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Stephan Kaufmann

Kurzlehrgang Immobilienökonomie

Das Verfassungsgericht hat den Berliner Mietendeckel gekippt, was bedeutet, dass die Mieten nun wieder steigen dürfen. Und das ist letztlich gut für die Mieter*innen. Sagt der herrschende ökonomische Sachverstand. Wieso?

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Aert van Riel

Streiten verlernt

Am Montag entscheidet der Vorstand der Grünen, ob Robert Habeck oder Annalena Baerbock Spitzenkandidat für die Bundestagswahl wird. Eine Richtungsentscheidung ist damit nicht verbunden. Die Vorsitzenden haben es vielmehr geschafft, die Partei auf ihre gemeinsame Linie zu bringen.

Uwe Kalbe

»Offen, aber auch ehrlich«

Die K-Frage ist für die Union immer wieder eine K.o.-Frage. CSU-Kandidaten drängen an die Macht und nehmen dafür auch gern Opfer in Kauf - die des Kandidaten der anderen Seite.

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René Heilig

Von Lügen getragen

Die USA haben angekündigt, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Auch die anderen Nato-Staaten wollen im Mai mit dem Rückzug beginnen. Welche geostrategischen Folgen hat der militärische Rückzug?

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Jana Frielinghaus

Scharfe Kritik an »Notbremse«

Am Mittwoch soll eine weitere Novelle des Infektionsschutzgesetzes vom Bundestag beschlossen werden, mit dem der Bund mehr Kompetenzen in der Pandemiebekämpfung bekommen soll. Am Freitag wurde darüber im Parlament heftig gestritten.

Anjana Shrivastava

Die Größe des Problems

War sein Knie eine Mordwaffe? Für die Ankläger im Prozess gegen den Polizisten Derek Chauvin eine eindeutige Sache. Die Verteidigung ließ sich dagegen bescheinigen, dass die Ursache für den Tod von George Floyd nicht eindeutig festzustellen sei.

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Yannic Walther

Mietendeckelwut treibt 20.000 in Berlin auf die Straße

Die Mietenbewegung in Berlin ist zurück! Das zeigen 20.000 Demonstranten gegen das Urteil des Bundesverfasssungsgericht zum Mietendeckel. Aktivisten erwarten Auftrieb für die Kampagne zur Enteignung großer Immobilienkonzerne in Berlin.

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Stephan Kaufmann

Die Börse feiert

Für Mieter:innen bedeutet das Ende des Mietendeckels nichts Gutes. Für die Börse schon. Im Zuge des Verfassungsgerichtsurteils geht es mit Immobilienaktienkursen bergauf. Sorgen bereiten der Börse nur Initiativen wie »Deutsche Wohnen & Co. enteignen«

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Olivier David

Leben auf dem Bauwagenplatz

Dort, wo es in Großstädten um »Nachverdichtung« geht, um »Kapitalanlagen« und »Betongold«, da wirken Bauwagenplätze wie aus der Zeit gefallene gallische Dörfer. Ein Vor-Ort-Besuch auf dem Bauwagenplatz in Hamburg-Ottensen.

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Rainer Rutz

Hart am Limit

Neu-Hohenschönhausen zählt zu den einkommensschwächsten Ortsteilen Ostberlins. Zuletzt hat auch die Zahl der Menschen zugenommen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Ein kirchlich angebundenes Projekt hilft - mit Unterstützung der Linken.

Seite 10
Andreas Fritsche

Für Jens, die FDP und Brandenburg

Mit Listenplatz drei in Brandenburg ist die Chance der 23-jährigen FDP-Politikerin Laura Schieritz auf ein Bundestagsmandat gering. Sie kann aber auf sich aufmerksam machen - so wie schon, als sie Verfassungsbeschwerde gegen das Paritätsgesetz einlegte.

Seite 12
Jakob Hayner

Autoritäre Ersatzhandlung

Geht es nach der Bundesregierung, soll der Dauerlockdown kommen. Sie hat Bundestag und Bundesrat den Entwurf für das Vierte Bevölkerungsschutzgesetz vorgelegt. Es sind drei Dinge, die an dem verharmlosend »Bundesnotbremse« genannten Entwurf problematisch sind.

