispute der Weißen

Der italienische Philosoph Domenico Losurdo hat sich seit 1989 um eine praktische Bilanz des Marxismus bemüht, und zwar aus mehreren Perspektiven. Seine wichtigste Folgerung: Die wesentliche Fortschrittsbewegung des 20. Jahrhunderts war nicht der in Stagnation geratene Sozialismus, der sich zeitweise und fast nur in der nichtwestlichen Welt staatlich verankern konnte, sondern waren die freilich be...

Seite 52
Daniela Fuchs

Die Hölle eines Durchgangslagers

Als am 15. April 1945 Angehörige der Britischen Armee das KZ Bergen-Belsen im Kreis Celle befreiten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Etwa 10 000 Leichen, zum Teil halb verwest, lagen über das gesamte Gelände verstreut. Die Überlebenden waren in einem schrecklichen Zustand, geschwächt durch Hunger, erkrankt an Seuchen. Für viele kam jede Hilfe zu spät. 14 000 Menschen starben noch in den folge...

Karlen Vesper

Nicht vergesslich - verlogen und feige

Nichts lässt sich am Geschehen verändern, es sei denn unser Umgang mit der Vergangenheit verändert die Sicht auf das Geschehene. Denn ›das, was war‹, interessiert uns nicht darum, weil es war, sondern weil es in gewissem Sinn noch ist, indem es noch wirkt.« Mit diesem Zitat aus der »Historik« von Johann Gustav Droysen leitet Lothar Steinbach sein neues Buch ein, das er dem »Gedenken an die Opfer n...

Seite 53
Ernst Reuß

Zeugnisse der Shoah

Schon kurz nach ihrer Befreiung hatten sich jüdische Überlebende des Holocaust in lokalen Gruppen zusammengeschlossen. Damals wurden die von den Nazis aus aller Herren Länder verschleppten Menschen von den Alliierten in speziellen Camps für sogenannte Displaced Persons (DP) zusammengeführt, um »repatriiert« zu werden. Nicht wenige organisierten sich im »Zentralkomitee der befreiten Juden in der am...

Harald Loch

Ein Geschichtsbuch der besonderen Art

Was für ein Panorama! Peter Merseburger schreibt seine Lebensgeschichte als die eines politischen Zeitgenossen. Der 1928 im anhaltinischen Zeitz geborene Doyen des deutschen investigativen Journalismus hat mit über 90 Jahren das Schreiben nicht verlernt. • Buch im nd-Shop bestellen Peter Merseburger: Aufbruch ins Ungewisse. Erinnerungen eines politischen Zeitgenossen. DVA, 464 S., geb., 28 ...

Seite 54
Gerhard Klas

Was unterm Mikroskop nicht zu sehen ist

Die Corona-Pandemie ist keine Naturkatastrophe. Wie andere Epidemien des 21. Jahrhunderts ist sie eine Folge des menschlichen Raubbaus an der Natur. Das ist die These, die Rob Wallace, US-amerikanischer Evolutionsbiologe und Epidemiologe, in seinem Buch aufstellt. Er arbeitete unter anderem als Berater für die Vereinten Nationen und die US-Gesundheitsbehörde. Heute entwickelt er Projekte für eine ...

Franziska Klein

Plädoyers für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit

Zur Corona-Pandemie erschienen die ersten Bücher im Sommer vergangenen Jahres; die Wiener Editionshäuser Promedia und Passagen gehörten zu den ersten Verlagen, die das Thema aufgriffen. Jetzt stößt J. H. W. Dietz hinzu. Der in Bonn ansässige Verlag präsentiert dazu gar eine ganze Publikationsreihe, gedacht als Diskussionsbeiträge in Zeiten, da Veranstaltungen live nur digital möglich sind. • ...

Seite 55
Irmtraud Gutschke

Ein Baum läuft durch die Stadt

Viele Bücher gibt es, in denen hat ein Kind heimlich eine Katze mit nach Hause gebracht oder einen Hund. Auch an einen Bären kann ich mich erinnern und an ein Nilpferd, was schon schwieriger, also fantastischer, war. • Buch im nd-Shop bestellen Andrea Schomburg/ Amrei Fiedler: Ab hier kenn ich mich aus. Tulipan, 48 S., geb., 15 €. • Hier aber kommt ein kleines Mädchen mit einem Baum du...

Silvia Ottow

Der Wechsel der Welten

Es ist bei den Mäusen wie bei den Menschen: Die einen sitzen gern auf dem Land unterm Apfelbaum, befeuern den Ofen ihres Hüttchens mit Holz und essen die Biomöhren aus dem Garten. Die anderen wohnen mit Tausenden Artgenossen im städtischen Hochhaus, heizen mittels Knopfdruck und verspeisen Aufgetautes aus dem Tiefkühlschrank. Wer mag schon darüber richten, welches Leben vorzuziehen sei, und ob es ...

Irmtraud Gutschke

Außerordentlich wundersam

Was ist wohl erstaunlicher? Dass man aus Kieselsteinen den aromatischsten Tee kochen kann, allerdings nur in Begleitung einer Ziehharmonika? Oder dass der Teekessel vier Kindern als bequeme Schlafgelegenheit dient, während eine Katze und ein sonderbarer Quangel-Wangel (sieht aus wie eine Marionettenfigur) das Schiff steuern? • Buch im nd-Shop bestellen Edward Lear/Klaus Ensikat: Die Geschich...

Seite 56
Silvia Ottow

Kann man sich das Leben ausrechnen?

Bis gestern hatte Malte nicht ein einziges Problem. Wenn man mal von den Doppelstunden in Deutsch bei der Ullrich absieht. Die immer mit ihren Gedichten, und was man dazu wohl sagt als Schüler. Am liebsten gar nichts. Gedichte sind irgendwie schwurblig und enthalten keine richtigen Sätze, jedenfalls keine logischen, findet Malte. Er will dazu gar nichts sagen, höchstens mit den Achseln zucken. ...

Jens Buchholz

Im Archiv der wohlstandsverwöhnten Wehmütigkeit

Wir sind nur ein paar alte Knacker, die sich erinnern«, lässt Frank Goosen seine Romanfigur Fränge den Inhalt seines 80er-Jahre-Buches »Sweet Dreams. Rücksturz in die Achtziger« zusammenfassen. Und die belesene Romanfigur Förster ergänzt Fränges Feststellung mit einem Zitat des Romantikers Jean Paul: »Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.« • Buch...