Birger Schütz

Bidens neuer Ansatz

Auf den ersten Blick wirkt Joe Bidens Streich gegen Russland hart und unversöhnlich: Mitten in der Ukraine-Krise weist der US-Präsident, der Putin kürzlich öffentlich als »Killer« bezeichnete, zehn russische Diplomaten aus und verhängt strikte Sanktionen gegen sechs russische Technologiefirmen sowie mehr als 20 Personen und Organisationen. Noch schlimmer: Der Mann im Weißen Haus macht eine lange a...

Johannes Schulten

Eins-a-Betriebsrat

Ralf Sander ist ein Held der Arbeiterklasse! Der Gewerkschafter erhöhte den Organisationsgrad bei Primark von 0 auf für die Branche astronomische 70 Prozent, erstritt einen Tarifvertrag und engagiert sich auch für Arbeiter in Bangladesch.

Leo Fischer

Der gesellschaftliche Gesamtmumpitz

Mietendeckel, abfällige Bemerkungen über die Grundsicherung, Rentendebatte, Corona-Politik: Offensichtlich ist die besitzende Klasse nicht länger an einer Fortführung des Sozialvertrags interessiert.

Seite 13

»Hier stehe ich ...«

Es ist so eine Sache mit den berühmten Aussagen großer Männer, die zu geflügelten Worten wurden, jedoch so nicht artikuliert worden sind. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Ermahnung von Michail Gorbatschow an Erich Honecker: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.« Ein glatter Satz, der in die Geschichtsbücher einging, vom KPdSU-Generalsekretär indes viel umständlicher formul...

Karlen Vesper

Alles nur geklaut

Endlich wird auch in Deutschland diskutiert - über die Rückgabe in kolonialer Zeit unrechtmäßig angeeigneter Kulturgüter an die Herkunftsländer. Unbehagen darüber ist aber spürbar.

Seite 14
Frank Willmann

»Dort hingehen, wo es wehtut!«

In ihren aktuellen Büchern haben Michael Kröchert und Florian Werner die Autobahn- und Raststättenkultur porträtiert. Im Gespräch geben sie Auskunft über Exzess und Meditation auf der Fernstraße und die Unbehaustheit von Rasthöfen.

Seite 15
Jeja Klein

Rumvögeln ist noch keine Befreiung

»Sexpositivismus« gilt in jüngeren linken Kreisen als Standard. Es geht um die linke »Befreiung« der Sexualität, aber der Ausdruck »sexpositiv« stellt eine implizite Kritik an anderen Formen des Feminismus dar. Diese seien zu »sexnegativ«. Aber was soll das heißen?

Seite 16
Simon Poelchau

Der Knastkakao-Monopolist

Bernie Madoff baute ein 65 Milliarden US-Dollar großes Schneeballsystem auf, das ihn erst Reichtum und Ruhm, dann 150 Jahre Gefängnis einbrachte. Nun ist er in Haft verstorben.

Georg Fülberth

Kraft der Negation

Er wirkte im Kommunistischen Bund, in den Grünen, im Kabarett, im Theater und war nie ein Realo: Der Revolutionär Thomas Ebermann wird am Sonntag 70.

Seite 17
Sarah Schaefer

Selbstständig in die Zukunft

Der Berliner Verein I.S.I. unterstützt seit 30 Jahren Frauen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Die Frauen finden dort ein Umfeld, das an sie glaubt.

Seite 18
Jürgen Vogt

Schnelltests aus der Kooperative

Das bedeutendste Pharmaunternehmen Argentiniens »Roux-Ocefa« meldete 2015 Konkurs an. Inzwischen wird es wieder von über 100 Beschäftigten als Kooperative betrieben.

Seite 19
Martin Ling

Mit Sparpaketen in die Krise

2001 Argentinien gemeinsam mit dem Währungsfonds die Wirtschaft an die Wand. Die tiefe Krise brachte die Bewegung der Fábricas Recuperadas hervor, bei der sich die Arbeiter*innen aufgegebener Betriebe bemächtigten, um sie eigenständig zu betreiben.

Jürgen Vogt

»Mein größter Traum wäre eine wiedererlangte Bank«

Die Geschichte der argentinischen Fábricas Recuperadas - der wiedererlangten Betriebe - begann vor 20 Jahren. Damals schloss ein Unternehmen nach dem anderen. Die Arbeiter*innen übernahmen die Produktion und legten wieder los. Seit ein paar Jahren gibt ein Gesetz der Selbstverwaltung Vorrang vor der Schließung, erzählt der Anwalt Luis Caro.

Seite 20
Wolfgang Scherreiks

Nach oben schauen!

Warum soll der Himmel eigentlich immer blau sein? Wer statt ins Smartphone den Blick nach oben riskiert, wird nicht nur regional das präzisere Wetter finden, sondern hat auch jede Menge zu entdecken. Eine Einladung zur Wolkenreise.

Seite 21
Tanja Röckemann

Leerstelle DDR

Ein Schlagwort geistert durch die deutsche Öffentlichkeit, das die derzeit angesagteste politische Kategorie anwendet auf die »Wende«-Erzählung: »Ostidentität«. Warum redet trotzdem niemand über den Sozialismus? Eine kleine Kritik der Ostidentität.

Seite 22
Andreas Knudsen

Sie kamen, verschwanden und kamen wieder

Wie und wann der Homo sapiens Europa besiedelte ist noch wenig erforscht. Genetische Untersuchungen legen nahe: Der Kontakt mit den Neandertalern scheint nicht unbedingt feindlich gewesen zu sein, eher das Gegenteil.

Seite 23
Susanne Aigner

»Grüne Mauer« gegen Sand

Afrika kommt meist nur als Krieg oder Katastrophe in den Medien vor. Doch am Südrand der Sahara - der Sahelzone - ist eine »Grüne Mauer« gegen die Wüste im Wachsen. Bisher leider sehr langsam. Doch nun könnte dank internationaler Geldgeber Bewegung in die Sache kommen.

Seite 24
Hermannus Pfeiffer

Segel setzen und Kanonen bereit

Seit 1990 wird auch in Deutschland die Marine aufgerüstet. Es geht um wichtige Handelsouten und militärische Kontrolle, der Schlüsselbegriff lautet »Projektion von Macht«. Über Seemacht im 21. Jahrhundert.

Seite 25
Sina Arnold

Mehr erinnern, nicht weniger

Mit seinem vieldiskutierten Buch »Multidirektionale Erinnerung« sucht Michael Rothberg nach Wegen aus der Erinnerungskonkurrenz. Das relativiert keineswegs den Holocaust, sondern trägt zur Unversöhnlichkeit mit Vergangenem und Bestehendem bei.

Seite 26
Karsten Krampitz

Gott helfe mir, aber auch den Juden?

Der Rabbiner Reinhold Lewin erforschte Anfang des 20. Jahrhunderts Luthers schwieriges Verhältnis zum Judentum. Dann wurde er von den Nazis ermordet, die sich in ihrem Judenhass wiederum auf den Reformator beriefen. Seine Nachkommen leben in Israel.

Seite 28
Oliver Kern

Lange Party und noch längere Verträge

Acht Titel in zehn Jahren. Berlins Volleyballer dominieren die Bundesliga - zumindest immer am entscheidenden Ende einer jeden Saison. Damit die Vorherrschaft nicht endet, ist schon das nächste Meisterteam in Arbeit.

Jirka Grahl

Training im Freien muss möglich sein

André Hahn ist in der Bundestagsfraktion der Linkspartei der Mann für den Sport. Der 57-Jährige kickt nicht nur als Stürmer beim FC Bundestag mit, er sitzt auch im Sportausschuss und macht sich dort unter anderem für den Breitensport stark.

Seite 29

Hertha muss doch Spiele absagen

Sechs Spiele vor dem Saisonende hat es auch die 1. Liga getroffen. Als erster Bundesligist muss Hertha BSC in dieser Saison nach vier Corona-Fällen das komplette Team in häusliche Quarantäne schicken. Drei Spiele müssen in den Mai verlegt werden.

Ronny Blaschke

Spielfeld für Separatisten

Im Baskenland dient der Fußball als emotionale Kulisse für das Streben nach Unabhängigkeit. Der wichtigste Klub Athletic Bilbao ist mit der Politik verbunden, setzt ausschließlich auf Spieler mit baskischen Wurzeln - und kann nun den spanischen Pokal gewinnen.

Seite 30
Seite 32
Christof Meueler

Spricht man in Hannover Hochdeutsch?

Dr. Steffen Schmidt ist der Universalgelehrte der »nd«-Redaktion. Auf fast 
jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Christof Meueler fragte ihn nach der hochdeutschen Aussprache und warum alle dabei an Hannover denken.

Seite 33
Mario Pschera

Arabesken und Arabellionen

Im Januar dieses Jahres schrieb mir unser Leser F. aus Wetter an der Ruhr, dass er sich Buchvorstellungen zum Maghreb wünsche, denn »in der Folge der Silvesternacht und der sogenannten Flüchtlingswelle 2015 sind die Nordafrikaner ja immer mehr stigmatisiert worden, sodass man nicht genug Gegenpole dazu setzen kann. Freilich werden wir die Engstirnigen und Eingefahrenen niemals erreichen, aber viel...

Seite 34
Rotkäppchen und Layla wa al-Dhib

Rotkäppchen und Layla wa al-Dhib

Das Geschichtenerzählen aus kulturübergreifender Perspektive. Ein einführender Essay Geschichtenerzählen ist universal und kann als der menschlichen Natur eigen bezeichnet werden. Geschichten, Erzählungen oder Märchen sollen in diesem Band aus einer kulturübergreifenden Perspektive beleuchtet werden. Im Nachlass seines West-Östlichen Divans fasste der deutsche Dichter und Schriftsteller Johan...

Seite 35
Eine Revolution des Lächelns

Eine Revolution des Lächelns

Während die Erinnerung an den erhabenen Beweis für die Existenz des algerischen Volkes durch die Novemberrevolution tödlich beschädigt schien, nachdem dieses Volk von dem Regime, das ihm gleich nach der Unabhängigkeit seine Freiheit geraubt hatte, so schwer misshandelt worden war, nimmt es heute seinen souveränen Marsch wieder auf, in der Sonne der unendlichen Möglichkeiten, die denen geboten werd...

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Der Sex, der Job und die Moral

Der Sex, der Job und die Moral

Plötzlich stand Jusuf still, bewegte seine Hände nicht mehr und horchte: Er hörte genau auf das Geräusch des Frauenschuhs, der den Betonflur entlangschritt: »Trick-track, trick- track.« Er zog den Gummihandschuh, mit dem er vorher gespielt hatte, von seiner Hand. Er drückte die fünf gelben Finger zwischen die Schere und schnitt sie mit einer einzigen Bewegung einen nach dem anderen langsam ab. Er ...

Seite 37
Ich kann nicht alleine wütend sein

Ich kann nicht alleine wütend sein

Yosra Esseghir / Das Kollektiv Chaml Als sich das Kollektiv Chaml gründete, waren wir bloß eine Handvoll Frauen. Eine Handvoll unzufriedener Frauen, die nicht bereit waren, sich mit dieser Unzufriedenheit abzufinden, die in den sozialen Netzwerken ihrem Unmut über ein ungerechtes Gesellschaftssystem Luft machten. Schnell schlossen sich uns viele andere an und so entschieden wir, uns mit keinem...

Seite 38
Bruder Oberst und die Löwen

Bruder Oberst und die Löwen

Die Libyer! Warum wir zu wenig über dieses Land wissen und wie ein merkwürdiges Bild entstand (Auszug aus dem einleitenden Essay von Daniel Gerlach und Robert Chatterjee) Mancher Film schreibt seine eigene Geschichte. Und manchmal ist diese ebenso tragisch oder kurios wie die Story, die der Film eigentlich erzählen wollte. Der »Löwe der Wüste« floppte 1981 an den Kinokassen, trotz eines angeb...

Seite 39
Die Krankheit im Körper der Stadt

Die Krankheit im Körper der Stadt

Nun kehrst du zurück. Lange warst du auf der Flucht, vor dir und deinem Namen, vor den Folgen deines Handelns. Viel Zeit ist verstrichen seit deinem Weggang, der ohnehin nur für einige an dir Interessierte von Bedeutung gewesen war. Und auch diese wenigen werden, wie üblich, immer rarer. Du bist nicht gewiss, was noch blieb vom lodernden Feuer, das in den Tagen der Jugend und Hoffnung tief in dein...

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Koranzitate und die Pax Autocratica

Koranzitate und die Pax Autocratica

Vom Unsinn, die arabische Welt in Jahreszeiten oder mit Koran-Zitaten erklären zu wollen. Sie fuhren in einem Zug von der ägyptischen Hafenstadt Alexandria durch das Nildelta, Muhammad Eid und Ahmad Samir, zwei junge Straßenverkäufer. Muhammad bot normalerweise selbst gemachte kleine Malereien auf Holz oder Leder in Alexandria feil. Aber an diesem Tag hatte der Regen all seine Objekte zerstör...